Archiv für Januar 2008

Stille.

Freundschaft

Ein Telefonat.

„Hallo Dominik. Störe ich grad? Was machst denn so?“

Ja, gerade habe ich eine Mandarine gegessen und sonst sitze ich gerade vorm Computer. Und du?

„Ich bin vorhin zu meiner Freundin gefahren. -“

Ach, ist sie auch wieder im Lande?

„-ja. Und ich hab noch einen Umweg über das Krankenhaus gemacht.“

Und wieso?

„Ja, ich hatte einen Unfall.“

- Stille -

„Ein Auto ist mir reingefahren. Du weißt schon, bei der einen Kreuzung.“

- Stille -

„Und der Rettungswagen hat mich dann ins Krankenhaus gebracht.“

- Beinahe Stille – Ähm.

„Aber mir ist eigentlich nichts passiert. Nur die Hand, und die Schulter und am Fuß.“

Und jetzt? Bist du jetzt bei deiner Freundin?

„Mhm.“

Soll … ähm, darf ich vorbeikommen. Auf eine Zigarette oder so?

„Klar. Aber du brauchst jetzt nicht extra mit dem Auto herfahren. Es geht mir gut.“

Schon klar. Aber ich würde dich nur gern sehen. Wenn’s euch passt.

„Natürlich.“

Das war jetzt ein kleiner großer Schock. Verdammt. Puh. Bis später dann.

Gedanken, Gefühle, Gedanken und nochmal Gedanken. Über einen Schutzengel nachdenken und über alles andere. Irgendwie ein komisches Gefühl. Leicht geschockt. Nein. Nicht meine Freunde. Nein, nein.

Meine Süchte.

EinThema, das mich seit Montag tagtäglich beschäftigt hat. Was soll dieses Bild enthalten. Um etwas zu erklären. Das Bild links oben zeigt meine beste Freundin und mich am Strand. Meine Sucht, die Freundschaft.Rechts unten die Kopfhörer, die immer dabei sind. Meine Sucht, dieMusik. Rechts oben der Block, vollgeschrieben mit meinem bevorzugten Parker-Kugelschreiber. Meine Sucht, das Schreiben. Links unten ein Buch. Meine Sucht, das Lesen. In der Mitte die Zigarette, Löcher hineinbrennend. Meine Sucht, das Rauchen. Und im Zentrum von allem, das Herz, etwas lädiert und doch allgegenwärtig. Meine Sucht, die Liebe.

Süchte, das Leben
Beeinflussend, Manchmal
Schmerzhaft, manchmal
Lebensnotwendig.
Süchte, die eines sind.
Teile von mir.

Gedanken.

Liebe. Before Sunset.

Du und ich.  

Erinnerungen sind sowas schönes, wenn sie nicht die Vergangenheit wach rufen würden.

