Archiv für Juli 2009

Freitags. Mit Senf. #5

Senf

Über krankheitsbedingte Arbeitswochen,  Prüfungsscheiße und die Frage nach der Trauer.

Ja, natürlich denke ich an euch. Auch wenn ihr derzeit noch mit Kommentaren zu dieser Kolumne spart (das soll jetzt eindeutig keine Aufforderung sein), halte ich unentwegt an ihr fest und versorge euch auch heute wieder mit einem zwanghaft lustigen Rückblick über die letzten sieben Tage zu versorgen. Auch wenn mir natürlich schon aufgefallen ist, dass das Meiste hier vor allem ich besonders lustig finde. Aber es ist ja immer so: Man hätte es selbst erleben müssen.

Nach Folge Nummer 4 folgte sogleich ein kurzer, unnötiger Samstagarbeitstag (mit dem vollen Umfang von 4 Stunden), welcher vor allem dadurch erschwert wurde, da ich eben nur genauso viele Stunden und noch dazu in meinem Auto schlief. Das Leben ist eben manchmal schon etwas umständlich, ungemütlich und lässt nur wenig Zeit zum Erholen. Am Abend dann fand schließlich das schönste Betrinken seit mehr als 3 Jahren statt. Und dass auch meine Schwester in diesem Lokal mitfeierte, machte daraus etwas Besonderes. Weil es ja auch zwischen uns, trotz so mancher Streitereien (die aber neuerdings ohne Blut, blauem Auge oder Schürfwunden von statten gehen – ich glaube wir werden erwachsen!), zurzeit gerade wieder passt.

Die ganze Woche dann kämpfte ich gegen eine wirklich gemeine Verkühlung an. Aus Schnupfen wurde Husten, wurde Kopfschmerzen und verschlagene Ohren. Und schließlich das Ganze, nur noch schlimmer. Ich frage mich sowieso, warum ich mich in diesem Zustand doch die ganze Zeit immer und immer wieder in die Arbeit ging. Machte es mir doch der kalte Schweiß auf meiner Stirn ganz offensichtlich, dass ich nicht besonders gesund war. Und im Übrigen sieht man es mir sogar an meinen Augen (bzw. vor allem) an, dass ich angeschlagen bin. Aber wahrscheinlich war all die Mühe nur, weil ich mich sowieso in der letzten Ferialjobwoche befand, die ich auch noch mit Arbeiten für meinen Job in Wien versüßte.

Im Übrigen habe ich schließlich die Noten für meine Prüfungen erfahren. Wisst ihr, dass man sich ganz schnell unglaublich dumm vorkommen kann? Und da ist es egal, ob der Professor und sein Verbesserer Vollidioten sind oder nicht. Aber dieses Resultat das Semester ist ja eben doch mehr als nur zu kotzen. Infos hätte man diese Woche via Twitter und meiner Soup erfahren. Deswegen ist die Sache mit der Familienbeihilfe für ein paar Monate zumindest gegessen, und so bin ich nur mehr als froh, dass ich noch meinen Job in Wien habe. Und jetzt habe ich endlich auch wieder Zeit, mich voll und ganz hineinzuwerfen.

Letztendlich haben wir es auch noch geschafft, uns zusammenzusitzen: ein 11-Tage-Urlaub-Festival muss ja auch richtig durchgeplant werden. Und ja, wir freuen uns schon auf unser Goa-Psy-Festival in Ungarn. Mit Wohnwagen und Partylaune. Deswegen kündige ich jetzt schon mal an, dass ich mindestens 10 Tage nicht mehr erreichbar sein werde. Ach … wie schön. Urlaub. Endlich. Party.

