Archiv für November 2008

What am I to you?

Er lächelt, als er sich in diesem wunderschönen Park, mit herbstlichen Farben und bestrahlt von dieser wärmenden Sonne, auf der Bank niederlässt. Das Lächeln war überraschend und erzählte die Geschichte der Schmetterlinge, die sich in seinem Bauch breit gemacht hatten. Er blickt in den Himmel, der sich mit kuschelig weichen Wolken zu füllen beginnt. Lange schon war er nicht mehr in dieser Stadt gewesen und selbst dieser Ausflug heute war eher spontan entschieden worden. Er wollte nur mal wieder den See sehen und die Natur, die an diesem Plätzchen der Erde so einzigartig und wundervoll ist.

Wie lange hatte er sie nun schon nicht mehr gesehen? Jahre müssen das sein. Seit fünf Jahren war er ständig unterwegs, kam nur mehr kurz nach Hause, in seine Wohnung. Alleine, in einer Großstadt, Stunden von seiner Heimat entfernt. Und dann zieht es ihn zufällig mal wieder nach Hause und er erblickt sie. Sie, deren braune Augen so berührend, deren Lächeln so entwaffnend ist. Sie, die ihm vor so vielen Jahren den Kopf verdreht und anschließend auch das Herz gebrochen hatte. Er hatte lange gebraucht, um über sie hinweg zu kommen. Aber obwohl Jahre ins Land einzogen und sich alles verändert hatte, selbst der Park hier schien erst vor kurzem angelegt worden zu sein. Obwohl nichts so ist, wie es damals war, haben sich die Beiden beim ersten Aufeinandertreffen der Blicke wiedererkannt.

Zwischen all den Büchern. Er kramte gerade, um ein Buch einer Freundin zu finden. Erst kürzlich sagte sie, dass ihr neuer Roman erscheinen würde, und um nichts wollte er ihr neues Werk versäumen. Und während er so suchte, versuchte er zudem, nicht daran zu denken, dass auch der Verlag von ihm ein neues Buch erwartete. Er konnte nie auf Kommando schreiben, und das hatte er dem Vorstand auch schon erklärt. Wenn es Zeit wäre, und vor allem wenn er die richtige Eingebung hatte, dann könnten sie in Kürze schon seinen neuen Roman lesen. Aber das konnte dauern. Und während er suchend und über seine nahe Zukunft nachdenkend im Bücherladen umherirrte, stellte sich plötzlich eine Frau in den Weg.

Dunkle Haare, so natürlich wie eh und je. Und es kam ihm vor, als würden sie auch noch immer so riechen. Ja, es war der Geruch, der ihn aufblicken ließ und im seine erste Vermutung bewahrheitete. „Hey.“, sagte er, etwas zu impulsiv. Sie blickt überrascht auf und das war er dann. Der Moment der sich begegnenden Blicke. „Hey!“, antwortete sie freudig und das Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Jetzt im Nachhinein, die Sonne kitzelte ihn immer noch im laubverschneiten Park, erkennt er erst, wie jung sie doch noch aussieht. Sie mag jetzt … 28 Jahre alt sein. Ja, genau. Achtundzwanzig, ungefähr zwei Jahre jünger als er. 

Und während er so in dieser Buchhandlung steht, neben ihm sie und dazwischen diese peinliche Stille möchte er beinahe schon mit diesem unsäglichen Smalltalk beginnen, als sie das in der Luft schwebende Wort ergriff. „Du … du schreibst über uns. Nicht wahr?“ Und schon ließ sie den Blick zwischen dem Boden und seinen Augen schweifen. Früher tat er das immer. „Ich hab’ es gelesen. Dein erstes Buch. Es … es ist gut.“ Er schwieg, die ganze Zeit. Auch das tat er früher genauso. „Du schreibst doch über uns, oder?“ Er nickte und er fühlte sich gerade so, als wäre das womöglich der peinlichste Moment seines bisherigen Lebens, ausgenommen natürlich seiner Zeit des Bettnässens. „Ja. Stimmt. Ich schreibe von uns.“

