
Nachdem die Welt am Abgrund steht (und womöglich doch nicht alles so wundervoll schrecklich ist), und die Materialisierung der Werte immer mehr an Bedeutung verliert, halte ich mich fest. An diesem Stück Geschichte. An Neon|Wilderness. Dieser Platz, an dem ich Luft schnappe, nach ihr ringe, oder keine bekomme. Dieser Platz, der mich aussaugt und mir doch auch wieder so vieles zurückgibt. Herzlich Willkommen zum zweiten Geburtstag dieser grellfarbenen Wildnis.
Wie soll ich also mit diesem Feiertag (?) umgehen? Ein kleiner Jahresrückblick, so wie ich es schon vor einem Jahr schaffte? Oder doch etwas anderes. Nein, ich bleibe bei meinen Leisten (wie der Schuster es mir jahrhundertelang vormachte). Am 14. Dezember 2006 startete ich diesen Blog hier. Mein erster? Nein. Nach einem Ein-Eintrag-Blog auf blogigo und einem Blog namens Dashboard Confessional auf Blogger war dies nun mein dritter Blog. Und der erste, der ein Jahr überlebte. Und es überrascht mich selbst, wie einzigartig dieses Medium ist, dass ich jetzt, selbst nach zwei Jahren und einem anstrengenden persönlichen Lebensjahr, immer noch so begeistert von dieser Art der Selbstdarstellung bin.
In den letzten Einträgen des Dezembers widmete ich einen Text (The Sun Also Sets) der Idee, nie wieder über sie zu schreiben. Und schon zwei Tage darauf widmete ich den Text So Close Your Eyes (man erinnere sich: der allererste Eintrag hatte einen ganz ähnlichen Titel) wieder dieser Person. Und mit dem Ende des Jahres begann auch die Zeit meiner Therapie nach dem Tod meines Neffen Timi. Dass die Therapie so einiges mehr verändern würde, dass war ich mir im Vorhinein noch nicht bewusst. Das Jahr endete mit einer interessanten Art, das Jahr Revue passieren zu lassen und 2008 begann mit dem tollen Text Als Dunkelheit, eine Erinnerung an meinen Silvesterabend. Der Jänner wurde befüllt von einigen wuterfüllten minimal literarischen Texten, von Bildern fürs Projekt52 (welches ich anschließend fahrlässig vernachlässigte). Und mit Texte über Liebe. Der Februar dann verleitete mich zu meiner ersten und bisher einzigen Buchvorstellung. Mitten ins Gesicht von Kluun ist das erste und bisher einzige Buch, welches es schaffte, mich durch diese verdammte Direktheit zum Weinen zu verführen. Ich erinnere mich noch genau an den Kloß im Hals und an die Zeit, als ich mich nach der letzten Seite in meinem Bett zusammenkauerte und mich einfach nur schrecklich fühlte. Der Februar steht aber vor allem für die Geburt der wundervollen Kategorie Like I’m Home. Die schönsten Plätze meiner Heimat, verewigt auf diesem Blog.
Im März versuchte ich mich erstmals mit dem neuen Metier Podcasting. Brainstorm Interlude wurde diese Baustelle genannt, in in den kommenden Wochen versorgte ich meine Leser mit mehr oder weniger interessanten gesprochenen Beiträgen. Mit Fragen und Antworten, mit dem Vorlesen verschiedener Textquellen oder einfach nur mit Gedanken. Und mit dem März begannen auch meine Konzertberichte, mit dem wundervoll intimen Konzert vom American Music Club und der Vorband Lisa Papineau. Und es war auch der Monat, in welchem ich erfuhr, dass ich mit meinem Text Selbstgespräch. Und so Teil einer Ausstellung in Deutschlands Museen werde. Der April läutete die letzten Tage meines Zivildienstes ein. Ein Abschlusstext (der noch weitere Wellen schlug, als ich vorerst vermutete), und schließlich auch all die Tage danach. Mit meiner misslungenen Österreichreise, welche ich nach der Erkundung des Westens einfach abbrach. Und kurz nach der Geburt meiner Großcousine Luisa fanden schließlich auch wieder Konzerte statt. In Wien, wohlbemerkt, meiner späteren Heimat. Die anderen Texte? Trauerverarbeitung und Liebe. Immer wieder. Im Mai kam ich sodann auf die glorreiche Idee, mich selbst zu verschenken. So, halt. Ich startete DSDS, Dominik sucht die Superfrau, was sich schließlich als vollkommener Flop herausstellte. Keine einzige Frau hat sich gemeldet. Und noch nicht mal ein Mann. Der Tod einer Freundin, welche ich niemals kennenlernen durfte, Woven, einer bemerkenswerten Bloggerin und Frau, die mich zuvor viel zu oft unterstützte, wenn ich in Zweifeln versank oder mir auf die Beine half, wenn ich am Boden lag. Mit Ohne Worte traf ich die einzig für mich möglichen Worte.
