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Dieser Tag wird mein letzter hier sein.
Heute wird mich noch einmal der Zug, oder vielleicht doch das Auto zu meiner Zivildiensteinsatzstelle bringen. Für meine letzten sechs Stunden hier. Mit dem heutigen Tag habe ich also meine Pflicht als junger Österreicher getan und kann mich in den kommenden Monaten auf mein weiteres Leben stürzen. Vielleicht habe ich Angst und vielleicht ist auch etwas Freude dabei. Doch heute kommt erst einmal der Abschied. Und ich glaube, der wird heftig.
Zweihundertvierundsiebzig Tage. So hoch war der Countdown als ich ihn am 1. August 2007 startete. Ich wollte immer schon studieren, hätte am liebsten letzten Oktober damit begonnen. Aber ich hatte eine Pflicht. Die fast jeder österreichische Mann irgendwann einmal hat. Und bevor ich durch den Schlamm robbe und lerne, wie ich eine Waffe zusammenbaue, mache ich doch lieber etwas Sinnvolles. Sinnhaftigkeit … darüber könnte ich einige Wörter schreiben.
Irgendwo hier in meinem Blog findet man den Namen der Zivildiensteinsatzstelle. Hier möchte ich ihn nicht nennen. Einige werden ihn sowieso schon wissen. Aber während der dreitägigen Einschulung mit neunundzwanzig anderen Zivildienern aus ganz Oberösterreich, war ich verwundert, wie stark sich meine Aufgaben von jenen der Anderen unterschied. Ob nun Flüchtlings-, Alten- oder Behindertenbetreuung. Alle diese Zivildiener hatten Kontakt zu Menschen. Zu hilfsbedürftigen Menschen. Ich hingegen saß diese zweihundertvierundsiebzig Tage die meiste Zeit im Büro. Und während viele meiner zivildienenden Freunde davon sprechen, dass sie dieser Job beeindruckt und fürs weitere Leben beeinflusst hat, kann ich nur sagen, dass die meiste Zeit Langeweile vorherrschte. Klar, vor dem Computer werde und möchte ich auch in meinem zukünftigen Job sitzen. Aber ich möchte Aufgaben haben. Die mich fordern und einiges von mir abverlangen. Das fehlte mir.
Die größte Aufgabe, die mir in diesen neun Monaten gestellt wurde, war eine Zeitschrift über das vorangegangene Jahr. Mit vierundzwanzig Seiten. Und während anfangs noch von einem Training für meinen zukünftigen Job die Rede war, verkam das ganze zu einer Layoutaufgabe für einen Laien. Das Resultat war dann wirklich vorzeigbar, fehlerfrei und trotzdem nicht unbedingt das Maß aller Dinge. Den Rest der Zivildienstdauer war ich vor allem für Allfälliges im Büro im Einsatz. Das sogenannte Mädchen für alles. Ich habe mich wirklich oft genug über die Sinnlosigkeit und die Langeweile dieses Jobs geärgert. Resultat für diesen Job? Besucherreichste Monate und Beitragsüberschüttung mit Qualitätsverlust. Das hat sich aber alles wieder eingependelt.
Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt. Dorli, meine Chefin. Sigrid, die Sekretärin. Gerti, die Einsatzleiterin. Alex, die Azubi. Und all die anderen. Sie waren für diese zweihundertvierundsiebzig Tage Teil meines Lebens. Die meiste Zeit des Tages verbrachte ich mit ihnen. Sprach mit einigen von ihnen sogar über meine Sorgen und Gedanken. Ich denke, dass dort auch einige Freundschaften entstanden sind. Zwar werde ich nicht oft diese einstündige Fahrt von meinem Heimatsort antreten, aber irgendwie werden wir wahrscheinlich wohl noch in Verbindung bleiben.
Ich war genau hier, als mich der Anruf von meiner Mutter aus der Bahn warf. Als mein Neffe, als Timi gestorben war. Ich durfte diese ein Woche zuhause bleiben. Musste mir keinen Urlaub nehmen. Konnte für meine Familie da sein, und dafür danke ich noch einmal hier. Und als ich den Weg zurückfand, obwohl ich die Rückkehr zur Routine, zum Alltag verhasst entgegenblickte, spürte ich das Mitgefühl. Es tat gut, hier zu sein. Keine unnötigen Fragen, nur die üblichen. Nicht ständig darauf angesprochen werden und trotzdem immer ein offenes Ohr haben. Vielen Dank dafür, selbst wenn ihr das hier nicht lesen werdet.