„Denkst du eigentlich noch manchmal an mich?“, fragte er sie, einfach so frei heraus. „Nein. Und du?“ „Ne, nicht wirklich.“ Und er begann zu lächeln, ein ganz kleines Bisschen. „Wie geht’s es dir eigentlich? Was machst du denn so?“ „Musik.“, sagte sie. Schon damals spielte sie zwei oder drei Instrumene. Er hatte so etwas erwartet. Als er das nächste Mal den Blick schweifen ließ, erblickte er das Buch seiner Freundin. Er zog es heraus, drehte sich noch einmal zu ihr um. „Schön, dich wieder einmal getroffen zu haben.“ „Ja. Stimmt. Vielleicht sieht man sich ja wieder.“

Und da sitzt er also nun. Nach Jahren hatte er seine erste große Liebe wiedergesehen. Sie hatte bemerkt, dass sein erstes Buch zu einem Teil auch von ihr handelte. Sie hatte das Buch auch gelesen. Und. Und sie denkt noch an ihn. So wie er. Da ist er sich sicher. Aber er will sie nun einfach nicht wieder sehen. Es war ein schönes Aufeinandertreffen, aber ein Kaffee mit ihr wäre schon wieder zu viel gewesen. Und so blickt er hinaus auf den See. Als er gehen möchte, bemerkt er, dass sie nun von hinten auf ihn zukam. „Es ist. Es ist wunderschön. Das … das Buch. Die Geschichte. Von uns und dir und mir. Ich liebe sie.“ Sie wirkt etwas aufgewühlt. Er will jetzt einfach nicht zu viel sagen. Vielleicht wäre ein Kaffee doch nicht so schlecht. „Dankeschön.“

Foto von orangeacid

Und inspiriert übrigens von Bridschi

Meine Weihnachtswunschliste.

In einem Monat ist Weihnachten. Habt ihr eigentlich schon mal daran gedacht, wie schnell so ein Jahr eigentlich vergeht. Und überhaupt, das ganze Leben nervt, weil es eben keine Stop-Taste gibt, kein Rewind, nicht mal eine Pause vorzuzeigen hat. Es läuft und läuft und unendlich und für immer bis. Naja, das Leben nervt eben in penetrant andauernder Routine. Und Weihnachten ist für mich, zumindest seit dem Letzten, seit diesem tränenreichen, stillen Weihnachten nach dem Tod unseres Timis, vor allem eines. Ein Fest der Familie und der Freunde. Ich will weg von großen materialistischen Dingen, die ich gerne geschenkt bekommen würde. Große Dinge zahle ich mir mit großer Freude selbst immer. Aber eine Wunschliste gibt es immer. Das ist klar.

Zuallererst wünsche ich mir Socken. Ich habe genügend Socken und noch dazu bin ich seit kurzem im Besitz von Wochentagssocken (wobei das System dahinter scheinbar viel zu kompliziert für mich bzw. die Waschmaschine ist). Aber Socken finde ich so wunderbar genial – schützen sie doch durchschnittlich zehn Zehen – und einfach nur großartig. 

Vielleicht wünsche ich mir auch noch einen Kugelschreiber. Einen, der erstens makellos und zweitens schön schreibt. Ich hatte mal einen Kugelschreiber, sogar mehrere, aber im Stress des Studierens habe ich zumindest einen unabsichtlich in den Mülleimer geschickt, und die anderen liegen irgendwo zuhause, also 231 Kilometer entfernt. Natürlich könnte ich sie mitnehmen, bei der nächsten Heimreise, und das werde ich auch tun, aber Kugelschreiber empfinde ich auch als etwas, was man am besten als „Einfach nur toll!“ beschreiben kann. Es ist das Instrument einsamer Stunden. Wobei dazu ja auch Papier nötig ist, aber an das komme ich schon irgendwie.

Dann … ja, das ist der Wunsch an meine Eltern, und sie wissen auch schon davon, wünsche ich mir einen Rasierer. Den aus der Werbung. Ich benutze nun schon seit … ja, mehr als vier Jahren einen Nassrasierer und bin jedes Mal genervt davon. Der Wunsch nach einem Elektrorasierer liegt schon lange in der Luft, und nachdem ich jetzt als Student (mit viel Freizeit, aber trotzdem) sowieso nie Zeit habe, ist so etwas einfach perfekt. Denn Dominik und Bart (sagen wir ab einem 6-Tage-Bart) nervt. Ziemlich. Ist sogar beinahe ätzend.