Und dann wär da noch die Sache mit der Trauer. Natürlich machte es mich anfangs etwas stutzig, als mein Vater mich fragte, ob ich mitfahren möchte. Ins Krankenhaus, zu meiner Oma (väterlicherseits). Ihr würde es nicht gut gehen und es ‘wäre nur mehr eine Frage der Zeit’. Verdammte Floskeln. Aber sie ist 87 Jahre alt. Darf man da nicht irgendwann einmal einfach gehen dürfen? Irgendwie hatte ich ein viel trauriges Gefühl in mir, als die Großmutter eines wichtigen Freundes vor kurzem, und relativ überraschend, verstarb. Muss man mit aller Gewalt trauern? Kann man ihr nicht einfach nur alles Gute wünschen? (Und ja, auch wenn ich früher immer sagte: Es ist nie gut wenn jemand stirbt! Heutzutage denke ich: Manchmal ist eben einfach Zeit für sowas.) Und ich muss sagen: Es war schön, sie noch einmal zu sehen. Den Humor hat sie zumindest noch nicht verloren.

Und mit diesen, doch eher etwas nachdenklichen Worten entlasse ich euch heute ins Wochenende und bin einfach nur überaus glücklich, dass heute eben Freitag ist. Und ja, diesmal eindeutig mit Senf.

Herzpause. [Ein Dialog]

I

Du?
Mhm?
Du. Weißt du, manchmal-.

Hm?
Manchmal, da spüre ich mein Herz nicht mehr.
Wie?
Als würde es einfach aufhören. Zu schlagen. Und mich hier allein zurücklassen.
Oh. Aber-.
Wirklich. Hier. Fühl’ mal.


Nichts.
Eben.

II

Manchmal, da wünsche ich mir, mein Herz würde nicht mehr schlagen.
Was?
Würde einfach aufhören und alles wäre vorbei.
Ach komm schon. Nein!
Und ich würde noch einmal die Augen aufreißen und würde den letzten Herzschlag mit voller Intensivität verspüren und würde mich in meinem Kopf von dieser Welt verabschieden und dann hört es auf. Für immer.
Sag’ sowas nicht. Bitte!
Tut mir Leid. Aber denkst die nicht auch öfters daran?
Ans Sterben? Nein.
Echt?
Nein. Nicht so.

III

Du?
Ja?
Halt mich. Bitte.
Was ist los?
Nein. Frag’ nicht. Halt mich nur. Stell dich hinter mich.
Mhm.
Und lege deine Arme um meinen Bauch. Und deinen Kopf auf meine Schulter.
Ist es gut so?
Ja. Und jetzt lass’ uns versinken. In diese Stille hier.





Mein Herz hat gerade eben wieder aufgehört.

IV

Geht es dir jetzt besser?
Hm?
Spürst du dein Herz wieder?
Hm.
Du weinst ja. Komm’. Dreh dich um. Sieh mich an.



Wofür war das?
Um -.
Hm?
Ich wollte probieren ob dein Herz dadurch wieder zu schlagen beginnt. Und?
Fühl’ mal.
Dachte ich es mir doch.

V

Ich möchte anders sterben.
Hm?
Anders. Nicht einfach mit dem Ende des Herzschlagens.
Und wie sonst?
Durch Fallen.
Durch Fallen?
Ja. Ich möchte eine Schlucht hinabstürzen. Erst wenn niemand mehr da ist, um einen aufzufangen, ist es Zeit, zu sterben. Und dann genießt man die Sekunden bis zum Aufprall und ist genauso innerhalb Sekunden tot.
Hm. Okay. Aber-.
Aber?
Aber du brauchst keine Angst haben. Ich werde dich immer halten, fange dich auf. Du brauchst keine Angst zu haben.
Ich habe kein Angst.
Ich werde immer da sein. Für immer.
Aber nein. Sag’ das nicht.
Warum?
Ich hasse die Ewigkeit.

photocredits: Je suis Samuel | flickr

Leben natürlich.

Was will ich?

In den letzten Monaten ging es mir zwar gut, aber nicht außergewöhnlich gut. Es wurde nicht jeder Tag zu einem Einzigartigen. Damals konnte ich unglaublich viel träumen, dachte nach, und hatte auch einen Zugang zur Kunst: Ich konnte literarische Texte schreiben.

