Archiv für April 2009

Ein Aufputschmittel.

St. Pölten See

Schon länger geplant, hätte der Tag nicht besser liegen können. Kurz nach meinem Brief von der FH, der aufgrund zu hoher Erwartungen in mich selbst zur Enttäuschung wurde und ich kurzzeitig auch einfach mal down war, fuhr ich mit Lukas gemeinsam gegen Dienstag Mittag nach St. Pölten, um unsere zukünftige Studiumsstadt noch näher kennen zu lernen und vor allem um Stefan zu besuchen. 

Nachdem wir geniale selbstgemachte Pasta verdrückten, machten wir uns auf zu jenem See, von welchem Stefan nun schon seit Wochen spricht. Und obwohl eigentlich sehr, sehr dunkle Wolken aufzogen, hielten wir bis zum späten Abend durch. Mit Frisbee (in abgeänderter Form inklusive Riesentennisball), diesem Ding mit den Stöcken, den Fäden und diesem … ach, wie auch immer.

Gruppenbild

Nachdem wir schließlich wieder aufbrachen, trafen wir uns bei einem Typen, welcher eine Wohnung in St. Pölten hat. Dort probierten wir die indisch-pakistanische und italienische Lieferservice-Lokale der relativen kleinen Großstadt. Um halb 3, nach einigen Bieren, Radlern und so weiter, kamen wir schließlich zurück ins Studentenheimzimmer von Stefan, in dem wir dann anschließend schon etwas geschafft eindösten.

Alles in allem war es ein genial schöner Tag, der in mir wieder den „God-Mode“ aktivierte. Noch dazu, wo jetzt einfach wieder alles so perfekt läuft. Das wars. [Ein Liebesbrief] wurde von der CiJou-Redaktion noch einmal auf die Titelseite gehoben, es gibt eine Interviewanfrage für eine Diplomarbeit und auch sonst. Als wäre das hier mein Jahr.

[...] was wir im Grunde für das Richtige halten.

Plötzlich dreht er sich um und sagt, ganz so als würden wir ein Gespräch führen, zu mir: “Aber was mich wirklich beeindruckt ist, dass wir eigentlich die größte Angst vor genau dem haben, was wir im Grunde für das Richtige halten.” [4404 | Alternativen]

Nachdem der Wind meine sowieso schon störrischen Haare ein weiteres Mal durchfährt und ein Chaos zurücklässt, bleibe ich stehen und sehe mich um. Die Sonne scheint, zwischen den Häuserschluchten ist immer noch der blaue Himmel zu sehen. Doch für den kurzen Moment scheint gerade wieder einmal nichts wirklich zu passen. Überlegungen müssen angestrengt werden, um am Ende nicht vollkommen überrumpelt dazustehen. Doch schon der nächste Schritt ist gezeichnet von Zuversicht. Blinder, naiver Zuversicht. Wie ein kleines Kind, welches stolpert, sich erschreckt, die Kieselsteine aber sofort wieder sorgfältig aus den zarten Kniescheiben herauspuhlt um unbesorgt den Weg fortzusetzen. 

Es ist nicht schwer, sich glücklich zu fühlen. Man kann sich vieles einreden, kann vom unendlichen Glücksgefühl sprechen, sich hineinsteigern und plötzlich ist es ein Muss. Ich weiß nicht, ob es das ist, was mich seit Wochen und Monaten so schweben lässt, ganz sanft. Aber es ist doch immer unsere Aufgabe, einfach mal aufzustehen. Genau das ist es doch, wofür wir leben. Würden wir bei jedem kleinen Hindernis liegen bleiben, wäre die Welt gesäumt von liegengebliebenen Gestalten. Man muss noch vorne blicken. Und voller Angst in die ungewisse Zeit hineinleben.