Celine in Before Sunset

Nachdem mich der Film Before Sunrise schon zu meinem letzten Text über die Liebe inspiriert hat, werde ich mich nun mithilfe von Zitaten und den Erinnerungen an die großartige Fortsetzung weiterhangeln. Meine Erinnerungen an die Menschen, die mein Leben so lange begleitet haben, die irgendwann einmal Teil meiner Person waren, die vielleicht auch nur einen kleinen Prozentteil meines Lebens an meiner Seite waren, sie sind allesamt wunderschön. Die hässlichen, ungustiösen, verdammten, schrecklichen Erinnerungen, ich habe stets versucht, sie zu verdrängen. Du und ich, wir beide, wir haben eine Vergangenheit, haben Tage, Monate, die wir gemeinsam verbracht haben. Können es unsere Vergangenheit nennen. Nicht immer ist alles gut gelaufen, nicht immer trennten sich unsere Wege mit einem Lächeln. Wir haben so verdammte Tage miteinander verbracht, an denen jedes weitere Wort pure Verschwendung gewesen wäre, und doch haben wir immer wieder zu uns zurückgefunden. Haben gemerkt, was wir am Anderen lieben, und akzeptiert, was uns am Gegenüber stört. Wir wurden uns unserer eigenen Veränderung bewusst, und haben eingesehen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Unsere Liebe, unsere Freundschaft, dieses Wir.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an einzigartige Momente. Als wir vollkommen betrunken, im zarten Jugendalter, in der Mitte der Pubertät auf Dächern saßen und auf die minimalistische Skyline hinuntersahen. Als wir uns mitten auf die Straße legten, um den Sternen näher zu sein. Als wir in der Schule saßen und unsere Hände sich gegenseitig hielten. Als alles anders wurde, und das Liebgewonnene irgendwie verschwand. Als ich realisierte, dass dieser Mann neben dir, damals noch ein Junge, einen ebenso wichtigen, einen ebenso großen Platz einnehmen würde. Dass von nun an wohl eher er mit dir assoziiert werden würde, als ich. Ich erinnere mich an die eifersüchtigen Blicke von mir, an den Schmerz. Und an die Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass etwas vorbei ist. Und immer wieder muss man akzeptieren. Dass man nicht mehr nebeneinander einschlafen kann. Dass sich etwas ändern wird, und es doch alles nur an uns lag. Dass irgendjemand Schuld hatte an dem Ganzen und dem Verlauf, dem Ende und dem Neubeginn. Als wir, du weinend uns gegenseitig Dinge an den Kopf warfen, mitten in der Schule. Als Wochen ohne gesprochene Worte zwischen uns lagen. Das ist sie, unsere Vergangenheit. Mit dir und dir und dir. Es gibt so schöne Erinnerungen. Und ebenso schreckliche. Alle einzigartig in ihrer Begebenheit. Und doch kommt beim Erinnern irgendwie alles wieder hoch. Alles was schief lief und alles was gut.

Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details.

Celine in Before Sunset

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird immer und immer wieder gelehrt. Und doch scheint diese Gesellschaft alles daran zu setzen, einen Einheitsbrei zu erzeugen. Keiner von uns, die wir in meiner Vergangenheit vorkommen, hat das Zeug für einen Konformisten. In manchen Dingen kamen wir dem Teufelskreis nicht aus, doch wie Celine so schön sagt, diese kleinen wunderbaren Details machen uns so einzigartig. Kein Gespräch gleicht dem anderen. Kein Lächeln. Wir sind alle unterschiedlich. Ich habe schon oft Liebe verspürt. Zweifelnde Liebe, handfeste Liebe, beschissene Liebe, ängstliche Liebe. Und platonische Liebe. Irgendwann bemerkt man, dass irgendeine Liebe wünschenswert ist, und der letzte gemeinsame Nenner ist möglicherweise noch die platonische Liebe. Käme es da manchmal nicht zu einem Bruch. Dies ist mir glücklicherweise noch nie passiert. Von Verliebtheiten möchte ich nicht sprechen. Sondern von Liebe, ob ausgesprochen oder nicht. Sie ist einfach existent. Verändert ihre Grundform nie, nur ihre Auslebung. Keinen Menschen, den ich jemals geliebt habe, habe ich aus dem Leben verschwinden sehen. Sie sind alle noch irgendwie da. Auch wenn der Kontakt manchmal bröckelt. Irgendwann trifft man wieder aufeinander und alles scheint so wie früher.

Warum ich diese Zeilen schreibe. Um selbst zu sehen, dass ich im Stande bin, zu lieben. Dass alles irgendwie dann doch normal ist. Dass Liebe etwas so Wunderbares, so Großartiges ist. Und dass es nicht komisch sein muss, dass bei Gesprächen, beim Auflebenlassen von Erinnerung plötzlich auch die Gefühle der Vergangenheit wieder da sind. Sie sind nun mal eng verbunden mit den Erinnerungen, sind Teil des Ganzen. Man darf diese Gefühle zwar zulassen, doch dabei muss man schlussendlich die Gegenwart akzeptieren. Die Vergangenheit ist, wie der Name schon so schön sagt, vergangen. Veränderungen fanden statt, wir haben uns verändert. Vielleicht habt ihr es schon vor langer Zeit akzeptiert. Ich brauchte zumindest für den letzten Fall für die letzte Liebe eben etwas länger. Tut mir Leid, Spätzünder eben. Aber vielleicht habe ich es noch geschafft, bevor die Sonne unterging. Vielleicht. Hoffentlich.

Hurt.

Es tut weh. Nicht einfach so. Es tut irgendwie anders weh.