Und dann kämen da noch Bücher. So einiges an Literatur blieb dieses Jahr liegen. An Michel Houellebecqus’ „Die Möglichkeit einer Insel“ arbeite ich nun schon seit … ich weiß es nicht … ist es denn nun schon ein Jahr? Es ist zumindest das schlechteste Buch von allen sechs, die ich bisher von ihm gelesen habe. Durch eine Plakatwerbung auf das neue Buch von Carlos Ruiz Zafón aufmerksam geworden, und so wünsche ich mir dann einfach mal so seinen Erstlingsroman „Der Schatten des Windes„, an welchem ich schon so manches Mal in der Buchhandlung hängen blieb. Hinzu kommt noch, das für mich bis jetzt außerhalb von Online-Shops unauffindliche, Werk „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi … und das auch noch in der Reclam-Fassung (also in gelb und klein und niedlich und trotzdem mit mächtig viel Seiten). 

Und dann gäbe es da noch so etwas Wundervolles wie Handschuhe, Mützen und ein Schal. Ich liebe Gebrauchsgegenstände wie diese. Und habe von allen Dreien schon einige zuhause. Aber kann man von so etwas überhaupt jemals genug bekommen. 

Das war es aber dann nun. Ich wollte nur mal drüber reden. Wollte erklären, warum Weihnachten nicht mehr so riesig ist, was Wünsche angeht, aber viel riesiger ist, was meine Liebsten betrifft.

Denn vor allem wünsche ich mir einen Tee mit meinen Freunden, wünsche ich mir Umarmungen und Gespräche, wünsche mir Kekseschlemmen und Spieleabende mit meinen Herallerliebsten. Wünsche mir, dass die gesamte Familie wieder bei meiner Oma versammelt ist, dass die Bratwürstel wie jedes Jahr so einzigartig lecker schmecken, dass es das ist, worauf ich mich einfach am meisten freue. Ein Fest der Liebe. So kitschig es sich auch anhört.

Foto von Cláudia*~Assad

Falling or flying. Something like this.

dust

In Momenten wie diesen passt nichts besser. Einfach mal nur die Soundtracks von Grey’s Anatomy auf Dauerrotation schmeißen und warten bis alles irgendwie wieder besser wird. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es tut nur auf irgendeine vollkommen beschissene Art und Weise doch etwas weh. 

Man hat es vielleicht bemerkt, an den letzten Texten, die doch schon so einige Zeit zurückliegen. Ich fühlte mich plötzlich wohl, in meiner neuen Heimat, an meinem neuen Platz. Und es stimmt auch. Ich habe jetzt schon so viele neue tolle Menschen kennengelernt, Menschen, die ich sehr, sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Menschen, die ich schon jetzt als gute und wichtige Freunde bezeichnen würde. Und in eine junge Frau habe ich mich eben verkuckt. Komisch, so ein Gefühl, nach so vielen Monaten. Mal einige kurze Zwischenverliebungen (ein oder zwei werden es wohl schon gewesen sein). Aber irgendwie schien hier einfach alles wieder zu passen. Eine SMS, aus purer Feigheit und dem Wunsch, endlich Gewissheit zu haben, nahm mir dann die Illusionen und trotzdem freut es mich, dass sich nun doch alles so wunderbar weiterentwickelt. Kein gewünschter Abstand, kein Übelnehmen, wenn man das überhaupt kann und darf. Aber das war es eben. Und das Entlieben, so glaube ich, ging schnell. Ich lebe gerade in einer viel zu schnelllebigen Zeit. Nicht allgemein, nein. Mein Leben ist so.

Ich verbringe nun auch mein erstes Wochenende in Wien. Und freue mich, erst wieder kommenden Samstag nach Hause zu kommen. Mir fehlte letzte Woche, als ich auf der Heimreise war, das Studentenheim und all die Leute. Zugegeben, am Wochenende ist es nicht wirklich belebt. Aber es hat schon was. Und so werde ich eben erst am Samstag die heimatlich-verschneite Luft riechen (nachdem ich am Freitag einer Party beiwohne). Ich werde erwachsen. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Ich bin immer noch. Noch. Auf der Suche.