Jetzt lebe ich. Und kann nur leben. Und will nicht mehr. Nur leben. Es ist unglaublich und einfach nur wunderbar. Und die Träume jetzt haben viel mehr mit der Realität zu tun, als jene damals. Ich lebe in den Tag hinein, verspüre den Drang zur Spontanität. Es ist eigentlich alles nur wunderbar. Nur eben ohne Kunst.

Was will ich?
Leben natürlich.

[Und ja, ich muss immer noch an eine gewisse junge Frau denken, die es mir empfohl. Die mir empfohl, zu leben. Und das schon vor 2 Jahren. Erst jetzt habe ich es wohl kapiert. Falls du noch mitliest: Vielen Dank!]

photocredits: Alaskan Dude | flickr

Der Punkt. [Auf den alle warten]

Das von mir geliebthasste Magazin, in welches ich anfangs meine größten Hoffnungen und schlussendlich die ärgsten Enttäuschungen stecken musste, fragte via Twitter. „Könnt ihr euch an den Moment erinnern, in dem ihr euch verliebt habt?“ Wahrscheinlich zielte die Frage auf Paare ab, die immer noch glückselig und mit der gehörigen Portion Träumerei durch die Welt wandern. Aber ernsthaft. Wie kann man so etwas nur vergessen. Auch wenn die Beziehung und vielleicht alles drumherum wirklich nicht gut verlaufen ist, der Punkt, an dem man sich verliebt, bleibt doch einzigartig. Ich erzähle euch die Geschichten von drei Mädchen, X, Y und Z. Drei komplett verschiedene Stories.

Mädchen X kannte ich zuvor vielleicht gerade mal ein paar Tage, maximal eine Woche. Und dann fuhren wir, gemeinsam mit ungefähr zwanzig mehr oder minder schrägen (schräg im negativen Sinne) auf einen Ausflug. Nur wenige Kilometer entfernt von unseren Heimatorten. Sie war mir schon von Anfang an ins Auge gesprungen. In diesem Matratzenlager, wo wir einfach nur wir selbst sein konnten, zu sechst lange Nachtspaziergänge machten und unendlich lange Gespräche führten. Das war der Moment, an dem ich mich das erste Mal mid-pubertär verliebte. Die „Beziehung“ hielt einen Monat. Sie machte Schluss.

Mädchen Y kannte ich schon um einiges länger. Sie war es, die es sich traute, die mir mit leuchtenden Augen und erwartungsvollem Blick auf dem Berg, einem großartigen kleinen Hügel mit unglaublichem Ausblick, zu gestehen, dass sie in mich verliebt war. Und ich war es, der es nicht besser wusste. Der zurücksagte, dass es bei ihm nicht so sei, und dass er in jemand anderen verliebt sei (Mädchen X). Und sie waren es auch, die danach nicht mehr voneinander lassen konnten und immer schwankten zwischen ‘Lass uns Freunde bleiben’ und ‘Lass es uns probieren’. Und ich glaube, dass, als sie mir ihre Liebe gestand, selbst bei mir schon genug Gefühle da waren, um von Verliebtheit zu sprechen. Hier weiß ich leider nicht, wann genau der Punkt war. Aber ich weiß, dass, als es auseinander ging und wir in die Holprigkeiten des „Nur-Freunde-bleiben“ stolperten, bei mir definitiv von Liebe zu sprechen war. Und von Eifersucht.

Mädchen Z ist euch allen wahrscheinlich bekannt. Meine früheren Texte handelten von ihr. Und unser Kennenlernen und unser Verlieben ist für mich der Inbegriff einer durch und durch romantischen Geschichte. Beinahe schon zu kitschig. Wir haben uns (durch Mädchen Y) zur gleichen Zeit kennengelernt wie Mädchen X. Aufgefallen ist sie mir von Anfang an. Aber erst durch eben einen solchen Ausflug wieder, kam es dazu, dass wir uns immer näher kennenlernten. Als wir stundenlang redeten, uns zu viert an diesen wundervoll kleinen Teich setzten und plauderten, als wir zu zweit spazieren gingen und aufgrund eines Regenbruches nur eine Kapelle uns Platz bot, um im Trockenen zu bleiben. Als wir uns dort niedersetzen, gegenüber. Und über uns, über unser Leben, über unsere Gedanken und die Welt plauderten. Das war der Punkt, glaube ich. Der Punkt an dem ich mich in sie verliebte. Der Punkt, an dem ich zu viel von meinem Herzen hergab, um ungeschoren davon zu kommen.