Ich erinnere mich noch an die Magenkrämpfe, die mich vor und während meiner ersten Wochen in Wien begleiteten. Der Neuanfang, den ich mir so lange wünschte wurde zu einem schmerzhaften Pfad, der erst nach und nach durch Bekanntschaften und Begegnungen aufgelockert wurde. Was für mich noch ein viel größeres Problem als die Angst selbst darstellt, ist die ständige Frage, ob es das Richtige ist, was ich hier tue. Ob ich nicht für etwas anderes bestimmt bin. Der eingeschlagene Weg ist die Notlösung bis ich endlich dazu im Stande bin, meinen großen Traum zu verwirklichen. So denke ich zumindest. Wie lange es noch dauern wird, und wie ich mich dann schließlich verhalten werde, weiß ich nicht.

[...] was wir im Grunde für das Richtige halten. Was ist richtig und was falsch? Ich entscheide dabei immer aus dem Bauch heraus. Und nach der einfachen Grundregel: Richtig ist, was mich glücklich macht. Bis jetzt bin ich immer gut damit durch die Welt spaziert. Dass sich in diesem Jahr sowieso wieder alles zum Guten, zum Besten und womöglich gar zum Großartigsten wenden wird, davon bin und bleibe ich überzeugt. So ganz naiv und blind. 

Bild von Sam Jolly

Nur kurz.

Hey, Leute! Was, glaubt ihr, war heute in meinem Briefkasten? Ja, ein Brief der FH St. Pölten. 

Und nachdem es hieß, dass man einen Brief erhalten würde, wenn man unter den besten 10 Prozent wäre (und ansonsten erst Anfang Juli informiert werden würde), bekam ich Herzklopfen und setzte schon zum Freudensprung an, als mir mein Vater zuhause (er hatte gerade den Brief aus dem Briefkasten gefischt) den – mit meiner Erlaubnis – geöffneten Brief vorlas.

Leider müssen wir …

Ein eindeutiges FAIL, liebe FH St. Pölten! Ich denke, es ist nicht nur mir so gegangen, als der Brief geöffnet wurde. Und nachdem ich die Erwartung in mich viel zu hoch geschraubt habe, und ich somit auch einfach überzeugt war, dass ich dabei sein musste, war ich heute umso enttäuschter. Und ja, ich wollte mich auf gar keinen Fall von meinem Glücksgefühl abbringen lassen. Setzte zum Frustkauf an (ein PC-Spiel und neue Kopfhörer) an und döste den ganzen Tag vor mich hin. Woran es liegen könnte? Vielleicht der Englisch-Test. Vielleicht das Abschlusszeugnis, welches wirklich nicht meine Talente hervorhob. Dass es am Wissens- und am Intelligenztest nicht liegen kann, davon bin ich aber weiterhin überzeugt. 

Und ob ich jetzt nun heute oder Anfang Juli davon erfahre, ist doch auch völlig egal. Allein für die Wohnungssuche wäre es um einiges angenehmer gewesen. Und für die Gewissheit, schon irgendeinen Plan fürs nächste Jahr zu haben. Und so bemühe ich mich, mein Buchprojekt wieder weiter und weiter zu führen. Bis hin zu einem befriedigenden Ende. Und sollten es sich die FH wirklich erlauben, mich nicht zu nehmen, würde das Buch auf den Markt kommen, ich würde ein kleines bisschen reich werden. Und dann würde ich ganz einfach ein Jahr Auszeit machen. So wie es sich eben gehört.

Und wenn die Welt. [Eine Musikempfehlung]

So wie ich damals, als 16- oder 17-Jähriger mehr oder weniger angeschwipst zuhause ankam und spät nachts noch kurz MTV kuckte und dabei Bright Eyes entdeckte [mit Lua], so passierte auch das Aufeinandertreffen mit diesem Sänger und Songwriter. Nur dass ich dieses Mal nüchtern, und es statt MTV wohl wahrscheinlich wdr war. Da spielte Philipp Poisel wahrscheinlich eine Stunde, singt seine Lieder. Voll Gefühl, voll Melancholie und auch oft voll naiver Lebensfreude. Er hat mich vom ersten Moment an berührt. Bis ich seinen Namen vergaß und somit auch nicht nach CDs oder Videos  im Internet kucken konnte.