Auf der Suche nach mir selbst. Ein Bild von mir hat die Selbstliebe und gleichzeitig auch den Selbsthass in mir entfacht. Dieses Bild hier. [Bild funktioniert endlich] Es zeigt mich, 2006. In einem großartigen Sommer. Als ich vielleicht zum ersten und einzigen Mal halbwegs mit mir zufrieden war. Da möchte ich wieder hin. Mit dieser kindlichen Leichtigkeit. Alles hat sich verändert und auch meine Freunde. Wenn wir von Studium und Job sprechen, es geht mir alles einfach zu schnell. Vielleicht hätte ich einfach abhauen sollen, in den Sommerferien. Einfach mal weg, für ein Jahr. Vorher noch eine Bank ausrauben und dann nach Kanada trampen, mir eine Hütte an einem einsamen See – umzingelt von Wald und Grizzlys – zu kaufen. Und um dort einfach mal allein zu sein. Ohne Stress, ohne Freunde, Familie. Alleine. Um endlich einmal zu mir selbst zu finden. Um zu schreiben. Um nachzudenken. Um keine Aufgaben zu haben. Um durchatmen zu können. Ich werde mich nicht finden, und niemand wird mich je so kennenlernen, wie ich wirklich bin. Ich bin ein viel zu gespaltetes Ich. Es ist schwer. Aber ich werde euch Bescheid geben, wenn ich mich endlich gefunden habe. 

Und so fühle ich mich. Am Boden und vor kurzem noch vollkommen hoch oben. Und irgendwie fühle ich mich auch jetzt nicht schlecht. Es geht mir gut und trotzdem ist es scheiße und trotzdem doch so gut. Ich fühle mich auf dem besten Weg zu meinem neuen alten Ich. Ich will nicht der großartige Journalist sein, der super Schriftsteller, womöglich auch ein Schauspieler (die täglichen Rollen spiele ich noch nicht mal richtig gut). Ich möchte zuerst einmal ich sein. Da hilft kein Druck. Ich weiß, was ich geben kann, ich weiß, dass ich schreiben kann, Menschen mit meinen Texten auch berühren kann. Und allein das zeigt mir, zu was ich fähig bin. Ich habe Träume. Und in diese Träume passt eben gerade überhaupt nicht dieses Studium.

Ich werde es abbrechen.

Ja. Nach 7 Jahren Träumen vom Publizistikstudium in Wien nun das. Ich werde, womöglich, relativ unsicher, auch Wien den Rücken kehren. Mal sehen, was die Zukunft, der Selbstfindungstrip bis zum Sommer und auch anschließend, bringen wird. Aber ich lasse mich einfach mal durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Für den nächsten September werde ich mich an einer Fachhochschule für Journalismus bewerben. Jährlich werden nur 36 Menschen genommen. Man muss also gut sein, und ich weiß, dass ich es bin. Ich kann es schaffen. Als einer von 1700 Publizistikstudenten oder als einer von 36 professioneller und spezifischer Ausgebildeter einer FH … natürlich werde ich es schaffen.

NaNoWriMo fiel flach. Ich hatte zu viel zu tun und nicht die Zeit. Aber ich werde mir von nun an wieder überall hin den Block mitnehmen und an der Geschichte kritzeln. Ich werde sie formen und vielleicht gibt es schon bis Ende des Jahres ein kleines Erfolgserlebnis. Und das gibt es auch schon, für alle, die Wohlfühlgewicht 2.0 nicht mehr mitverfolgen für mich. Letzte Woche stand ich kurz vor meinen ersten 10 Kilogramm, die ich abgenommen habe. Diese Woche kann ich, dank fehlender Waage, nicht mitwiegen, aber vielleicht trink ich nächste Woche schon einen Prosecco zur Feier des Tages. Man wird sehen. 

Und was man abschließend schon sagen kann: Ein Besuch von Freunden im neuen Heim ist wundervoll, ich hasse „Religionsgemeinschaften“, die nichts anderes sind als blinder Gehorsam, und sich in der Küche unseres Heims für diesen Abend eingenistet haben, ich muss mir endlich mal die Namen der bisher wenig Bekannten im Heim merken, Schnee ist weiß und auch relativ kalt, wenn man nur mit Sommerschuhen unterwegs ist. Und was ich schon immer mal sagen wollte: Es gibt Männer, für welche man gerne schwul wäre.