Und was dieses Jahr auch ganz schön in war auf meinem Blog, war natürlich die Europameisterschaft im eigenen Haus. Ähm, im eigenen Land, natürlich. Jedes Spiel habe ich höchstpersönlich mitverfolgt und kommentiert. Und das auch noch aus wundervoll amateurhafter Sicht. Das war so gesehen mein Juni 2008. Wobei ich hier auch die Anfrage für ein Interview für die NEON bekam. Der Text Führe mich sanft aus dem vergangenen Jahr, hatte scheinbar eine Redakteurin tief berührt und sie auf mich aufmerksam gemacht. Was daraus schließlich wurde, wird in den nächsten Wochen wohl zu spüren bekommen. Denn erst demnächst wird diese Reportage abgedruckt, soweit ich weiß, und was ich davon halte, werdet ihr überall zu lesen bekommen. Am 20. Juni bekam ich übrigens auch mein neues Notebook, welches auf den wundervoll klingenden Namen Acer Aspire 6920G hört. Im Juli wurde schließlich mein erstes und bisher erfolgreichstes Blogprojekt gestartet. Damals noch unter dem Namen Abnehmen 2.0, jetzt unter Wohlfühlgewicht 2.0 auf einen eigenen Blog verfrachtet (und zurzeit arg vernachlässigt, ich gelobe Besserung). Mein Blog erhielt unglaublichen Zulauf, und Abnehmen 2.0 machte in der Blogosphäre die Runde. Ach ja, und seit Juni wurden übrigens auch noch Texte von mir in den Salzburger Nachrichten abgedruckt. Bisher 11 Mal. So, und nun zurück zum August. Der 8. August, mein Namenstag ist der erste Tag seit dem 4. Mai 2007, an welchem ich keinen Text veröffentlichte. Anfangs fühlte es sich komisch an, aber mehr und mehr gewöhnte ich mich an dieses neue Gefühl, ohne Druck zu schreiben. Der September hingegen war gezeichnet von anderen Blogprojekten. NEUWAL, an welchem ich schon seit Beginn mitarbeitete, hatte nun, kurz vor der Nationalratswahl am Ende des Monats, höchste Priorität. Die Texte wurden teilweise sarkastischer. Den schönsten Text dieser Zeit macht für mich Our love to admire aus. Ein Plädoyer für die Freundschaft und die Sterne, die Liebe und alles. Und in diesem Monat kommt mir auch noch zum ersten Mal die Idee für Agenda Futura.
Der Oktober, der November und der bisherige Dezember. Was kann ich dazu schon viel schreiben. Wohlfühlgewicht wurde ausgelagert, der Blog wurde endlich wieder ruhiger. Und nun endlich auch wieder etwas persönlicher. Die Texte der letzten drei Monate gefallen mir alle, sind mit kunstvollen Bildern wunderbarer Fotografen unterlegt und auch mit vollem Herzeinsatz geschrieben. Wie eigentlich alles hier, ich weiß. Aber dieses Umfeld, das hier. So wie es jetzt ist, so gefällts mir. Ich suche zwar gerade wieder nach neuen Möglichkeiten, aber das hier soll bestehen bleiben. Auf ewig.
