Neon|Wilderness

Someday I’ll pay the bills with all these words

Am Krottensee.

Der Krottensee ist ein Ort der großen Erinnerungen. Viele Tage während der Beziehung, der Ort des zweiten Versuches. Und ein Ort, an dem ich immer wieder gerne zurückkehre. Wenn ich Ruhe brauche. Und eben diese Erinnerungen.

Ich habe diesen Ort erst durch sie kennengelernt. Meine erste Freundin, mein bisher einzige große Liebe. Die mir immer noch in den Gedanken herumschwirrt und mich dazu bringt, so viele Worte indirekt an sie zu richten. Sie weiß wahrscheinlich gar nicht, wie es mir geht, und vielleicht ist ihr es auch egal. Aber dieser Platz, dieser kleine See, liegt nur wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt. Wollte sie einmal raus aus dem Alltag, weg von der Familie, wollten wir einmal vollkommene Zeit für uns alleine, führte uns der Weg zu diesem See.

Der sogenannte Krottensee ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. An diesem Ort findet man so viele schöne Dinge, und für Biologen und Naturbeobachter bietet er wunderbare Einblicke. Vom Land Oberösterreich wurde er sogar zum Naturdenkmal erklärt. Zurecht, wie auch ich meine. Das Wasser ist unglaublich klar, und der Weg, den die Stadt Gmunden gemacht hat, lässt einen rund um diesen kleinen See wandern. Innerhalb des Sees befindet sich eine kleine Insel, die ich jedoch noch nie betreten habe. Viel zu sumpfig soll es dort sein und verboten ist es ebenso. Und ich mache nicht gerne Dinge, die verboten sind.

Dies war auch der Ort, an dem wir uns zum ersten Mal trafen, nachdem sie mit mir Schluss gemacht hat. Wir wollten reden und haben geredet. Haben auch geschwiegen und einmal auch einfach nur in den See geblickt. Es war ein magischer Moment, ein einzigartiger Abend. So ruhig und still und auch alles Nachkommende ist an Einzigartigkeit nicht zu übertreffen. Und deshalb verstehe ich sie auch nicht. Aber man muss eben nicht alles verstehen. Vor allem nicht in der Liebe.

Ich war noch einige Male ohne ihr dort. Als alles zerbrochen war. Und ich habe immer gehofft, dass sie einfach mal so den Weg herunterspaziert und wir uns sehen. Dass wir dann Zeit zum reden haben und Zeit zum schweigen. Dass wir uns einfach wieder sehen. Und auch als ich die Fotos machte, hoffte ich, dass sie irgendwann auftauchen würde. Trotz dem Text “Wir müssen das nicht tun”. Trotz allem. Ich wollte sie wiedersehen und habe es darauf angelegt. Doch sie kam nicht. Warum sollte sie auch. Sie hatte wohl, so weit mein Gedächtnis sich zurückerinnern konnte, jeden Montag eine Beschäftigung um diese Uhrzeit. Sie kam nicht und Die Spiegelung im Seeirgendwie war ich auch froh. Ich hatte die Zeit hier, an diesem See für mich alleine. Hatte Zeit nachzudenken. Es war ein mulmiges Gefühl, als ich wieder einmal diesen Weg hinunterging. Die Stille und das Alleinsein. Immer wieder die Plätze, wo wir saßen, und gerade sie suchte ich. Vielleicht stehe ich auf Schmerz. Ich weiß es nicht.

In einigen Texten hier tauchte der See auch auf. Und auch in meinem ersten Buchversuch. Er ist, ja, so klischeehaft es auch klingen mag, ein Teil meines Lebens. Weil es Teil meiner Erinnerung ist. Und so ist es eben in meinem Kopf. So schnell wird alles Teil des Lebens. Ich bin gespannt, wie oft ich noch zu diesem Ort kommen werde, und wie oft ich noch darauf warte. Und wie oft ich enttäuscht nach Hause gehe und trotzdem glücklich bin, ob des wunderbaren Anblicks dieses Sees. Er ist ein Naturschauspiel. Er ist ein Erlebnis. Und jeder Tourist, der in diese schöne Stadt kommt, um sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen, vergisst wahrscheinlich diesen Ort. Doch ist es gerade dieser Platz, der eine so unglaubliche Wirkung auf mich ausübt.

Und so lasse ich euch mit diesen Impressionen alleine. Das da links sind übrigens die lahja alias Sarah und ich. Zwei Brillenträger auf großer Entdeckungstour. Ich war nicht die ganze Fototour mit ihr unterwegs, erst als ich wartete, dass die Zeit vergeht, dass sie vielleicht doch noch kommt, fuhr sie mit ihrem Auto vorbei. Wendete, stieg aus, und eine Zigarette folgte der anderen. Und weil mir noch ein Foto fehlte, und weil wir zwei auch einfach so unglaublich fotogen sind (bitte fragt uns nicht nach den anderen einhundert Versuchen): das sind wir. Wir, am Krottensee. Vielen Dank übrigens dafür. Du hast mich davon abgehalten, zu warten. Dankeschön.

Das Bild rechts habe ich übrigens auch am Krottensee gemacht. Solche Farben sind normalerweise nicht üblich, aber durch Zufall habe ich damals, als ich noch mit ihr hier war, dieses Foto gemacht. Auf Burning Photographs eingeordnet unter: The Places You’ve Come To Fear The Most. Schon klar.

Link 1: Weitere Fotos vom Krottensee [user: maria1655]
Link 2: Kapitel 12 aus “The Places You Have Come To Fear The Most”, Überall Bist Du
Link 3: Look What You’ve Done. Der zweite Versuch
Link 4: Picasa-Fotoalbum “Like I’m Home

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