Gefangen in der Unendlichkeit des begrenzten menschlichen Seins. Langsam setze ich den Gedankenlauf fort, finde mich an Orten wieder, die ich zu begehen mir nie zutrauen würde. Sanft entflieht der kalte Atem aus meinen Lungen, kämpft sich durch die Nase hinaus. „Was ist nur los. Mit mir.“

Die Sonne scheint, schmilzt schön langsam den kargen Rest von Schnee weg und lässt ihn versickern. In den Kanal hinein zieht es die Flüssigkeit, die sich, mit Schotter und Dreck vermengt, einige Wochen gehalten hat. Das durchsichtige Nichtstun, die Belanglosigkeit, einfach nichts tun und der Routine folgen. Warum hasse ich diese Routine so dermaßen. Finde mich nicht zurecht in einem geregelten Umfeld, nachdem ich mich schon so lange sehne. Warum möchte ich einfach mal an meinem Kassettendeck auf die Pause-Taste drücken um alles anzuhalten. Mich niederlegen aus die Straße, zwischen all den aufgehaltenen Autos. Mir die Seele aus dem Leib schreien, ohne überraschte und wertende Blicke von den erstarrten Menschen in meiner Umgebung erwarten zu müssen.

Doch leider gibt es keine Universalfernbedienung für das Leben, keine Pausetaste zum Anhalten. Alles setzt sich fort, nimmt seinen Lauf. Ohne nach Interesse oder Erlaubnis zu fragen. Es passiert einfach und passiert. Passiert immer und immer wieder. Was hat sich verändert. Nichts, rein gar nichts. Immer noch bin ich der kleine Junge, immer noch der junge Mann. Mehr nicht. Und doch rotiert alles. Die Welt dreht sich um die eigene Achse, aus Tag wird Nacht wird Tag. Und die Schambereichsgesellschaft, in der wir leben, saugt alles auf. Wie gefräßige Schwämme, die nur dann richtig leben können, wenn sie jeden Scheiß in sich haben. Immer nur nicken und in ihrer Prüdheit verstumpfen und versumpfen. Verdammte Rotation. Verdammte Fortsetzungscharakter des Lebens. Teil eins. Teil zwei. Teil zwanzig. Fast ohne Übergangsschwierigkeit, der sofortige Anschluss, kein Ende in Sicht. Schlechte Slapstick-Melodramatik. Mehr nicht. Und keine Möglichkeit um- oder auszuschalten.

Der Schmerz ist immer noch da. Macht keine Anzeichen, sich bald wegzubewegen. Er bleibt und wird a part of me. Ein Teilchen des Ganzen. Er fühlt sich komisch an, nicht gut. Okay, zugegeben, kaum ein Schmerz fühlt sich ernsthaft gut an. Aber es ist so anders. So unterschiedlich. Man kann ihn nicht mit einem Pflaster eindämmen, mit einer Tablette abtöten. Er ist da. Geht irgendwann wieder. Und kommt auch unangekündigt zurück. Und es tut weh. So verdammt beschissen weh.

Was ist es? Der Zweifel an mir Selbst. Die schnelle Weiterentwicklung meines Ichs. Meine Art, wie ich bin, wer ich sein möchte. Ich weiß es nicht.

Don’t Be Cruel.


Das Messer liegt doch einfach nur so rum. Du brauchst es nicht nehmen und es mir mit voller Wucht in das Herz rammen, sodass einige Rippen lädiert werden und mein Lebensmuskel irgendwann zu schlagen aufhört. Das hast du nicht nötig.

Es reicht schon, wenn du mir mit deinen Worten einen solchen Schmerz zufügst, dass er mich einknicken lässt. Dass meine Beine die Kraft verlieren, einen Menschen wie mich zu tragen. Worte, die sich ins Gehirn einfressen und es sich dort gemütlich machen. Worte, die in ihrer Gewaltigkeit nicht mehr zurückzunehmen sind. Worte, die einfach nur weh tun. Es reicht schon wenn du es dabei belassen würdest.