An manchen Tagen war ich aber auch genervt von euch. Als vor dem Neujahrsempfang unserer Organisation der Stress Überhand nahm und das Büroklima mehr als schief hing. Da wollte ich einfach nur mehr heim, und wollte nicht mehr wiederkommen. Eigentlich hatte ich relativ oft diesen Gedanken des Nimmerwiederkehrens. Aber ich kam immer wieder. Außer als ich krank war oder den Zug versäumte und erst eine Stunde später ankam. Heute werde ich das letzte Mal in den Zug einsteigen und kann dann sagen: Das wars.
Vielleicht bröckelt auch eine Träne hervor. Beinahe vier Prozent (3,834 %) meines bisherigen Lebens war ich hier. Das hier hat mich nicht geprägt und hat mich nicht geformt. Viele Tage waren gefüllt mit Sinnlosigkeit, aber ihr habt mir immer (beziehungsweise meistens) ein gutes Gefühl vermittelt. Ich wurde gemocht und bleibe wahrscheinlich für einige Zeit in Erinnerung. Ihr auch in meiner. Und gegen Mittag werde ich wohl meine Sachen zusammenpacken, werde den Schreibtisch so zurücklassen, wie ich ihn übernommen hatte. Wir werden uns umarmen und vor diesem Moment habe ich Angst. Es ist eben doch ein Abschied nehmen. Nicht für immer. Aber wir werden uns definitiv nur mehr selten sehen. Auf Wiedersehen, sage ich euch auf diesem Wege.
Und irgendwann schließt sich dann die Zugtür am Bahnhof Bad Goisern zum letzten Mal. Ich werde noch blicken, auf meinen ehemaligen Arbeitsplatz und auf den Fluss, welcher neben den Schienen vorbeifließt. Und schlussendlich kann ich sagen: Das wars.
Eingetragen unter:Allgemeines , abschied, bad goisern, büro, Die Schule / Der Zivildienst, ende, langeweile, schreibtisch, wiedersehen, zivildienst



Nur ein Ende einer zumeist sinnlosen Zeit. Dennoch klingt es wehmütig. Du blickst zurück, irgendwo in dir ein wenig Trauer, zugleich freust du dich. Nun beginnt das Leben. Erneut.
Ich freue mich schon, dich wieder in Wien zu treffen.
..und bitte nicht auf nächste Woche Sonntag vergessen!!!!
Clueso!!!
Liebe Grüße..
Willkommen in der Freiheit!
@ Looka. Ja, die Wehmut war dabei, und deswegen wollte ich auch nicht so schnell abhauen und bin unzählige Kilometer herum gefahren (Se(h)en). Was jetzt beginnt, ist mindestens genauso spannend und ich freue mich auch schon, wenn wir uns in Wien wieder treffen.
@ lexxa. Nein, nein. Natürlich nicht. Habe gester meine drei Konzertickets bekommen. Hehe. Für Green, Clueso und Kettcar. Liebe Grüße
@ André.
Hey Dominik!!!
Wie gehts dir???
Alles klar bei dir???
Dass du nicht mehr da bist ist noch sehr ungewohnt und es wird wohl noch einige zeit dauern bis ich mich dran gewöhnt habe das du nicht mehr da bist.
aber das wird schon.
mich meld mich mal wieder.
lg alex
@alex18.
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Sehr schöner Text, der mich auch an meine Zivildienstzeit zurückerinnert. Ich hab ihn bei einer Rettungsorganisation geleistet und neben sinnvoller Arbeit auch zwei Freunde fürs Leben mitgenommen. Ich wusste aber lange nach dem Ende dieses Jahres nicht, wie sehr mich diese Zeit doch geprägt hat. Du erzählst hier sehr schnörkellos und mit angenehmer Sprache. Werd mir wohl auch deine anderen Einträge durchlesen (müssen), obwohl es doch unzählige zu sein scheinen.