Archiv für Oktober 2007

Der Schmerz.

Unsere Familie ist mit der Heimkehr von unserem Papa wieder vereint. Aber Timi fehlt. Er fehlt. Wo immer man hinsieht. Überall sind noch seine Sachen.

Das nervliche Abschiednehmen meiner Mutter von Timi. Ganz alleine. In ihrem Bügelzimmer. Nur dass sie jetzt noch schnell bügeln muss, damit Timi nicht an den Kabeln ziehen kann. Und gleichzeitig hat sie gewusst, dass er nicht gleich durch die Türe hereinschauen wird. Und einfach nur weiterbügeln. Und einfach nur weinen.

Ich stehe auf, habe irgendwann meinen Schlaf gefunden und konnte relativ lange schlafen. Und wenn man dann ins Wohnzimmer kommt, diese Leere, diese verdammte Leere, und der Schmerz und die Tränen. Die Suche nach dem Sinn in ihrem Leben, nach dem Tod des Kindes. Immer wieder läutet es. Unser Pfarrassistent Gerhard, der schon am Montag zweimal da war, hat uns auch am Dienstag besucht um uns über das Begräbnis zu informieren, um uns einfach an seiner Schulter auszuweinen, um zu reden oder er half uns dabei, einfach nur zu schweigen. Und ich bin mir sicher, er wird das Begräbnis machen, das sich unser Timi verdient hat.

Natalie, Timis Taufpatin, kam auch schon früh am Morgen. Und blieb. Schläft bei meiner Schwester. Damit sie ja nicht alleine ist. Und so fuhren um 11 Uhr meine Mutter, meine Schwester, Natalie und ich zuerst zu einer Gärtnerei, um Kränze zu bestellen und anschließend zu Timis Uroma. Die selbst ein Kind (meinen Onkel Herbert im Alter von 19 Jahren durch einen Autounfall) verloren hat. Die es einfach nicht verstehen kann, so wie wir alle. Und anschließend holten wir meinen Papa vom Zug ab.

Tränen. Beim stärksten Menschen, den ich kenne. Bei meinem Papa. Tränen und Unverständnis. Angst und einfach diese Suche nach dem Sinn. Es macht einfach keinen Sinn. Und als wir dann zuhause angekommen sind, versuchte meine Mutter sich abzulenken und kochte. Kochte einfach so viel. Spaghetti und Saucen für 10 Personen. Wir waren nur fünf im Haus und den Versuch zu essen starteten nur ich und Natalie. Aber als ich so da saß, mit dem Löffel in der Hand und einfach nur den Tisch überblickte, konnte ich es einfach nicht. Es passte nicht. Ein Sessel stand dort, wo Timis Platz ist. Und da steht ein großes Teller und ein Messer. Das darf nicht dort stehen. Und irgendwann kamen die Emotionen heraus. Ich konnte weinen. Konnte alles herauslassen. War bereit, den Druck in meinem Kopf, in meinem Körper herauszulassen. Seit Montag habe ich vielleicht zehn Bissen gegessen. Ich verspüre aber keinen Hunger. Ich kann nicht am Esstisch sitzen und etwas essen. Es geht einfach nicht.

Am Samstag um 14 Uhr wird sein Begräbnis sein. Da wird ein Leben zu Grabe getragen, dass doch erst vor eineinhalb Jahren begonnen hat. Man weiß immer noch nicht, woran er gestorben ist. Sie konnten bis jetzt noch nichts feststellen. Vielleicht geben die Proben, die aus den Organen entnommen wurden, irgendeine unwichtige Antwort. Ändern kann man sowieso nichts mehr. Aber ich kann nur für alle sagen, die ihn geliebt haben, und die er geliebt hat, das dieses Begräbnis, das Timi sich wahrscheinlich genau so etwas gewünscht hätte.