Du brauchst nicht auch noch auf mich einschlagen, mit der geballten Faust in mein Gesicht. Brauchst nicht auch noch deine Körperkraft beanspruchen, um meine eigene zu schwächen. Brauchst nicht Hämatome an mir verursachen, die mein Gesicht und meinen Körper wie bunte Farbenkleckse erscheinen lassen. Du musst nicht unbedingt deine Fingernägel in meinen Körper rammen, Haut- und Fleischfetzen herauskratzen, sodass Blut an diesen Stellen hervortritt.

Nicht einmal das Verfolgen in Traum und Realität wäre nicht unbedingt nötig. Dass du mir Angst machst, wenn ich dich sehe und ich nach Unterschlupf suche, weil ich dir nicht auf meinen täglichen Wegen begegnen möchte. Überall bist du und ich bin nichts. Das gibst du mir jedes Mal zu spüren. Ich möchte dich nicht spüren, möchte dich nicht sehen. Aber es reicht nicht.

Nimm doch einfach dieses Messer. Das geht schnell. Und ist vielleicht kurz mal schmerzvoll. Irgendwann verlässt aber auch dieser Schmerz meinen Körper, und flieht wie die gesamte Lebenskraft. Um nicht in einem solchen Körper gefangen zu sein. Nimm das Messer. Du kannst nichts dafür. Kannst nichts dafür. Nichts dafür, dass du einfach. Bist.

//Bitte beachte: Rein fiktional. An keinen Menschen gerichtet. Nur Gedanken. Dankeschön.

I’m Sorry.

Irgendwann kommt man an den Punkt an, an dem man nur mehr zwei Worte zwischen den blutunterlaufenen Lippen hervorpressen kann.

„Irgendetwas hier läuft so richtig falsch auf dieser Welt.“ – „Pscht.“ Ich versuche mit einsilbrigen Worten meine innere Stimme zu unterbinden. Doch es nützt nicht wirklich. „Du musst doch einsehen, was hier gerade so abläuft, das ist doch hinrissig, vollkommen bescheuert und abnormal.“ Ich schließe die Augen, hoffe auf Ruhe in meinem Kopf und atme langsam und unaufhaltsam ein. Und aus. „Menschen töten. Töten jemand anderen, töten sich, töten Gefühle, töten Gedanken.“ – „Ach, halt doch einfach nur deine Klappe“, schreie ich sie an.

Was ist das nur für ein Gefühl Wenn man noch Wochen der Hoffnung und des Glaubens an die Sache plötzlich begreift, dass alles nur vollkommen kindisch und unangebracht war. Dass ich mit dem heutigen Wissensstand alles anders machen würde. Dassman dadurch noch mehr zerstört hat, als was man eigentlich beabsichtigt hat. Wenn man soweit ist, die Realität zu akzeptieren und Gefühle wie von alleine verschwinden. Als der Zug einer Zigarette nicht nach sieben Sekunden das Glücksgefühl in den Kopf sendet, sondern: „Es ist Schluss.“ Und die Wucht dieser Erfahrung, dieser Information, die schon vor fast neun Monaten an meine Ohren geknallt wurde, sich plötzlich ins Gehirn und ins Herz eingefressen hat. Wenn man leicht überrascht die Augen schließt, nickt, an der Zigarette anzieht und wiederholt. „Es ist Schluss.“

Dann ist man endlich an diesem Punkt angekommen, an dem einen alles Leid tut, was man falsch gemacht hat. Wie gefühlskalt man einige Dinge geschehen hat lassen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Und man presst die Lippen zusammen, Gedanken schießen in einen Kopf und obwohl man komplett alleine in diesem Raum ist, bleibt nur eines übrig. Ein leises „Entschuldigung.“ Entschuldigung für all das, was schief gelaufen ist, was ich erzwingen wollte, obwohl es sinnlos war. Für all das, was ich zerstört habe, und für alles, was ich schon zum Einsturz gebracht habe, bevor es erbaut wurde. Entschuldigung für meine Penetranz und für meinen kindlichen Leichtsinn. Entschuldigung für meine Inkompatiblität in Dingen Liebe und so. Entschludigung für manche Momente, die unser beiden Leben zu einem Horror hat werden lassen. Entschludigung für meinen Wahn und meine Traumvorstellung von Leben und allem. Einfach nur. Entschuldigung.