Und wie es sich für einen schönen Rückblick gehört, hier auch noch Zahlenjongliererei. Mehr als 67.000 Leute haben meinen Blog dieses Jahr besucht. Der besucherreichste Monat war der Juli mit 9.720 Besucher (vor allem durch Abnehmen 2.0). Durchschnittlich 195 Besucher hatte ich dieses Jahr pro Tag auf dem Blog, um 80 Besucher mehr als letztes Jahr. Und den besucherreichsten Tag erlebte ich am 7. Juli. 598 Menschen fanden sich ein, mehr als 190 sind durch Abnehmen 2.0 auf meinen Blog aufmerksam geworden. Jetzt wurde es zwar definitiv wieder stiller auf meinen Blog, aber das ist es auch, was ich so sehr liebe. 1632 Eintrage befinden sich insgesamt (von 2005, durch Nachfügung vom ersten Blog, bis jetzt) hier, und meine Texte wurden 3160 Mal kommentiert.
Und jetzt kommt es. Ich danke. Ja, ich danke. WordPress, natürlich, für die Zuverfügungsstellung dieser tollen Plattform. Meiner Familie, die mir keine blöden Fragen mehr stellt, wenn ich Bloggerisch mit ihnen rede und in Gedanken schon wieder den nächsten Text forme. Meinen Freunden, die auch so manches Mal hierher kommen. Und natürlich meine Stammleser, von welchen ich keineN missen möchte. Eure Kommentare freuen mich jedes Mal so unglaublich. Ihr spornt mich an, weiterzumachen. Okay, da wär auch noch die Sucht. Aber ihr gebt mir das Gefühl, dass es richtig ist, was ich hier mache. Und dass es vielleicht nicht nur mir hilft, sondern auch euch. Ich danke euch, dass ihr immer wieder vorbeischaut und danke für eure Aufmerksamkeit. Und wie auch schon letztes Jahr möchte ich mit folgenden Worten enden.
Auf ein neues Jahr Neon Wilderness.
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Happy Birthday
Und auf noch weitere Jahre mit Dir und Deinem Blog.
Du lässt den morgendlichen Kaffee ein kleines Stück besser schmecken! Auf viele weitere Jahre in der Bloggosphäre!
Danke, dass du schreibst. Uns an deinen Gedanken teilhaben lässt. Uns eine andere Welt zeigst. Danke für die vielen wundervollen Stunden. Und auch die traurigen. Danke, dass du dir selbst treu geblieben bist. Danke, dass du schreibst.
Danke.
alles liebe und gute, danke, dass ich bei dir immer erzwungene kommentare hintelassen darf.
ich hoffe, das bleibt noch länger so. die qualität deiner texte wächst mit deinem reifungsgrad, blabla.
ernsthaft jetzt, hast du alles ganz toll gemacht, ich bin sehr froh, dass ich deinen blog kenne und immer lesen darf, weil er schlicht und ergreifend toll ist.
Komm wir essen zusammen ein Stückchen Kuchen. Ein kleines. Danke für die großartigen Texte und bitte mehr davon.
Alles Liebe Mia
Also denne. Nachdem ich den letztjährigen NW-Geburtstag, wenn ich mich recht entsinne, grandios versäumt habe, bin ich wenigstens heuer hier, um zu gratulieren. Zu insistieren. Zu applaudieren. Anzufeuern und anzuspornen. Und gleichzeitig (wie Lahja in einem Kommentar zum vorhergehenden Beitrag) zu sagen: Nimm dir Zeit und nicht das Leben. Mir gefällt die Veränderung hin zum Einträge-schreiben-wenn-es-passt-und-nicht-unbedingt-täglich. Ich lese hier und auf vielen deiner “ausgelagerten” Blogprojekte nach wie vor begeistert mit – wie offensichtlich viele: Das spricht für Qualität, aber auch für Originalität und eine gute Portion Persönliches. In dem Sinn: Weiter so. Oder auch: Anders weiter. Aber auf jeden Fall: Weitermachen.
Etwas verspätet auch von mir ein kleines “Happy Birthday”. Schon wieder ein Jahr. Und schon wieder ist so viel passiert.