Neon|Wilderness

Someday I’ll pay the bills with all these words

Sinneswandlung.

In sieben Monaten werde ich darüber lachen. Jetzt ist mir irgendwie gerade gar nicht danach zumute.

Ich war es doch immer, der ganz genau wusste, was er machen möchte. Möchte Journalist werden, objektiv berichten. Möchte Bücher schreiben, Emotionen wecken. Möchte dafür in Wien studieren. Und all das sollte so schnell wie möglich beginnen. Ich hätte am liebsten den Zivildienst übersprungen, nur um bald genug mit dem Studium beginnen zu können. Jetzt stehe ich beinahe schon am Ende des 9 Monate andauernden Dienstes und kurz vor dem Beginn der Übergangsphase. Und was ist jetzt los mit mir? Wo ist die Vorfreude hin und das Träumen?

Ich habe Schiss. Angst vor allem, was jetzt kommen wird. Jetzt, wo gerade die Anmeldungen für Studentenheime abgeschickt werden müssen. Und ich noch nicht mal eine Ahnung habe, was ich zum Publizistikstudium hinzunehmen möchte. Ich würde ja am liebten einfach nur mal ein Jahr in Wien nichts tun. Würde mich von dem Gefühl beträufeln lassen, ich, einer unter mehr als einer Million Menschen. Raus aus der Provinz, rein in die Großstadt. Ich möchte zu Film-Castings gehen. Möchte an meinem Buch arbeiten können. Möchte freiberuflich bei Zeitungen und Zeitschriften anfangen. Will erst gar nicht studieren. Wovor ich Angst habe? Ich weiß es nicht. Vor der Ungewissheit und dem Neuen, wahrscheinlich.

Ich soll doch immer machen, wonach mir zumute ist. Solange ich keinen Scheiß mache und mir die Zukunft nicht verbaue. So oder so ähnlich haben es mir meine Eltern gelernt. Meine geliebten Eltern, die mir genug Freiheiten und genug Pflichten auferlegten, um einen Menschen wie mich entstehen zu lassen. Ich habe jetzt schon Heimweh, während mich das immer noch vorhandene, große Fernweh weg zieht. Mir würden einige Monate im Ausland gut tun. Neue Menschen kennen lernen usw. Jetzt habe ich Angst. Angst vor der Reizüberflutung in der großen Stadt. Angst vor dem Abschiednehmen. Und der Geiwissheit, dass wieder alles anders sein wird. Vielleicht, höchstwahrscheinlich sogar, gefällt es mir dort. Doch es hatte vor zwei Jahren noch anders ausgesehen. Als zwei besondere Freunde und ich von einer WG in Wien sprachen. Wir drei, die Chaoten vom Dienst. Ich, der einzige mit einem Plan, was er denn studieren möchte. Ihr habt euch jetzt entschieden, und die Pläne ziehen euch nicht nach Wien. Und auch die Liebe hält euch davon ab, zweieinhalb Stunden in die falsche Richtung zu ziehen.

Mir fehlt die Schule, ich habe Angst vor dem Studium. Es wird mir höchstwahrscheinlich gefallen. Und ich werde auch schnell neue Bekanntschaften und Freunde finden. Werde den splitted Freundeskreis haben. Einen in Wien während der Woche und meinen alten, großartigen Freundeskreis zuhause in der Provinz. Ich werde studieren, und mir möglicherweise mit Arbeiten bei Zeitungen und wenn es denn passieren sollte, mit dem Veröffentlichen meines ersten Buches das Studium finanzieren. Werde Neues kennenlernen und mich vielleicht auch verlieben. Vielleicht kommt es auch dazu. Und dann würde mich dieses Gefühl, wohl weiter tragen, als mich meine Gedanken zurzeit tragen wollen.

Klar, es wird vieles anders werden. Und klar, ich darf auch Angst haben. Aber ich denke, ich werde es nicht bereuen. Seit fünf Jahren träume ich davon. Jetzt kommen eben auch die Zweifel, so kurz davor. Und sollte es denn nun wirklich nichts sein für mich, habe ich immer noch die Möglichkeit, die Handbremse zu ziehen. Um dann auf die Suche nach dem richtigen Weg zu gehen.