Ich kann nicht erwarten, dass man sie annimmt. Zu viel ist passiert. Zu viel wurde schon zerstört, kaputt gemacht durch meine Idiotie. Vielleicht kommt mal wieder was. Vielleicht. Aber ich kann einfach nicht mehr sagen, als ein einfaches und ehrlich gemeintes Sorry.

Thrown Away.

Warum werfe ich mich nicht einfach weg. Denn wo ist er, der Sinn?

Es wäre so einfach. So entscheidend. Einfach nur die vollkommene Selbstaufgabe, die Lösung für alles. Um nicht mehr dieses Pack aus Idiotie mit mir herumzutragen. Um zu flüchten, vor den Gedanken und den Gefühlen, den Ängsten und den Hoffnungen. Um nichts mehr zu spüren. Um nichts mehr zu sehen. Um nicht mehr zu sein. Alles wäre belanglos und ich wäre nicht.

Weinen würden sie, an meinem Grab, würden Kerzen aufstellen und Gestecke einkaufen. Würden über mich nachdenken, ständig Bilder von mir ansehen, würden an mich denken und von einem wunderbaren Menschen sprechen. Würden zum Alltag zurückkehren und immer mal wieder an mich denken. Aber es würde auch ohne mich gehen. Ich wäre dann Geschichte, und das Leben wär die Gegenwart. Oder das nahe Futur. Mehr nicht. Mein Leben wäre nichtssagend, irgendwann einmal am Ende angekommen.

Zurücklassen würde Texte über Liebe und Hoffnung, und Wut, und Leben, und Angst. Geschichten über mich und euch und über Träume und Gedanken. Tagebücher voll Verliebtheiten und Abstand. Worte, aneinandergereiht in oft unverständlicher Folge. Manchmal minutiöse Erklärung des Lebens. Schon längst gegangen wären die Träume, die mich bis zu diesem Zeitpunkt am Leben hielten. Sie waren Teil von mir, vielleicht mal aufgeschrieben, aber nur in meinem Kopf vollkommen ausformuliert. Sie würden untergehen. Mit mir.

Werfe mich weg. Wie ein Stück Müll, eine Bananenscheibe, einen Zigarettenstummel. Weil man nichts mehr anzufangen weiß mit sich. Als hätte alles keinen Sinn. Man sieht ihn nicht in der Arbeit, der Routine, in allem was man tut, und tut es trotzdem, weil es zu den Pflichten gehört, und sowieso irgendwann vorbei sind wird. Irgendwann wird definitiv alles vorbei sein. Irgendwann. Ich muss jetzt nur aufpassen, mich nicht schon vorher wegzuwerfen.

//Verdammter Arbeitstag.

Mitten Unterm Jahr.

Die vier Zeiten des Jahres. Gestaffelt in wenigen Tagen.

Das Laub fliegt bis vor die Tür. Der Wind lässt Türen zittern. Von Sturm berichten sie, umgestürzte Bäume, abgehobene Dächer. Regen, sodass meine Jacke durchnässt ist, und mehr und mehr auf die Haare und meinen Körper übergeht. Durch den Wind erzeugte Kälte. Beinahe kommt mir das alles wie Herbst vor. Das Laub, der Wind, der Regen. Als wäre der Sommer erst vor kurzem gegangen, und der Winter auch noch fern.

Doch dort hinten sehe ich noch kleine Hügelchen. Angesammelter Schnee, fest zusammengedrückt. Manchmal kommen auch einige Schneeflocken vom Himmel, fallen auf den Boden und schmelzen unter der Belastung des minimal warmen Asphalts. Die Mütze ist noch immer in meiner Tasche, die Handschuhe noch griffbereit in meinem Zimmer. Die Schuhe wärmend, um für die aktuelle Jahreszeit vorbereitet zu sein. Den Winter, der stark an Kraft verloren hat, und möglicherweise in dieser Saison nicht mehr wirklich zurückkehren wird.

Am Grab krabbelt eine Pflanze heraus. Sieht aus wie eine Frühlingsblume, weiße Blüte, Knospen. Wächst und gedeiht, in saftig-schönen Grün. Als wären Frost und die zweimonatige Schneebelastung nichts gewesen, steht es nun stark. Zwischen all den Kerzen, Gestecken, toten Pflanzen. Diese kleine Blume wächst und wächst. Irgendwann wird die Blüte aufspringen und diese herrlich-weißen Blütenblätter zeigen sich der Öffentlichkeit. Um ihn anzukündigen. Den Frühling.