Interessante Geschichten? Ich weiß nicht. Es sind nur meine drei erzählenswerten Verliebtheiten und auch jene Verliebtheiten, die in etwas mehr waren als einseitig. All diese Dinge passierten innerhalb eines Jahres und vier Monaten. Von 2005 bis 2006. Und wenn man es so wissen will. Ja, seit dem Ende der Beziehung mit Mädchen Z war ich nicht mehr verliebt. Nicht mehr in dieser Art, nicht wirklich. Erschütternd? Vielleicht.

Und gerade ich habe es mir verdient, endlich einmal so geliebt zu werden, wie ich es schon ein (zwei, drei?) Mal erlebt habe. Gerade ich habe es mir verdient, jemanden zu lieben und genau diese Liebe auch wieder zurückzubekommen. Gerade ich, gerade ich möchte mein Herz unnötig verschenken und es mit tiefen, unheilbaren Furchen zurückbekommen. Möchte auf den Boden fallen, nur um wieder aufzustehen. Möchte endlich wieder einmal  etwas erleben.

Ob ich mich einsam fühle? Ja. In diesem Moment, mit Sigur Rós, in einem kleinen Auto auf der Rückbank sitzend, ungefähr ein Bier zuviel, kurz vor dem Schlafen und mit den im Takt antreffenden Regentropfen. Ja. In genau diesem Moment fühle ich mich mal wieder einsam.

photocredits: to01 | flickr

Freitags. Mit Senf. #4

Senf

Über selbstgemachte Hitzeferien, dem Spiel mit toten Tieren und einem irgendwie mehr als würdigen Abschied.

Ich vermute beinahe, dass ich diese Woche keine großartige Geschichte erzählen kann. So viel ist nun nicht wirklich passiert. Da wären zwar einerseits diese wunderbaren Wochenendtage, die mich jetzt noch mit einem (sehr, sehr, sehr) breiten Grinsen zurückdenken lassen und die Tage am See. Aber am Ehesten ist noch mein Trip nach Wien interessant. Für alle, die Geschichten über übermäßigen Schweißausstoß nichts abkönnen, möchte ich nur sagen, dass es jetzt noch ein Zurück gibt. [Und wehe, irgendjemand kommt dann weinend zu mir. Ich habe euch gewarnt!]

Das Problem habe ich ja schon seit ich mich Erinnern kann. Genetisch bedingt durch meine Mutter, die das selbe Schicksal hat. Wenn wir schwitzen, schwitzen wir vor allem im Gesicht. Und wenn es dann wirklich sehr heiß ist (95° Fahrenheit habe ich berechnet), und man sich auch noch beinahe sportlich bewegen muss, so ist der Tod durch Ertrinken nur mehr eine Sache der Zeit.

Ich habe mich ja am Mittwoch Abend – in der ärgsten Hitze wollte ich nicht fahren - auf den Weg nach Wien gemacht. Der Zug war wunderbar (und das hat mich sehr überrascht) gekühlt. Der Ausstieg dann am Westbahnhof war so eine Umstellung wie vom Nordpol zu den Tropen. Die erste Zigarette nach der Zweieinhalbstundenfahrt wäre beinahe schon während des Rauchens zu feucht geworden, um weiter zu glühen. Und so begann ich zu schwitzen, von Mittwoch Abend, um kurz nach 21 Uhr. Im Folgenden habe ich in meinem Studentenheimzimmer die Vorhänge runter genommen (dann Pause weil zu heiß), gewaschen, dann wieder aufgehängt (dann Pause weil immer noch zu heiß). Und bevor ich schließlich schlafen ging, habe ich mir vom Automaten im Keller noch einen Radler (ein Bier mit Zitronenlimo) gekauft und mich in den kleinen Garten des Heimes gesetzt. Nur mit dieser Dose, ein paar Zigaretten und meinem iPhone ausgestattet habe ich meinen Abschied gefeiert. Und während Talk Talk ihr schönstes Lied (New Grass) auf dem Handy vollführten, dachte ich an all die Monate zurück, die ich hier verbracht hatte.