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19 Responses

  1. lahja sagt:

    man hat immer angst vor neuen, bedeutenden schritten im leben, aber das macht nix. es ist dein wunschtraum, allein wie du darüber immer philosophiertest… wahnsinn. man spürt einfach, dass du ein mensch bist, der seine träume tatsächlich verwirklichen kann.
    gib ned auf, wegen einer kleinen unsicherheit, die sich anfühlt wie ein magengeschwür.
    gib nur dann auf, wenn du in deinem tun keine sinnhaftigkeit mehr siehst.

  2. lucy sagt:

    ja, es ist genau wie lahja sagt. Man hat immer Angst vor dem neuen, dem noch Unbekannten, dss eben verheißungsvoll lockt und zugeleich ein bißchen ängstig, WEIL es eben neu ist und man noch nicht weiß, was einen alles erwartet, ob es richtig und gut ist, ob man klar kommt. Es ist eine Zäsur. Ein Lebensabschnitt ist vorbei, ein neuer beginnt. Ein Anfang bedeutet auch immer oder oft Abschied von etwas altem.
    Ich schließe mich dem von mir verehrten Herrn K. (Franz K.) an: “Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.”
    Deine Eltern scheinen mit gute und verünftige “Ratgeber” zu sein. Tu was tue willst, aber sei nicht wahllos, prüfe und wäge ab und Du wirst es schon richtig machen. Manche Dinge muss man eben einfach tun. Dann sieht man schon.. – nur Mut! lieben Gruß
    P.S.: ein Auslandsemester lässt sich auch wunderbar in’s Studium integrieren

  3. lucy sagt:

    sorry wegen der ganzen Rechtschreibfehler.. bin heute etwas verpennt..

  4. sagt:

    das mit dem “zum Publizistikstudium hinzunehmen” würd ich mal nicht zu eng sehen. laut persönlichem Erfahrungsbericht von, ähm, mir braucht man ohnehin das erste Semester, um sich auf der Uni und drumherum mal halbwegs zurechtzufinden und ein Studium auf einmal zu starten ist durchaus verwirrend genug ;)

  5. just4ikarus sagt:

    @ lahja. Aufgeben, ich? Das habe ich doch noch nie gemacht. Ähm. Naja. Aber zumindest nicht hier und jetzt. Nicht bei einem Traum. Ich frage mich eben nur, ob Journalismus gerade das ist, was ich machen will. Ich will Bücher schreiben und in Filmen spielen. Und nicht für eine Zeitung schreiben oder sowas.

    @ lucy. Dir sei verziehen. :D Ja, gerade vor dem habe ich Angst. Vor dem Neuen. Wieil es eben neu ist. Augen zu und durch wäre da eine gute Devise. Und das mit dem Auslandssemester. Ich bin eher auf der Suche nach einem freien Jahr. Ohne irgendwelche Verpflichtungen. Am liebsten ein Jahr vollkommen weg, Kontakt nur mit den wichtigsten Menschen, und dann von 0 oder 1 wieder anfangen. Ganz langsam und gemächlich.

    @ Jü. Ich denke nun auch, (unter anderem wegen dir), dass ich mich nicht übernehmen sollte, und anfangs nur Publizistik nehme. Dann sehe ich weiter. Und wenn ich nebenbei auch noch Schauspielunterricht nehme, würde das auch schon reichen. Bleibt nur die Frage, ob ich verpflichtend etwas dazunehmen muss.

  6. lucy sagt:

    Du könntest ein freiwilliges soziales Jahr machen oder ein Jahr in’s Ausland gehen und arbeiten und/oder reisen.
    Aber vor was willst Du auf und davon? Warum bei 0 anfangen? Wir fangen, meine ich, nie bei 0 an.
    Ich glaube mit allem Neuen, das wir auch wollen, das uns reizt und zugeleich ängstigt, ist es vielleicht ein bißchen wie damals vor dem ersten Kindergarten- oder Schultag. Wir haben Angst davor – aber wir wollen es unbedingt. Wir wollen in den Kindergarten. Und dann tun wir es – obwohl wir Angst hatten. Und dann sind wir ein bißchen stolz..

    Du packst das – ganz bestimmt. Alle Details werden sich fügen im Laufe des Studiums (ob Du etwas zu Publizistik nehmen musst, wovon ichh fast ausgehe und sinnvoll wäre es auch, erfährst Du über die Studienordnung bzw. Beratung vom AstA oder ähnlichem an der Uni; keine Sorge, glaube mir, solche Fragen haben sich schnell geklärt – es erscheint einem nur wie so ein Wust von Dingen und man muss sich erstmal einleben und zurechtfinden)

  7. just4ikarus sagt:

    Wovor ich fluechten will? Vor allem. Einfach nur mal eine Auszeit nehmen. Zeit fuer die fuer mich wichtigsten Dinge zu haben. Aber es wird dann doch nichts. Vielleicht ist es auch besser so.