An manchen Tagen übersteigt das Thermometer auch schon mal die Fünfzehn-Grad-Grenze. Die Sonne scheint, schmilzt mehr und mehr die letzten Überreste des Schnees weg, und wärmt meinen Schreibtisch, meinen Körper und mich. Vor allem mich. Die Sonne, am wolkenlosen Himmel, dieser azurblau. Und mein Wunsch nach einem Kurzarmshirt und einer kurzen Hose. Und die Sehnsucht nach dem See und all dem. Der Sommer. Für einen kurzen Moment spüre ich die Vorboten des Sommers.

Wenn ich mich für zwei der vier Jahreszeiten entscheiden müsste, würde ich den Frühling, der für Neubeginn und all das steht, wählen und den Sommer. Weil er einfach der Sommer ist.

„“

Alles und doch so wenig. Nichts und doch so viel.

Ich sitze hier, du mir gegenüber. Der warme Tee in meiner Hand sollte meinen Magen beruhigen, doch dieser rotiert, lässt es grummeln und weiß nicht, was er mit sich selbst tun soll. So wie ich. Ich sitze hier, wie ein vierjähriges kleines Kind, das nichts zu wissen glaubt und ganz erstaunt zur großen Welt aufblickt. Kein Wort verlässt meinen trockenen Mund. Ich warte auf dich. Warte, dass du etwas sagst, dass du erzählst von deinem Leben und dem Sein und der Welt und dir. Doch auch du schweigst.

Haben wir uns denn gar nichts zu sagen. Menschen, die ich weitaus weniger kenne, sind viel einfacher zu handhaben. Mit ihnen kann man Gespräche führen, über Gott, und das Wetter, Sterne und Liebe. Bin ich irgendwann endlich mal bereit, Smalltalk zu führen, bin ich ein König in diesem Genre. Wenn einen nichts verbindet, ist es viel einfacher, eine einmalige Verbindung aufzubauen. Aber bei dir ist alles anders. Du bist anders. Bist doch auch nur ein einzelner Mensch in der unendlichen Hemisphäre. Aber es scheint, als wärst du ein ganz besonderer Stern, ein Komet, ein Meteorit. Schön zu betrachten, mit unvorstellbar zerstörerischer Wirkung.  

„Wie geht es dir?“ Ein möglicher Start für eine Konversation. Jetzt bin ich nur noch gespannt, was du antwortest. „Wie geht es dir wirklich?“ Du sammelst dein Gesicht unter deinen Handflächen, nur mehr ein Schluchzen höre ich von deiner Seite. Verdammt. Fallen mir jetzt auf die Schnelle irgendwelche nützlichen Floskeln ein. Soll ich noch Fragen hinterherwerfen? Ich weiß es nicht. Sitze nur da, und rücke immer näher zu dir. Und als ich neben dir sitze, nehme ich dich in den Arm. Du drehst dich zu mir und vergräbst dein Gesicht an meiner Schulter. Ich spüre den Fall der schweren Tränen auf meinen Körper. Du tust mir weh. Es tut mir weh, dich so zu sehen. Du klammerst dich an mich, möchtest noch minutenlang deinen Tränen freien Lauf lassen, geschützt von mir.

Irgendwann erhebst du deinen Kopf wieder. Setzt dein Kinn auf meine Schulter, und mit leicht verweinter Stimme flüsterst du mir wenige Worte ins Ohr. „Dankeschön.“ Ganz wenige, aber wunderschöne Worte. Uns ist heute nicht nach Reden zumute. Als du dich etwas gefasst hast, nehme ich dich an der Hand. Und ziehe dich hinaus, auf die Straße, auf den Weg, irgendwann setzten wir uns auf eine Parkbank. Der Wind braust durch unsere Haare, geschützt unter einem großen Ast eines Kastanienbaumes trifft uns nicht mal ein Regentropfen. Und während wir hier sitzen, beobachten wir den Sturm am See. Beobachten das Unwetter, die Verwüstung. Und während um uns herum alles übereinander einstürzt, werden wir innerlich immer ruhiger. Wer braucht schon Worte.