Erst vor kurzem kam ich durch Zufall (und einer Facebook-Statusnachricht) wieder auf seinen Namen. Herr Poisel singt auf deutsch, ist 26 Jahre alt und unter Vertrag bei den Grönland Records, Herbert Grönemeyers eigenem Plattenlabel. Und er war es auch, der Poisel damals entdeckte. Glücklicherweise.

Allein schon die Titel der Lieder sind wundervoll. Wo fängt dein Himmel an. Wer braucht schon Worte. Als gäb’s kein Morgen mehr. Halt mich. Ich und du. Worum es dabei geht? Um Liebe. Und Philipp singt so wundervoll über Liebe, so eindringlich und herzzerreißend. Eine wundervolle Entdeckung (die wievielte dieses Jahr?) … und auf die CD, die ich mir bald bestellen werde, freue ich mich auch schon.

Achtzehn. [Eine Meldungsübersicht]

  1. Wochenenden sind – selbst wenn man eine Vorlesung am Freitag ausfallen lässt und so beinahe zweineinhalb Tage zuhause ist – viel zu kurz.
  2. Nüchtern mit Betrunkenen über etwas zu diskutieren langweilt spätestens bei der dritten Wiederholung des eben Gesagten.
  3. Was ich mir zum Geburtstag wünsche? Hm … eine neue Zahnbürste habe ich mir ja leider gerade eben erst gekauft.
  4. Wenn man schon Angst davor hat, etwas zu probieren, sollte man es lieber ganz bleiben lassen.
  5. Bis jetzt fehlt mir noch ein richtiger Sommerhit. Empfehlungen?
  6. Allen Pollenallergikern wünsche ich jetzt, in dieser Zeit, alles, alles Gute!
  7. Sollte der Ausnahmefall eintreten, würde ich schon nächste Woche meine Zusage für die FH bekommen.
  8. Update: Ein Brief kam. Aber unter die besten 10 Prozent der Bewerber dieses Tages kam ich nicht. Also muss ich warten.

  9. Ein Leben ohne die tägliche Zeitung (aus Papier und in echt) ist für mich unvorstellbar.
  10. Zuhause zickt das Internet rum. Die Sucht zeigt ihre Auswirkungen.
  11. Eine Woche voller persönlicher Texte. Das gefällt mir.
  12. Nächste Woche werde ich wahrscheinlich meine erste Nacht in St. Pölten (meiner womöglich neuen Studiusmsstadt) verbringen.
  13. So warm das Wetter auch ist, der Wind hat es teilweise wirklich noch winterlich in sich.
  14. „Wenn ich mal groß bin …“ ist einer der schönsten Satzanfänge für einen beinahe 21-Jährigen.
  15. Gestern: Sternschnuppe. Inklusive Wunsch. Sehr egoistisch, aber wundervoll.
  16. Meine Haare sind zurzeit viel zu oft sehr verwirrt.
  17. Das Einzige, was mich in den letzten Tagen etwas die Stimmung gedrückt hat, war meine Sorge um Geldmangel. Nach behobenem Problem ging es aber wieder wunderbar weiter.
  18. Es gibt Geburtstage, die darf man einfach nicht vergessen. [Und verdammt: Ich habe es doch getan.]
  19. Die nächste Woche wird kurz und ich bin voller Tatendrang!

Fragen. [Ein Stöckchen]

Hier mal wieder ein Stöckchen von Frau geworfen. Vielen lieben Dank!

1. Was dachtest du zuerst, als du heute morgen in den Spiegel gesehen hast?
Es überrascht mich zwar selbst, aber bis jetzt hat mich heute noch kein Spiegel zu Gesicht bekommen.

2. Wie viel Geld besitzt du momentan?
28,54 €uro im Portmonnaie, das Vierfache am Konto.

3. Nenne ein Wort, das sich auf “Schlüssel” reimt!
Ameisenbärrüssel.

4. Lieblingsplanet?
Saturn. Wegen den Kringeln rundherum.

5. Wer ist die vierte Person auf der Liste für verpasste Anrufe in deinem Handy?
Die Handynummer meines Papas. (Und irgendwie sind alle 7 verpassten Anrufe der letzten Tage von meinem Papa. Sorry, war keine Absicht!)

