Weihnachtsworte.

Ach, meine Lieben!

Ich hätte euch heute wirklich einen wunderbaren Weihnachtspodcast von mir gegönnt (der erste Podcast seit … eineinhalb Jahren?!). Und … er war nicht schlecht. Echt nicht. Ich hätte euch von meinem übertriebenen Alkoholkonsum in der Weihnachtszeit erzählt und dass ich nicht an Jesus glaube. Und warum mir Weihnachten trotzdem so viel bedeutet. Das alles hätte ich euch erzählt, in antrainiertem Hochdeutsch mit einigen oberösterreichischen Worthülseneinschüben und falschen Intonationen. Es wäre etwas Schönes geworden, aber der Perfektionismus schlug zu. Ja. Es hätte umwerfend werden sollen. Und das ist es nicht. Es tut mir Leid.

Aber um euch nicht vollkommen im Regen (Schnee? Sturm? Sonne?) stehen zu lassen, habe ich jetzt etwas Schönes gefunden. Von Reclam gibt es nämlich ein kleines Gedichteband von Erich Fried (ISBN 3-15-008863-1). Und auch wenn es keine Weihnachtsgedichte darin gibt, so gibt es doch so viele wundervolle Lyrik. Und eines passt perfekt zu einem gefühlsverwirrten kleinen Blogger.

Worte

Wenn meinen Worten die Silben ausfallen vor Müdigkeit
und auf der Schreibmaschine  die dummen Fehler beginnen
wenn ich  einschlafen will
und nicht mehr wachen zur täglichen Trauer
um das was geschieht in der Welt
und was ich nicht verhindern kann

beginnt da und dort ein Wort sich zu putzen und leise zu summen
und ein halber Gedanke kämmt sich und sucht einen andern
der vielleicht eben noch an etwas gewürgt hat
was er nicht schlucken konnte
doch jetzt sich umsieht
und den halben Gedanken an der Hand nimmt und sagt zu ihm:
Komm.

Und dann fliegen einige von den müden Worten
und einige Tippfehler die über sich selber lachen
mit oder ohne die halben und ganzen Gedanken
aus dem Londoner Elend über Meer und Flachland und Berge
immer wieder hinüber zur selben Stelle

Und morgens wenn du die Stufen hinuntergehst durch den Garten
und stehenbleibst und aufmerksam wirst und hinsiehst
kannst du sie sitzen sehen oder auch flattern hören
ein wenig verfroren und vielleicht auch noch ein wenig verloren
und immer ganz dumm vor Glück daß sie wirklich bei dir sind

Mir gefällt dieses Gedicht außergewöhnlich gut. Und ich hoffe, es tröstet euch über den ausfallenden Weihnachtspodcast hinweg.

Liebe Leser von Neon|Wilderness – Ihr habt schon so einiges mit mir miterlebt. Beziehungsweise habe ich euch oft davon erzählt und euch mitgenommen auf eine Reise in meine Vorstellungen und meine Träume. Und oft habt ihr nicht wirklich gewusst, was Realität und was Fantasie war. Und ihr habt mir zugestimmt oder auch widersprochen und mir zugehört und mir wundervolle Worte gespendet.

Ich wünsche euch hiermit, auf diesem so furchtbar blogtypischen Weg ein schönes Weihnachtsfest. Genießt all die wundervollen freien Tage mit Familie, euren Freunden und eurer Liebe.  Mögen all’ eure immateriellen Wünsche in Erfüllung gehen! Ich zähl’ auf euch!

Über Dominik Leitner

Es war einmal. Und jetzt bin ich.
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2 Antworten zu Weihnachtsworte.

  1. Q. schreibt:

    Eins meiner Lieblingsedichte von Erich Fried. Ein großartiger Dichter. Er schafft es immer wieder in nur wenigen Worten das zu sagen, was gesagt werden muss. Und das in einer Präzision und Weisheit, das man sich selbst ganz dumm und erbärmlich vorkommt (Natürlich, bis man das Gedicht gelesen hat. Dann ist man wieder etwas schlauer).

  2. Schonzeit schreibt:

    Wünsche dir auf blogtypischem Weg und mit Schonzeittypischer Verspätung: Frohes Fest gehabt zu haben :D

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