Changed.

Something has changed … for a while.

Wieder zuhause. Am dritten Tage in Wien ging der Zug auch schon wieder nach Hause. Hier bin ich. Nach einem leckeren Mittagessen in einem Restaurant, und einem Besuch bei meiner Großmutter irgendwann zwischen damals und jetzt zuhause angekommen. Es war eine großartige Zeit. Großartige Menschen kennengelernt, mich noch weiter und doch etwas anders in die Stadt Wien verliebt. Und jetzt doch wieder zurück zum Alltag, zum Zivildienst. Weil man einfach nicht weg kann, nicht sagen kann: „Verdammt. Es interessiert mich nicht mehr.“ Ich muss zurück ins Büro. Muss weiter die Stunden zählen und die Zettel kopieren und mir ständig die Sinn- und Anspruchsfrage stellen. Aber das ist ja nun mal eben so. Nur mehr für zweieinhalb Monate wohlgemerkt, nur mehr zweieinhalb.

Hier im Blog sieht man einige kleinere Veränderungen. Es gibt mal wieder Bilder. Zuallererst noch mal ein Info zu Projekt 52. Eben auf dem Blog Mondgras von Sari eingeführt, hat sich dieses Projekt rapide verbreitet. Ich stelle sie nun parallel auf Burning Photographs und Neon Wilderness. Um Leute Richtung BP zu locken. Und um den Bildern eine größere Reichweite zu ermöglichen. Und da ich nun im Besitz einer Canon Photosmart A560 bin (das sind doch alles auch nur Zahlen), möchte ich auch regelmäßig von verschiedenen Ereignissen und Erlebnissen Bilder online stellen. Manchmal mit Worten, manchmal auch ohne. Weil ja diese Dinge Teil meines Lebens sind, und man so noch näher dran ist.

Das Minimal Literarische ist leicht in den Hintergrund gerückt. Nicht absichtlich. Es kommt einfach nicht genügend neuer Content in mein Gehirn. Ich habe zwar manchmal Vorstellungen, sehe darin aber oft eine andere Sparte. Eben Gedanken über Träume oder Sterne, die zwar möglicherweise leicht literarisch klingen, aber doch eher woanders eingereiht werden müssen. Es wird schon mal wieder was kommen. Währenddessen schreibe ich vor allem auch am Buchprojekt ohne Arbeitstitel und mit vorausgedachter und für mich absolut tollen Grundidee. Schön, ein Buch zu beginnen, wenn man schon beinahe weiß, wie genau es ausgehen soll.

Ich könnte hier noch vieles schreiben. Über das BarCamp, das mir super gefallen hat. Über die coole Location. Über Wien. Man sehe sich doch bitte die Bilder an. Ich bin unglaublich müde. Habe die fast dreistündige Zugfahrt total munter und mit Filmen auf dem Notebook überlebt. Vom Sturm habe ich erst zu Mittag erfahren. Von orkanartigen Sturmböen und Zerstörung und Weltuntergang und so. Auf die Frage, was ich denn so mache, gewöhnte ich es mir nach dem dritten oder vierten Mal an, einfach zu sagen, ich wäre Multi-Blogger. Warum ich denn nicht einen großen Blog mache, und da einfach alles gemeinsam veröffentliche? Weil ich die Unterscheidung, die Aufteilung gern habe. Hier deutschsprachige Texte, dort Gedichte, dort Bilder, dort Videos, dort die Sprachenblogs, dort die Politik. Da würde nicht alles in einen persönlichen Blog passen. Und hier noch etwas sehr Interessantes:

mqutt (Marc), der Administrator eines Honda Forums, von Beruf Webprogrammierer und Fahrer eines Honda Civic EG4 nennt mich in einem Thread über Möglichkeiten von eigenen Seiten im Web. Ich, als Beispiel für einen WordPress-Blog. Irgendwie cool. Vielen Dank dafür. Wenn du ein regelmäßiger Leser bist, melde dich mal. Wär schön. Und ich lass euch alle jetzt mal alleine. Mit den Impressionen und allem und geht doch auch mal schlafen, liebe Leute.

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