6. Was ist dein Handyklingelton?
„Playground Love“ von Air. Weil eben schön.

7. Was für ein Shirt trägst du gerade?
Mein Clueso-Bandshirt vom Konzert im letzten Mai im Wiener Flex. 

8. Was liegt direkt vor dir?
Das Netbook (?!) und mein Handy, dessen Bildschirmschoner (?!) sich gerade eingeschaltet hat.

9. Nenne eine Person, die dir spontan einfällt!
Benjamin Button. (?!)

10. Ist dein Zimmer hell oder dunkel eingerichtet?
Hell.

11. Trägst du gerade Nagellack?
Jetzt gerade nicht. Aber sonst: Nur in seltenen Ausnahmefällen.

12. Was hast du um Mitternacht gemacht?
Ich bin Auto gefahren.

13. Was steht in der letzten SMS, die du bekommen hast?
“Kanzler Faymann will Vermögen besteuern und Arbeit entlasten – Für europäische Transaktionssteuer – Keine Erhöhung für Mittelschichten” – Politik-SMS-Dienst meines Mobilfunkanbieters.

14. Wie ist Deine Hausnummer?
Irgendwo zwischen 2a/1/130 und 21.

15. Welche Wörter benutzt du oft?
Miniwasserkocher, Edding und Zigarette.

16. Wer hat dir zuletzt gesagt, dass er dich liebt?
Meine Mutter. Glaube ich. Tjaja. Was will man mehr? 

17. Was war das letzte pelzige Ding, was du angefasst hast?
Katze. Ist aber auch schon wieder ungefähr ‘ne Woche oder so her.

18. Wie viele Drogen hast du in den letzten 3 Tagen zu dir genommen?
Alkohol (Bier und Cocktails), Nikotin (Zigaretten) und … Knorr Vie (mit 50 Prozent des täglichen Tagesbedarfs an einer Unmenge an Vitaminen).

19. Zitiere den Refrain des Songs, den du gerade hörst/gerade gehört hast!
Shhhhhhhhh. (Ich sitze auf Balkonien und nebenbei rauscht der Bach den Wasserfall hinab.)

20. Das beste Alter, was du bis jetzt erlebt hast?
Neben dem 16 oder 17 Lebensjahr, in dem ich wirklich eine der genialsten Zeiten ever erlebt habe, würde ich wohl auch das Ende meines zwanzigsten Lebensjahres als großartige Zeit betrachten. (Ja, liebe Leute: Das ist JETZT!)

21. Dein schlimmster Feind?
Ist mein bester Freund. (Oder wie ging das noch mal?) Also nein. Ich habe keine Feinde. Sich anzufeinden wäre eine viel zu große unnötige Anstrengung.

22. Was ist dein Desktophintergrundbild?
Herr Campino mit Kamera in Hand und Nacht im Hintergrund. Ein Snapshot aus Wim Wenders Film „Palermo Shooting“.

23. Was war das letzte, was du zu einer Person gesagt hast?
Darf ich ehrlich sein? [Auf die Frage meiner Mutter, wie das Essen heute geschmeckt hat.]

24. Wenn du die Wahl hättest, zwischen fliegen können und eine Million Euro, was würdest du nehmen?
Fliegen. Aber so superman-mäßig, ohne Flugzeug. Hände heben, schweben und fliegen. Sowas kommt sicher gut bei den Frauen an. 

25. Magst du jemanden?
Boah. Ich mag ja eine Unmenge an Menschen. Freunde nennt man sowas glaube ich. Ja. 

26. Welchen Song hörst du gerade?
Mr Gaunt Pt 1000. Von Frau Soap&Skin.

Und ich bedanke mich noch einmal sehr herzlich und lasse das Stöckchen liegen. Nehme es sich wer will.