Und somit befinde ich mich irgendwo zwischen Falling und Flying. Somewhere between waking and sleeping. Irgendwie am falschen Ende des Regenbogens und es ist doch ein Kobold da. Irgendwie alles gerade sehr verwirrt. Aber das ist es. Eindeutig.

11:11

Es war der Bruchteil einer Sekunde. Jetzt, in seiner Erinnerung kommt es ihm so vor als hätte er gerade in diesem Augenblick gezwinkert. Er blickt sich das Reh an, welches regungslos auf der Straße liegt. Den Kopf interessant verrenkt. Wahrscheinlich war es auf der Stelle tot, als sein Auto noch auszuweichen versuchte. Langsam zieht er anseiner Zigarette und lehnt sich gegen das – nun im Straßengraben befindliche Fahrzeug. Die Sterne. Sie sind schön, in dieser Nacht.

Das er aber auch immer in solche Situationen kommen muss. Auf irgendeiner Freilandstraße, kilometerweites „Fast-nichts“, nur unzälige Felder und vielleicht ein suizidgefährdetes Reh. Er braucht keine Angst zu hben, dass ein nachkommendes Fahrzeug hinzustoßen könnte. Hier war nichts und hier wollte niemand hin. Diese Dunkelheit, verstört nur durch die Glut der Zigarette und das Abblendlicht des Wagens. Leicht genervt wirft wer die Zigarette zu Boden. Die Funken verteilen sich am kalten Asphalt.

Langsam öffnet er seinen Kofferraum. Wie geschaffen für ein junges reh, denkt er sich, während er den kleinen Teppich ausstreifte. Es soll ja das Auto nicht dreckig werden. Etwas verstört bückt er sich dann zum Reh hinunter. Ein wunderschönes Tier, grazil, mit samtigem Fell. Und tot. Als es im Kofferraum verstaut ist, setzt er sich wieder ans Steuer und steuert seinen Wagen langsam aus dem Straßengraben. Es wird wohl drei Uhr sein. Um diese Uhrzeit möchte er den Tierazt auch nicht mehr aufwecken und überhaupt … das Ding ist tot. Und auch er will endlich ins Bett.

Die Todeseinzeige kann man wohl auch morgen ausfüllen. Erst einmal erzeugte r einen Sachschaden an der Natur. Ein Eichhörnchen war ihm einmal direkt vors Auto gelaufen, wenige hundert Meter vor seinem ZUhause. Er bemerkte es aber erst, als er am nächsten Tag Reste davon an Reifen und Auto fand. Er ekelt sich – selbst heute noch – wenn er daran zurückdenkt.

Die Heimfahrt gestaltete sich ganz angenehm. Im Autoradio dauerrotierte Jose Padillos „Adios Ayer“. Er fährt jene unzähligen Kilometer zurück nach Hause, die er unsinnig in Kauf genommen hatte, nur um endlich mal wieder raus zu kommen. Das macht er häufig. Eigentlich immer, wenn es ihm in den eigenen vier Wänden zu eng wird. Es ist ihm doch so lange nun so gut gegangen, und dann plötzlich dieser schnelle Verfall. Vielleicht nur ein kurzer Durchhänger. Das tote Reh in seinem Kofferraum ist ihm eigentlich relativ egal. In irgendeiner Art und Weise amüsiert es ihn sogar. Er hatte es ja nicht absichtlich getötet, hatte nicht extra Gas gegeben. Versuchte sogar auszeichen, nur um das Reh zu retten, und sich selbst vielleicht in größere Gefahr zu bringen. Innerlich lachte er gerade. Es wird schon wieder. Alles wird gut. Nur das Reh, das bleibt tot.

Zuhause angekommen haute er sich noch ein paar Cevapcici in die Pfanne, trank ein Bier dazu und ging schlafen. Das Reh bewegte sich trotzdem nicht mehr. Was für ein Tag.

Diese Geschichte entstand während der letzten Wienheimfahrt, auf das Reh kam ich, als ich zum ersten Mal seit einigen Tagen einen Wald erblickte. Gespickt wurde die Geschichte mit den Worten von einem meiner besten Freunde, Lukas. Teppich, Eichhörnchen und Cevapcici. War interessant und vielleicht ein Vorgeschmack auf PS09. Der Titel entstand spontan und hat nichts mit dem Datum und der trivialen Uhrzeit zu tun, die am gestrigen Tag so unglaublich angesagt war. Mich brachte ein Song von Rufus Wainwright dazu. Und nein, bei uns hat es noch nicht geschneit. Aber kalt wird es.