Die Rückgabe der Schlüssel hat im Übrigen am nächsten Tag gut funktioniert. So bald wie möglich machte ich mich wieder auf dem Heimweg, und natürlich in der Hoffnung, einen gut gekühlten Zug zu erwischen. Denkste. Und so schwitzte ich auch noch diese zweieinhalb Stunden bis in meinen Heimatort. Und auch die junge Frau, die sich zu mir setzte, bemerkte wohl , dass ich mich am Liebsten in Luft aufgelöst hätte. Aber was soll man tun.

Gestern Abend spielten wir dann mit toten Tieren. Aber es hört sich eigentlich alles doch nur viel schlimmer an, als es in Wirklichkeit war. Zwei Hasen (ohne Kopf, Haut und Haaren) wurden von uns gewürzt und gefüllt, welche wir dann auch heute noch verspeißen werden. Und ja, auf dieses Festessen (wann hatte ich noch mal das Letzte mal Hase? Vor 10 Jahren?) Und so wie es aussieht, werde ich auch heute wieder im Auto schlafen. Weil es ja auch so unglaublich gemütlich ist.

Mit der kommenden Woche brechen übrigens auch meine letzten 5 Arbeitstage an. Wobei ich mir möglicherweise einen Tag (den Mittwoch) freinehmen werde, um einen ganzen Tag im IKEA zu verbringen. Bei Kötbullar und schwedischen Keksen. Und wer mir im Übrigen immer noch eine Mail schreiben will (Thema egal, Antwort versprochen), kann auch einfach nur hier klicken. [Und im Übrigen wünsche ich mir jetzt übrigens ganz schnell wieder einen Kreativitätsschub. Ehrlich.]

Verhindert.

Wenn sich moeglicherweise so manch einer meiner treuen Leser fragt, wo ich verdammt noch mal die ganze Zeit stecke, dem kann ich nur sagen: Ich sterbe! (Aber reden wir nicht uebers Wetter).

Ich komme gerade so wenig zum Bloggen, weil ich versuche, neben der Arbeit auch noch ein kleines bisschen zu leben. Und selbst das scheint komplizierter zu sein, als man glauben koennte. Neben meinem Job und dem Ferialjob (eine ganz schlechte Kombination) hatte ich zu Monatsbeginn (in den ersten zweieinhalb Wochen) eine weitere umfangreiche, zeitraubende kommunalpolitische Verpflichtung zu erledigen, die mir den letzten Nerv zu rauben schien.

Aber in wenigen Tagen wird all das Geschichte sein und dann werde auch ich die volle Ladung Ferien abbekommen. Und da ich ja vom 5. bis zum 16. August in Ungarn sein werde, werden auch die kommenden Wochen eher langweilig hier. Und eben gerade? Sitze ich im Zug und fahre in die Stadt mit der besten und kuehlsten Luft des Landes (Ironie). Ich hasse solche Kurztrips, denn morgen Vormittag geht es schon wieder ab nach Hause. Ich muss nur meine Zelte in Wien nun entgueltig abbrechen, bzw. dass Studentenheimzimmer ein letztes Mal durchputzen, um morgen dem Hausmeister feierlich die Schluessel zu ueberreichen.