Abseits der Tagesordnung. [Ein Monolog]

„Als ich dich das erste Mal sah, bist du mir aufgefallen. Nicht so besonders. Vielleicht stellst du dir jetzt vor, dass die Welt um mich herum plötzlich langsamer wurde, und du in einem hellen Schein dastandst und ich mit leuchtenden Augen in die deinen blickte. Nein. Ich fand dich einfach nur auffallungswürdig. Vielleicht erklärt das ja auch, warum ich dich anschließend die ganze Zeit ansehen musste. Immer kurz den Blick schweifen lassen, deinen Kopf, deinen Körper erkennen, verharren. Bis du dich für den kurzen Moment eines Augenblicks bewegtest. Immer und immer wieder musste ich zu dir hinsehen. Glaubst du, ich hätte es zu diesem Zeitpunkt schon geschafft, dich anzusprechen? Nein. Dafür bin ich viel zu schüchtern. Wenn mir jemand so besonders auffällt, so … besonders ist womöglich, kann ich mich noch weniger dazu überwinden, ein kurzes Hallo zu spenden und zu lächeln und in tiefen Smalltalk zu verfallen. So blieb mir einfach nur die Zeit, in der ich dich betrachten konnte. Und ich habe sie genossen. Aber weißt du eigentlich, wie komisch es sich anfühlte, als du plötzlich wieder weg warst? Meine Augen hatten Urlaub, mein Kopf erlaubte ihnen nicht einmal mehr, irgendjemand anderen anzusehen. Er wollte dich wieder sehen. Mein Kopf genauso wie meine Augen und mein Herz. Es dauerte lange, aber es stimmt wirklich. Man trifft sich immer zwei Mal im Leben. Dass es nun schon so lange Zeit her ist, überrascht mich. Hast du dich doch kaum verändert. Noch immer strahlt dein Auftreten etwas Besonderes aus. Und du wirkst so … unschuldig, so brav. Als hätte es all die Jahre zuvor nicht gegeben. Als wärst du an diesem einen ersten Tag nach Hause gegangen und heute wäre das Morgen von gestern. Vielleicht hast du mich ja auch erkannt. Obwohl. Hast du mich denn überhaupt bemerkt, damals? Ich weiß es nicht. Und jetzt sitze ich neben dir und erzähle dir die Geschichte meines Lebens. Ach nein. Es ist die Geschichte von uns beiden. Von dir und mir und wir kennen uns nicht einmal. Ich weiß nur wie du aussiehst, und jetzt auch wie du riechst. Wie du lächelst und wie du dich bewegst. Dir kommt das komisch vor? Es ist ganz normal. Man bemerkt die überraschendsten und nebensächlichsten Dinge wenn man jemanden beobachtet. Aber dein Lächeln ist definitiv nicht nebensächlich. Es ist vielmehr wunderschön und setzt auf das Besondere an dir noch eine Piemont-Kirsche hinauf. Ich weiß nicht, wie du das getan hast, aber damals, an diesem einen Tag hast du mich verzaubert. In einem Moment, als Verzaubern ja mal sowas von gar nicht auf der Tagesordnung stand. Hast mich gepackt, nicht mehr losgelassen und bist schließlich einfach abgehauen. Hast mich alleine gelassen in dieser Traumwelt, in diesem Gedankenkomplex und tauchst jetzt plötzlich wieder auf. Wirbelst mein ganzes Leben durcheinander. Vielleicht hast du heute Lust, den Abend mit mir zu verbringen. Wir würden Wein trinken, Weißwein. Würden auf einer Decke liegen und reden. Würden reden über die Sterne, über das frische Gras, welches noch so saftig duftet und mit jedem Frühlingsregen weiter aus der Erde sprießt. Wir würden über Kinofilme reden und über Musik, die vielleicht Tränen in uns erzeugt hat. Über unser Leben und unserer Erlebnisse. Wir würden die ganze Nacht damit verbringen, uns kennen zu lernen. Und. Ach ja. Ich bin übrigens Dominik.“

Bild von fotologic

Nein. Es wird nie wieder so sein. Es wird anders. Anders schön.