Foto von smile4camera

Running to stand still.

Nicht schon wieder das Liebestheme. Hier in meinem Leben. Hier in dieser Gedankenansammlung. Hat man denn niemals seine Ruhe. Wohl kaum, vor allem wenn es um dieses Thema geht. Alles hat sich verändert und doch werde ich immer noch enttäuschen. Ich bin mit mir noch lange nicht im Reinen, fühle mich aber wohl than ever before. Ich lerne kennen und lerne lieben. Auf irgendeine Art und Weise. Aber … es tut mir Leid. Ich weiß nicht.

Ich war noch nie in dieser Lage. Never ever. Really. Zu viel zu wissen. Zu viel über Liebe. Über Liebe und Gegenseitigkeit und über Einseitigkeit und ein richtig beschissenes Gefühl. Ich lebe dieses neue Leben hier in Wien und fühle mich von Tag zu Tag wohler, liebe den Tag, jeden, egal welchen. Liebe das Wetter und den Tee, den ich gerade zur Genüge runterschlürfe. Das Leben ist schon und ich fühle mich wunderbar. Ich liebe diese Hochs, die manchmal über mich kommen. Vielleicht dauert dieses ja etwas länger an. Maybe.

Eigentlich habe ich beinahe keine freie Zeit mehr. Oder verbringe die Zeit vor allem mit neuen Freunden und auch alten. Im Studentenheim habe ich mir schon einen Namen mit der neu eingeführten donnerstäglichen Teerunde gemacht. Und überhaupt fühle ich mich gerade wie Gott Ronaldinho Peter Jackson das beste Ich. Das beste Ich seit langem. 

Das so lange so sehr verhasste Wien wird zu dem, was ich mir immer wünschte. Ein lebenswerter Lebensraum. Eine Aufgabe für all die kommenden Wochen und Monate und Jahre und maybe. Okay, und ich gebs auch zu. Von der anfänglichen Befürchtung über das Thema Liebe schon wieder zu schreiben. Liebe umfasst ein weites Spektrum. Die Stadt, den Tag, die Welt. Alles ist gerade schön.

Und wenn ich dann heute zu Mittag bekocht werde (Jamjam, Kaiserschmarrn | Link) und man dann in die Bibliothek um eine Arbeit für Publizistik zu machen, dann freue ich mich einfach schon wieder auf den Tag nach der Nacht. Es wird schön. Es wird großartig. Und ich … will gar nicht erst an das möglicherweise kommende Tief kommen. Das wird jetzt mein Hoch. Bis … 2012. Mindestens, okay?

Der Titel gefällt mir deswegen so gut, weil es wieder einmal so perfekt auf mich zutrifft. Ich laufe, bin ständig unterwegs, mein Leben ist vollkommen und sinnvoll und großartig. Und erst jetzt kann ich mal still stehen. Und dann geht es mir einfach nur gut. Also … einfach mal einen Daumen hoch. Mit Obama kam also wirklich der so erhoffte Change. Dankeschön, und Gratulation natürlich noch einmal, Barack …

Foto by extranoise

NaNoWriMo 2008

Schon mal etwas vin NaNoWriMo gehört? Der National Novel Writing Month ist mir auch erst seit heute ein Begriff. Und naja, eigentlich müsste man ihn ja schon InterNational nennen. Jeder auf der Welt kann mitmachen. Und das mache ich jetzt.

Ich werde mich nun also in diesem Monat (wahrscheinlich aber erst ab morgen) an die Arbeit machen. Das Ziel ist es, bis zum 30. November 50.000 Worte zu schreiben. Eine harte Aufgabe, täglich also mehr als 1600 Wörter. Ich werde mich bemühen … und mein Projekt: Ja, genau. Volle Distanz. Näher zu dir.

Nur um euch mal darauf vorzubereiten.


Neon|Wilderness²

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  • Nach diesem #nichtmeintag-Tag bin ich froh, in einer halben Stunde zuhause zu sein. 15 hours ago
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  • Wär' heut' wirklich nicht mein Tag, wäre ich wahrscheinlich in den Graz-Zug eingestiegen, eingeschlafen und erst in Graz draufgekommen. 16 hours ago

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