Erst nachdem die Welt über einem eingestürzt ist, bemerkt man, wie glücklich man zuvor war.
Während einem Gespräch mit meiner ehemaligen Psychologielehrerin kamen wir darauf zu sprechen, dass man das Glück, was einen umgibt, erst dann verspürt, wenn es vorüber ist. Und das alles hat mir zu denken gegeben. Immer noch sprechen wir beinahe täglich über unseren Timi, der in wenigen Tagen seinen zweiten Geburtstag gefeiert hätte.
Vergleicht man die Größe der Probleme von vor einem Jahr mit denen von heute, haben sie sich unzählbar vervielfacht. Ich habe mich vor einem Jahr aber nicht als glücklich empfunden. Irgendetwas war immer, irgendetwas findet man, wenn man das Glück nicht als solches wahrnimmt beziehungsweise wahrnehmen möchte.
Jetzt sind so viele Dinge passiert, der Tod eines Kindes, meines Neffen, und weitere Dinge, die mich manchmal sprachlos machen und mir unendlich viele Fragen an den Kopf werfen. Niemand verlangt von mir, das Leben nun als großartig und umwerfend (im positiven Sinne) zu sehen. Doch ein Gedanke macht mir Angst und ist vor ca. 3 Tagen in meinem Kopf gelandet.
Das vollkommene Glück werde ich nie wieder verspüren. Bis vor einem Jahr war nicht viel passiert, was mich aus dem Gleichgewicht brachte, nicht für lange Zeit. Zwar ist mein Bruder vor der Geburt gestorben und mein Onkel, als er in meinem Alter war, ich hatte Menschen verloren, die ich niemals kannte, aber zu denen ich eine sehr interessante Beziehung aufgebaut habe. Aber nichts hat mein Glück auf dieser Welt gemindert.
Aber mit dem Tod ist die Welt aus den Fugen geraten. Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Und ein solcher Punkt bereitet mir stets Unbehagen. Und durch die Trauer und die Angst und die Konfrontation mit Tod und Ende, mit Leben und Kinder, mit mir selbst und den Anderen werde ich nie mehr dieses Glück empfinden, wie vor einem Jahr. Ich werde nie wieder vollkommen glücklich sein.
Dieser Gedanke kam mir und all das machte mich traurig. Irgendwann ist der Tod Timis nur mehr ein Teil der Geschichte unserer Familie, ein Trauerpunkt, eine Sammelstelle für schöne Erinnerungen und auch für traurige. Aber das Glück, das Glück wird nie wieder so sein. So wie das Leben.
Auch wenn der Text etwas weinerlich wirkt, ich fühle mich zurzeit glücklich. Sorgenfreier als noch vor ein paar Tagen.
Eingetragen unter:Das Leben , bruder, fugen, gedanke, geschichte, glück, jahr, onkel, sammelstelle, Seelenklempnerei auf der imaginären Couch, tod, welt, zeitalter



das bild erinnert mich an eins aus dem jetzt-kosmos (=
viel glück, dass der guru helfen kann.
viele liebe grüße, paleica
Nö, das gibts nicht. Das ist eines aus dem NEON-Kosmos!
Dankeschön.
Liebe Grüße
oh, ja. dann hab ich das durcheinander gebracht. aber ich wusste es ist aus einer der communities (=
‘Das Leben gleicht laut Roth eher einer hedonistischen Tretmühle: Auf der Suche nach Glück könne man sich noch so sehr abmühen, nach jedem kurzen Rausch stelle sich doch wieder der alte, gleichmütige Seelenzustand ein.’ (aus der aktuellen Gehirn&Geist…)
Großartige Erkenntnis, zu der ich leider auch schon gekommen bin. Und du ja wahrscheinlich auch… Man macht und tut und strengt sich an um glücklich zu werden, aber so wirklich ankommen tut man nie sondern muss sich immer wieder abmühen.
100%iges Glück kriegst du also wahrscheinlich sowieso nicht. Nicht auf Dauer. Und dass es nie wieder so wird, wie es war… nicht genau so, das stimmt. Aber vielleicht anders gut. Während ich vor nem halben Jahr noch dachte, es würde alles keinen Sinn mehr machen, gibt es jetzt trotzdem Glücklich-Rumhüpf-Momente, obwohl die Fakten (der eine Fakt) sich nicht geändert haben… dafür eben anderes.
Und vor allem war es ja damals auch nicht so toll. Klar, faktenmäßig schon.. trotzdem warst du ja auch da wahrscheinlich nicht ausschließlich glücklich sondern hast dich da dann eben wegen anderen Sachen runtergezogen. (Ich habe erst bemerkt, dass ich glücklich bin, als es mir jemand gesagt hat..)
So. Mag jetzt etwas verkrampft-positiv geworden sein… wahrscheinlich, weil ich eine allzu negative Sicht da gerade auch blöd fände.
Also ich kann dazu nur sagen: Doch – man kann wieder vollkommen glücklich werden. Ich habe bereits beide Eltern verloren, den einen Teil vor bald 12 Jahren, den anderen vor kurzem.
Und auch wenn man meint, dass alles über einem zusammenbrechen würde, kommt immer ein Danach. Und hier hängt alles davon ab, was man selber daraus macht – oder eben nicht.
Ich für meinen Teil habe Jahre gebraucht, um nicht mehr in der Vergangenheit zu leben, um endlich nach vorne zu schauen. Und nicht andere oder anderes für mein Glück verantwortlich zu machen.
Man muss dabei zu einem gewissen Teil sehr egoistisch werden, aber genau das ist meiner Meinung nach noch immer das Wichtigste: Sich selber lieben zu können…
Abschiede — so auch der Tod — sind ein Bestandteil des Lebens, und das allein macht sie erträglich. Die Pluhar hat ein wunderschönes Abschiedslied geschrieben: “Weil i denk an di”. (”Die Bäume rauschen anders, weil i denk an di, das Leben seh i anders, weil i denk an di, ich tu das meine weiter anders als davor, weil i denk an di. Der Schmerz ist tiefer, weil i denk an di, die Freud ist schöner, weil i denk an di…”)
Ich umarme Dich, lieber Dominik. Du berührst mich sehr. Kuss, André
@ Nadja. Nein, nicht übertrieben positiv. Schöne Gedankengänge, dankeschön.
@ lexxa. Sich selbst zu lieben fällt mir ja ständig irgendwie schwer. Manchmal funktioniert es ganz einfach, ein anderes Mal geht es nicht. Aber ich hoffe, dass ich irgendwann vollkommen zufrieden mit mir bin, dass ich im Stande bin, mich selbst zu lieben. Auch dir dankeschön.
@ André. Ein wundervolles Liedzitat. Dankeschön.
..das kommt mit der Zeit, glaub mir. Ich hab das auch nicht immer können, aber es kommt! Und ich freu mich davon hier bei dir zu lesen, wenn es soweit sein wird