Ich weiß nicht, ob sich jeder in meine Situation und in meine Gedanken hineinversetzen kann. Wer von euch hat schon einmal etwas so sehr liebgewonnen und – innerhalb eines kurzen Tages, eigentlich innerhalb weniger Sekunden, innerhalb eines Moments – ist alles so, wie es nie hätte sein sollen. Am Schrecklichsten ist es, wenn es sich dabei um einen Menschen, ein Kind handelt. Hätte ich vor einigen Jahren darüber nachgedacht, dass all das passieren würde, ich hätte mich selbst ausgelacht. So unrealistisch, so unwirklich mutet all das an.

Nicht verstehen, sondern akzeptieren. Warum all das passiert ist, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass es passiert ist. So schmerzhaft allein dieser Gedanke ist, so soll er mich doch nicht davon abhalten, nach vorne zu blicken. Ich weiß: Damals, und es war zu diesem Zeitpunkt nicht nur das, versank ich in ein Loch, in eine Höhle, verlor den Kontakt zur Außenwelt und orienterte mich vollkommen neu. Über diese Neuorentierung freue ich mich nun im Nachhinein, muss ich  zugeben. Vieles hat sich zum Besseren gewandt. Aber es hat lange gedauert, bis ich die Tatsache akzeptieren konnte, dass es nie wieder so sein würde. Dass nie wieder sein Lächeln mich aufmuntern kann.

Ein Gespräch mit meiner Mutter, eines unserer täglichen Telefonate, brachte mich zurück zu diesem Thema. Der Wunsch meiner Schwester, ein Kind zu kriegen, wächst von Tag zu Tag. Und jeder von uns kann verstehen, warum. Niemand von uns kann fühlen, wie es innen drin in ihr aussieht. Aber ich wünsche es ihr. Ich wünsche mir, dass ihr Wunsch bald in Erfüllung geht.

„Aber es wird nie wieder so sein.“
„Nein. Ich weiß.“
„…“
„Es  wird anders schön.“

Wir dürfen nicht den Fehler machen, und all unser Leben nach der Vorstellung konzipieren, wie es war, als es war. Es ist nicht mehr, und selbst wenn es heute noch so oft schmerzt, so bin ich mir vollkommen sicher, dass alles gut wird. Anders gut, wahrscheinlich. Aber gut.

[Und Menschen nach Maßstaben zu messen ist niemals okay.]

Und ich hoffe, es geht dir gut.

Weißt du, manchmal denke ich noch darüber nach, wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten. Wenn mein Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. Er war mir wichtig und ging mir monatelang nicht aus meinem Kopf. Und doch habe gerade ich die Verwirklichung eben dieses meinen Wunsches torpetiert. Mit jeder dummen Nachricht, die ich dir in diesen Social Communities geschickt habe. Mit jeder melanchotraurigen SMS, welche ich dir nächtens, um zwei oder drei in beinahe brennender Schlaflosigkeit gesendet habe. Mit all diesen Gedanken und den Gefühlen, denen ich viel zu lange viel zu viel Platz eingeräumt habe in meinem Leben. Ja, selbst heute denke ich noch manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn das Danach irgendwie anders verlaufen wäre. Wenn ich weniger Kind und dafür mehr Mensch gewesen wäre. 

Ich habe im Versuch, aus Liebe Freundschaft zu machen, vielleicht sogar aufgehört zu leben. Rein geistig. Ich schritt zwar körperlich weiter voran, und wechselte geografisch sogar meinen Wohnort. Aber im Gedanken blieb ich bei dir und hoffte manchmal auf eine mögliche noch aufkeimende Freundschaft, und leider viel zu oft auch noch auf möglicherweise noch nicht erloschene Liebesgefühle. 

Ich weiß nicht, ob ich dir zurecht nachgetrauert habe. Ob meine Stalking-Auswüchse gesunder Natur waren. Ich weiß einfach nur, dass die Zeit mit dir eine wundervolle und – trotz allem – erinnerungswürdige (und wahrscheinlich auch eine exquisit schöne) Zeit war. Ich hätte mit unserer Vergangenheit nicht spielen, mit meinen Gefühlen nicht jonglieren und mit meinen Worten nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen sollen.

