Neon|Wilderness

Someday I’ll pay the bills with all these words

Kindergeburtstag.

Bisher feierte ich so ungefähr 19 Mal meinen eigenen Geburtstag. Und manchmal auch den Geburtstag von jemand anderen.

An die ersten Geburtstage kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Und ich wette, das hat meine Mama maßlos ausgenützt und hat mir nicht einmal einen Kuchen gebacken. Aber so ab dem fünften Geburtstag, meinem Eintritt in das sechste Lebensjahr beginnen die Erinnerungen. Wohl wahrscheinlich auch wegen den erstmals vorhanden Fotos mit Kindergartengeburtstagskrone und all meinen nahen Verwandten. Sobald ein Foto von irgendeinem Ereignis vorhanden ist, egal wie klein und erinnerungsaufnahmeunfähig ich damals war, meine Fantasie sponn sich doch immer Bilder zusammen zu einem kleinen Filmchen und das waren dann in meinem Kopf meine ersten Lebensjahre.

In meinen Kinderjahren gab es immer eine Feier mit all meinen Verwandten, meinen Großeltern, meiner Großtante und meinem Großonkel, Tante, Onkel, Cousine, Cousin, und natürlich meine Familie an sich. Die Bilder wirken heute noch viel mehr retro, als sie es damals waren. Übrigens kann ich mich an kein einziges Geburtstagsgeschenk erinnern, welches ich zwischen meinem ersten und meinem achtzehnten Lebensjahr erinnern. Alles nur materieller Krimskrams, nichts wirklich von Bedeutung. Seit letztem Jahr verliert der Geburtstag und auch Weihnachten und alle anderen Geschenkelieferantenfeiertage an Bedeutung. Zumindest sehne ich mich nicht nach den Tagen, um überdimensionale Geschenke zu erwarten. Ich erlebe nun ein viel schöneres Gefühl. So mit Familie und Freunde.

In meinen jungen Jahren habe ich ein Mal meinen Geburtstag mit Freunden gefeiert. Da war ich, sofern ich mich erinnern kann, noch im Kindergarten. All die Leute, die ich damals als Freunde bezeichnete, siehe ich heute nicht mehr. Vielleicht mal zufällig, oder einen Typen wohl jedes Wochenende irgendwo betrunken. Aber schon in der Grundschule bewegten wir uns voneinander weg. Die einen kamen in die B-Klasse (die Besten), und die anderen in die A (die Armseligen, um es abgeschwächt auszudrücken). Eigentlich bin ich heutzutage entsetzt, welchen Wortschatz die 6-jährigen Kinder von damals hatten. Und weil uns eben ein Klassenbuchstabe trennte, war an eine Freundschaft nicht mehr zu denken. Hach, wie labil doch Kindergarten- und Grundschulfreundschaften sind.

Ein Geschenk, welches ich bei meinem ersten Geburtstag mit Freunden bekam, habe ich immer noch. Ein Kinderbuch. Ja, ich las schon im Kindergarten Enzyklopädien und deswegen freute ich mich über die Geschichte mit dem Maulwurf oder der Maus. Es hat zumindest einen orangenen Einband, das weiß ich.  Auf anderen Geburtstagsfeiern war ich, soweit ich mich erinnern kann, vielleicht drei oder vier Mal. Zwei Mal bei diesem heutzutage wochenends betrunkenen Typen, und, ich denke zwei Mal bei meiner großen Kindergarten- und Grundschulfreundin. Meine nächsten Geburtstage zogen ins Land und ich wurde 8. Ich wurde 10 und kam in eine neue Schule und irgendwann war ich dann auch zwölf. Da wurde ich das nächste Mal auf eine Geburtstagsfeier eingeladen. Von einem Schulfreund. Es war … bemerkenswert zwölf-Jahre-mäßig. Nachmittags, Feier mit der Mutter, lecker Kuchen. Meine nächste Geburtstagsparty war bei einem Typen, den ich noch bis in die hohe Oberstufe manchmal noch sah. Diese Abenteuerparty hatte es irgendwie in sich. Und schon damals, im zarten Alter, von ich schätze, dreizehn Jahren: Getränke gekühlt im Pool.

Das nächste Mal, soweit ich mich erinnern kann, befand ich mich mit sechzehn Jahren auf einer Geburtstagsparty. Der Geburtstag meiner besten Freundin. Das Kennenlernen viele neue wunderbarer Gesichter. Und von diesem Zeitpunkt an fanden immer wieder und in regelmäßigen Abständen (das haben wohl Geburtstage so an sich) Parties zur Feier eines weiteren Jahres statt. Auch ich begann wieder zu zelebrieren. Mein siebzehnter Geburtstag ging in die Geschichte meines Freundeskreises unter dem Titel “Little Woodstook” ein. Drei Tage lang, von Freitag Abend bis Sonntag Mittag waren meine Freunde bei mir. Insgesamt (über zwei Abende verteilt) fanden sich 50-60 Menschen ein. Entweder wir saßen in der Wiese und hörten Musik, rauchten, oder wir grillten. Und das drei Tage lang. Das war mein schönster Geburtstag bis jetzt.

Die folgenden Feiern waren von viel geringerem Ausmaß, erst heuer, zum zwanzigjährigen Jubiläum eines Weltchaoten, soll der Geist von Little Woodstock wieder aufwachen. Die Pläne sind noch ungeplant, noch nicht einmal der Termin steht fest. Möglicherweise wird es nicht einmal im Geburtstagsmonat statt finden. Denn wenn schon Party, dann sturmfrei. Und so ziehe ich immer weiter Richtung Geburtstag. Es war gerade mal wieder schön, zurückzublicken auf meine früheren Geburtstage und das Ding mit dem Party feiern. Was ich mir übrigens dieses Jahr von meinen Eltern zum Geburtstag wünsche? Ein paar gestrickte, warme Socken. Das Materielle kaufe ich mir ja seit langem meist selbst.

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