Wer mich in den kommenden 24 Stunden oder auch danach erwischen will, sollte das am Besten via Twitter, Mail (just4ikarus@gmail.com) oder Facebook erreichbar. Und wer mich per Mail kontaktiert, dem verspreche ich sogar eine Antwortmail (das Thema ist frei waehlbar). Und all jenen Lesern, die sich gerade fragen, warum ich ploetzlich keine Umlaute mehr schreiben kann: Ich habe seit gestern und fuer die kommenden 3 Wochen ein iPhone 3G S zum Testen bekommen. Erfahrungsberichte gibt’s im Uebrigen auf POLILOG oder auf mobileblogger.at.

Und sollte ich heute Abend bei meinem ganz intimen Abschied von dieser Stadt eine Sternschnuppe erblicken, dann wuensche ich uns allen endlich einmal Hitzeferien. Weil verdient haetten wir uns sowas schon seit Langem.

Verdammt.

Ich atme schwer, kann nur durch den Mund atmen, spüre ein komisches Ziehen in meinen Ohren (mit welchen ich seit Tagen nur mehr gedämpft höre) und trage neuerdings auch einen dieser erotischen Topfenwickel (für meine deutschen Leser: Quark, eingewickelt in einem Tuch) rund um den Hals, um das Schlucken nur ein kleines bisschen weniger schmerzhaft zu machen.

Deshalb freut es mich ja umso mehr, dass die nächsten Tage wohl die heißesten Tage des ganzen Sommers werden sollen. Und ich nichts weiteres zu tun habe, als insgesamt 6 Stunden im Zug zu sitzen, mein Studentenheimzimmer zu putzen und zu übergeben, um am Donnerstag Abend vollkommen fertig wieder zuhause (in der Heimat) anzukommen. Besser hätte man es echt nicht planen können.

[Kurz: Verdammtes Wetter, verdammte ToDos der nächsten Tage]

Dorfschlampe.

Manchmal zählt nicht einmal das Ergebnis. Man steht da und kotzt sich wankend die Seele aus dem Leib, bevor man sich zum Schlafen ins Auto legt. Und nichts ist wunderbar und vieles vollkommen langweilig. Im Endeffekt ist doch nur alles gut. Doch man fühlt sich unbesiegbar. Und übereifrig. Vor allem beim Alkoholkonsum.

‘Ich habe endlich wieder gelebt.’, sage ich, als ich mit Wohlwollen auf das vergangene Wochenende zurückblicke. Ich hatte Spaß, habe das Wort exzessiv neu kennengelernt. Habe vor nichts Halt gemacht und war eben anders als all die anderen Tage und Nächte und Wochenenden zuvor. Ich habe wieder einmal Alkohol getrunken und bin nicht spät nächtens bzw. früh morgens mit dem Auto nüchtern nach Hause gegurkt.

Es klingt so furchtbar kindisch, wenn ich sage, dass mir der Alkohol gefehlt hat. Beinahe zwei Jahre lang, seit diesem einen tragischen Ereignis eigentlich, habe ich nur an ganz besonderen Abenden etwas getrunken. War die restliche Zeit über Aufpasser, Helfer und Taxifahrer. Ich habe das wirklich gerne getan. Aber das letzte Wochenende ist für mich wie der Beginn einer neuen Ära. Ich habe ernsthaft wieder zu leben begonnen. [Und wer findest das jetzt immer noch nicht kindisch?]

Ich fühlte mich großartig. War mit mir selbst zufrieden. Hatte (Über)Mut und die Freude war mir ins Gesicht geschrieben. Was für eine geniale Zeit. Und auch in den kommenden Tagen und Wochen und Monaten möchte ich nicht wieder darauf verzichten. Möchte neue Leute kennenlernen (Alkohol hilft dabei wunderbar), möchte mit Mädels etwas trinken gehen, möchte torkelnd zu einem Freund wandern um dann dort zu übernachten. Vielleicht habe ich ja nur einen kleinen Teil meiner Jugend versäumt. Ja, das ist es. Ich habe für zwei Jahre aufgehört zu leben. Ernsthaft. War nicht bereit für eine neue Liebe, war gebunden an all die wunderbaren Freunde (und ich bin es immer noch), dachte, ich könnte die Welt umarmen, ohne auch nur etwas dafür zu tun.