Ob ich nun für alle sprechen kann, wenn ich sage, dass es nicht möglich ist. Dass man nicht von einen Tag auf den anderen von Liebe auf Freundschaft umswitchen kann. Ich würde es auch gar nicht. Aus Liebe kann Freundschaft werden. Zwar bedeutet es viel (wirkliche) Arbeit und einen schönen Batzen Zeit. Aber es funktioniert. Ich weiß nicht, ob du es denn jemals versucht hast. Aber ich weiß zumindest, dass die wohl größte Schuld hier bei mir liegt.

Ich weiß. Du hasstest meinen Blog, du hasst ihn möglicherweise immer noch, aber du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr lesen. Ich verstehe dich. Warst du doch mehr als ein Jahr lang Vorlage für rund 90 Prozent meiner Texte über Liebe. Selbst ich würde mich im Nachhinein für all dies hassen, wäre ich denn in einem Zustand wie jetzt zu so etwas im Stande.

Mein Leben hat sich verändert. Von einem Moment auf den anderen. Es geschah. Irgendwann Anfang des Jahres. Völlig unscheinbar und anfangs nur spärlich bemerkbar veränderte ich meine Sicht der Dinge. Ich bin viel gesonnener, viel ruhiger. Und ja, erst seit diesem Datum, beinahe zwei Jahre nach unserer Trennung, kann ich mich mit einem Lächeln an unsere Zeit zurückerinnern. Erst seit diesen Tagen bin ich über dich hinweg. Vielleicht freut es dich, das zu hören.

Ich finde es traurig, dass es so lange hat dauern müssen. Dass so viel passsieren musste. Am Liebsten würde ich mich hiermit mit einem Schlag für alles entschuldigen. Aber dazu müsste ich mir selbst erst einmal verzeihen. Ja, hörst du es. Ich bin unfähig, mich selbst zu hassen. Aber ebenso unfähig, mir selbst zu verzeihen. Eine dieser Ungereimtheiten in meinem Leben, die dich damals oft den Kopf schütteln ließen. 

Ob ich denn jetzt noch Interesse an einer Freundschaft habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Womöglich, weil es mir auch jetzt gerade so überhaupt nicht in mein Leben passt. 

Seit einigen Monaten (und eben seit diesen ominösen Tagen zu Jahresbeginn) schwebe ich auf einer Welle. Bin mit mir selbst zufrieden, glaube an meine Träume, tauche in Optimismus, und fröhne dem Genuss. Nichts kann mich unterkriegen (selbst einige Selbstversuche zeigten glücklicherweise keine veränderte Wirkung). Man könnte einfach sagen: ich lebe. Womöglich zum ersten Mal seit ungefähr zwei Jahren. 

Es freut mich.  
Und ich hoffe, es geht dir gut.

Ein ♥ für Blogs.

Der StyleSpion startete für heute (und nur für diesen heutigen Tag) so etwas wie eine Blogparade. Jeder Teilnehmer (und das kann hier auch wirklich jeder sein, einzige Voraussetzung ist ein Blog) stellt seine liebsten Blogs vor. Ich hätte die gesamte Aktion höchstwahrscheinlich sang- und klanglos übersehen, hätte ich mich nicht auf so einer ♥-Liste gefunden, nämlich jener auf 2-blog.net.

Schreib ich denn jetzt zu jedem Blog etwas dazu? Warum ich ihn liebe? Hm. Ich weiß nicht. All diese Blogs sind hier sogenannte persönliche Blogs (ich möchte mich nämlich hier nur auf diese Art des Blogs konzentrieren) und jeder für sich ein wunderschöner Beweis, wie großartig Bloggen ist, wenn dahinter wirklich tolle Menschen stehen. 

Aufgrund des Zeitmangels belasse ich es zurzeit bei dieser kleinen Liste. Aber es wird noch etwas folgen.

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