    Und vielen Dank fuer die Infos. Ich muss mich sowieso noch mal richtig informieren. Hm. Vielen Dank.

    (Dieser Eintrag ist ohne Umlaute, weil irgendwie gerade wieder die englische Tastatur durchschlaegt)

  8. sagt:

    Ohne das sicher zu wissen, würde ich vermuten, dass für Publizistik wie für alle anderen irgendwie weitschichtig Geistes- und Kulturwissenschaftlchen Dingens gilt: Kein verpflichtendes Zweitfach mehr, dafür ein gewisses Kontingent “Freie Wahlfächer” (= Zweitfach über die Hintertür, muss man aber nicht zwingend inskribiert haben und auch nicht zwingend im ersten Semester damit anfangen). Im Diplomstudium sind das derzeit 48 SSt. Wahlfächer bei Studien, die gesamt etwa 110 – 120 SSt. (inkl. Wahlfächer) haben. Wie’s bei den Bachelor-Studien aussehen wird, weiß ich aber definitiv nicht [du hast Recht. Man kann wirklich herrlich über Nichtwissen schwadronieren] – und wann da die Studienpläne rüberwachsen, ist sowieso nochmal eine spannende Sache (vielleicht sind die auf der Publizistik aber auch schon schneller).

  9. lahja sagt:

    dann zieh plan b vor, klink dich für ein jahr aus, noch hast du alle möglichkeiten dies zu tun und danach… danach trau dich einfach an das wagnis heran. die besten schriftsteller waren eigentlich gar keine schriftsteller, sondern alles andere.

  10. mekmek sagt:

    englische tastatur? … unten rechts bei der Uhr stehen 2 Buchstaben EN wenns englisch eingestellt ist –> einfach draufklicksen zu DE gehen und fertig

    wollte keine so urwichtigen beitrag über deine Zukunft hinterlassen, weil ich glaube, dass du ohnehin die richtigen Entscheidungen treffen wirst und wenn es nicht die richtigen sind musst du einfach dazu stehen und dein dingens durchziehen

  11. just4ikarus sagt:

    vielen dank, mekmek. die zwei buchstaben kenn ich ja, aber die waren gestern nicht da. und auch in der systemsteuerung war nichts zu finden.

    hat sich aber schon wieder erledigt. aber trotzdem danke. und ja, entscheidungen werde ich ja treffen. nur ein bisschen unterstützung oder beratung hilft irgendwie. aber man denkt natürlich auch wieder mehr darüber nach.

  12. lahja sagt:

    mach einen kopfstand!

  13. Die Schultüte sieht aus wie ein Joint.

  14. just4ikarus sagt:

    Wie ein sehr wohlgeformter und gut gefüllter Joint.

    Aber sag sowas nicht. Du weißt ja, wie das für Stefan Raab endete. :D

  15. Öh… um ganz ehrlich zu sein, weiss ich es nicht. Ich habe Stefan Raabs Karriere und Äusserungen von Anfang an ausdrücklich NICHT verfolgt…

  16. Gut, dass Du mir das sagst…! *schauder*

  17. htwo sagt:

    Also ich habe im ersten Semester gerade mal 14 Semesterwochenstunden gemacht. Insgesamt hat Publizistik 90, also durchschnittlich 15 pro Semester, wenn man es in Mindestzeit macht. Dieses mach ich wohl 20. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Du kannst mir auch direkt ein paar Fragen schicken, die ich dann behandeln kann. Möglicherweise wird aus dem ganzen ein größeres Projekt. Muss nur noch schauen wie es weitergeht. Aber im Kopf wächst es stetig. Da kannst du dann auch mitmachen. Du musst direkt. Ich schreibe dir dann, wenn es konkret wird.

  18. just4ikarus sagt:

    Wenn mir noch Fragen einfallen, werde ich das gerne tun.

    Dieses größere Projekt, von dem hast du ja schon mal geschrieben, glaube ich. Ich wäre gerne dabei. Also bald. ;-)

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