Doch ich bin meines eigen Glückes Schmied. Das habe ich letztes Wochenende wieder gefühlt. [Ob ich eine nette junge Frau kennengelernt habe, weil ich so überschwänglich von diesem Wochenende schreibe? Nein. Aber seitdem weiß ich, dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist. Eindeutig nicht.]

photocredits:  kevindooley | flickr

Freitags. Mit Senf. #3

Senf

Über langweilige Arbeitswochen, brechende Brillen und der Erkenntnis, dass man mit dem Gesicht besser nicht bremst.

Ich muss einfach so ehrlich sein. Diese Woche war relativ ereignislos. Deswegen muss ich die einzig coole, interessante und irgendwie humorige Sache der letzten Woche recht lange hinauszögern. Aber beginnen wir erst einmal von vorne. Nach zwei Wochen in meiner Heimat habe ich es unglaubliche drei Mal geschafft, nach Sonnenaufgang nach Hause zu kommen. Und jedes einzelne Mal war ich stocknüchtern und trotz Müdigkeit noch vollkommen fahrtüchtig. Aber das wird jetzt wieder aufhören. Nachdem ich beinahe zwei Jahre vollkommen nüchtern jedes Wochenende herumgurkte, werde ich jetzt wieder etwas trinken am Wochenende. Warum? To find back into trouble. Ehrlich. Versuchen wir es eben auf diese Art und Weise. [Vielleicht klappt es ja. Zumindest steigt der Mut und die Selbstüberschätzung so wunderbar ungesund an.]

Nachdem zwei Mal in meinem Freundeskreis gegrillt wurde, und ich einmal zu spät und einmal gar nicht mehr vorbeischauen konnte, hoffe ich natürlich auf Besserung. Aber hey … sprechen wir zuerst einmal über die Arbeit. Seit Sonntag (den ganzen Tag) kämpfe ich um die Fertigstellung einer Zeitung. Jetzt wäre sie ja eigentlich fertig designt, nur die Bilder stressen die Druckerei gerade etwas. Und dabei wären das auch nur 16 Seiten mit einer Auflage von 1300. Davon können wahrscheinlich sowieso 800 nicht lesen, und die restlichen 500 sehen die Bilder auch sonst nur verschwommen.

Wir, hier in Österreich, haben übrigens einen wunderbaren Sommer. (Und deswegen auch langweilige Arbeitswoche: Hitze an den „Von-früh-Morgens-bis-spät-Abends“-Tagen, und Regen an den kurzen Tagen). Als es Hochwasser gab, war ich zwar in Wien, aber natürlich lässt es sich das Wetter nicht nehmen, mit einem neuen Ding zurückzukommen. Und so erlebte ich in meinen ersten zwei Wochen in Oberösterreich vor allem mit schein-wasserfesten Schuhen und langsam trocknenden Jacken. Letzte Woche dann kam es zum Showdown mit Hagel und so, bis es am Mittwoch in ein wunderbares Gewitter mündete, welches ich mir mit Freunden vom See aus ansah. Wir waren übrigens die Letzten, die die Badefläche verlassen haben, und die schmerzend harten Tropfen taten ihr Übriges, dass wir mit Auto und Stau Vollgas den Spieleabend ins Haus verlagerten.

Stunden später dann beschlossen wir, den Badeplatz noch einmal zu besuchen. Um Frisbee zu spielen. Und nachdem ich früher ja immer veräppelt wurde, weil ich Frisbees wie ein Mädchen fange (und im Übrigen bowle ich wie ein Mädchen, spiele Tennis wie ein Mädchen und prügel mich wie ein Mädchen), war ich dieses Mal wirklich in guter Form. Die #FAIL, die wir austeilten, trafen bisher nur meine beiden Freunde. Aber um auch mir ein Fail unterzujubeln, schoss man eben etwas schräger und höher. Ich, mit den Armen nach oben hechtend, bekomme Übergewicht (nein, nicht bezogen auf meinen prachtvollen Körper, der hat schon genug; mein Schwerpunkt verlagerte sich ganz einfach nach vorne), kann nicht mehr zu laufen aufhören, stolpere, die Hände noch in der Luft, lande auf meinem Bauch und bremse mit dem Gesicht auf Schrittgeschwindigkeit herunter. Mein erster Blick – übrigens ganz typisch – zur Brille. Und da war ich schon wieder einmal froh darüber, dass ich immer und überall eine Tube Superkleber dabei habe. Die leichte Gehirnerschütterung (<Selbstdiagnose) wirkt immer noch nach, aber so’ ne Ladung Schmerztabletten lässt mich wenigstens schön auf einer Welle schweben.

Was uns natürlich jetzt am Meisten ärgert: Wir hätten – verdammt noch mal – jeder (!) 50 Euro bekommen. Von Super RTL. Aber natürlich filmt ja sowas niemand. Ist ja beinahe so, als würde ein Stuntman vom Hochhaus springen (ohne Netz natürlich, er möchte ja mit dem Gesicht bremsen) und der Kameramann bohrt währenddessen in der Nase. Und so endet auch diese Woche und so ehrlich wie kaum jemals kann ich nur sagen: Thank God it’s Friday!

Gedankentod.

„Weißt du, manchmal mache ich mir Gedanken, wie es ist, wenn man stirbt. Ob man dabei etwas verspürt, wenn der Schmerz ein Ende hat, wenn das bisher bekannte Leben ausgehaucht wird. Ob man sein eigenes Ableben überhaupt in unserem Sinne realisiert. Ob es überhaupt erlebenswert ist, das Sterben.“

Die Eiswürfel in diesem Vodka Red Bull scheinen, der Hitze ausgesetzt, doch nur für kurze Zeit ansehnlich zu sein. Der Strohhalm liegt ungebraucht daneben. Er muss schnell trinken, um die Gedanken zu verdrängen. Ein, zwei Schluck, das Glas verliert beträchtlich an Inhalt. Er möchte woanders hin. Möchte Stille, Ruhe, möchte träumen. Die Bar um ihn herum aber scheint ihn einzuschließen, überall rund um ihn all die zahllosen unbekannte Gesichter. Nur hie und da ein paar Bekannte, wenige Freunde.

„Noch einmal, bitte!“, brüllt er quer über den Tisch (und doch scheint es so, als würde er flüstern), während sein aktuelles Glas noch beinahe halb voll ist. Aber wenige Sekunden danach stellt er es ab und wartet auf Nachschub.

„Ich stelle mir den Tod einsam vor. Alles im Leben ist irgendwie  umfangen von verschiedenen Menschen. Von Geburt an schon. Aber den Tod kann man nur alleine meistern. Er passiert und niemand anderer kann dir nun etwas abnehmen, an keinen anderen Menschen kannst du dich nun festhalten. Man stirbt in trauter Einsamkeit.“

Die schwüle Luft in dem Lokal scheint ihm in den Kopf zu steigen. Er packt sich sein Getränk, bezahlt und deutet seinen Freunden an, dass er nur kurz mal raussehen würde. Wie war er nur hierher gekommen? Ein Freund folgt ihm. Er scheint bemerkt zu haben, dass mit ihm eben in diesem Moment irgendetwas gerade total falsch läuft.

„Warum ich über all das nachdenke? Besteht denn etwa seit Kurzem dieser unbändige Todeswunsch? Nein. Wie schon lange nicht mehr bin ich zum Leben aufgelegt. Es ist noch nicht Zeit dafür. Noch lange nicht. Aber manchmal versucht mich die Gedankenwelt vollkommen gnadenlos aus der Ruhe zu bringen.“

Sein Freund tut das einzig Richtige. Er umarmt ihn und klopft ihm auf die Schulter. ‘Komm, lass uns wieder reingehen’, meint er und schließlich betreten die Beiden wieder das Lokal. Drei oder vier Gläser später fehlt ihm jede Erinnerung. Er hat es geschafft.

photocredits: DerrickT | flickr

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