Überall findet man ihn noch. Seine Fingerabdrücke auf den Fenstern. Auf dem Backrohr. Seine Spielsachen überall. Der Rechen, draußen. Er brauchte immer den größten Rechen, so sehr er sich auch plagte, er versuchte alles. Wir können es nicht wegräumen. Wir können es nicht. Nur das Gitter bei der Stiege, damit er nicht hinunter konnte. Ich musste es wegtun. Vor seinem Tod habe ich immer darauf vergessen es zuzumachen und habe es aber immer noch schnell genug gemerkt. Und seit Timis Tod habe ich es jedes einzelne Mal fest zugedrückt. Als würde Timi gleich aus dem Wohnzimmer herauslaufen, und seine Arme in die Luft strecken, damit ich ihn hochnehme. Ich musste es einfach abmontieren. Und jetzt. Diese Leere, wenn man die Treppe hinaufsteigt.

Was uns jetzt noch bleibt, sind die Arbeiten für das Begräbnis. Da wir nicht irgendetwas Herkömmliches machen wollen, habe ich gestern etwas gestaltet, die jeder Besucher des Begräbnisses bekommen wird. Ich möchte zumindest für seinen letzten Gang im Diesseits immer für ihn da sein.

Was bleibt sind die Tränen. Das Unverständnis. Und der Stress. Dieser Stress, der uns irgendwie abzulenken versucht, und doch erinnert uns noch viel zu viel an alles.

Der Tag Danach. Und Er Ist Immer Noch Nicht Da.

Entweder habe ich es bis jetzt noch nicht realisiert, oder ich will einfach den starken Mann spielen. Ich weiß es nicht. Aber ich kann einfach nicht weinen.

Außer ein paar kurzen Tränen blieb ich nach außen hin gefasst. Innerlich schien ich zu zerbrechen. Mehrere Stunden lang zitterte ich. Ohne Halt, einfach so vor mich hin. Psychischer Schock nennen es wohl die leute vom Psychosozialen Notdienst. Und die Zigaretten schienen mich zwar in keinster Weise zu beruhigen, aber sie lenken einen ab.

Durch meine Unfähigkeit zu Weinen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, der Ansprechpartner für alle zu sein. Für meine Schwester, die immer noch mit seinem Bild und seiner Kuscheldecke auf der Couch liegt, in Tränen aufgelöst. Meine Mutter, die ihre Tochter so gerne irgendwie trösten möchte, doch selbst an diesem Schmerz fast zerbricht. Und wahrscheinlich auch dann für meinen Papa, der von seiner Reise aus Amerika heute frühzeitig zurückkommt. Meine Mutter weinen zu sehen, meinen Vater. Fixpunkte und Felse in der Brandung weinen. Und ich stehe da, zittere vielleicht noch und doch ist die Welt ganz anders.

Ich möchte mich hier für die Anteilnahme und die angezündeten Kerzen bedanken. Es hat mir irgendwie geholfen. Man kann es sowieso nie verstehen, aber durch euer Mitgefühl, fühlt man, dass die Welt nicht komplett sinnlos ist. Ich danke euch.

Meine Mutter hat mich gebeten, eine Rede am Begräbnis zu halten. Ich habe sie schon geschrieben. Und sofern ich mich imstande fühle, würde ich es auch gerne tun. Gestern abend habe ich noch meine Freunde, die Leute, die meinen Blog nicht lesen, angerufen. Elisabeth hat vollkommen zu weinen angefangen, und als ich dann auch noch zur Magdalena und später zum Lukas gefahren bin, habe ich auch die beiden weinen sehen. Nur ich stand da. Sozusagen als Seelsorger für die Freunde der Angehörigen.

Ich habe gestern so lange gewartet bis sie eingeschlafen sind, so gut es eben ging. Meine Mutter und meine Schwester. Und dann habe ich in meinem Bett gehofft, dass ich endlich weinen kann. Ich habe nur nachgedacht und bin irgendwann eingeschlafen. Heute zittere ich wieder. Er ist weg. Die Pathologie hat bis jetzt noch nichts feststellen können. Und ich werde so lange für alle da sein, als scheinbar am meisten Gefasstester bis ich unter all dem Druck endlich einmal zusammenbreche und auch ich endlich weinen kann. Ich würde es so gern. Ich würde so gern irgendetwas zerstören, aus lauter Wut und Zorn auf alles. Aber jetzt beginnen die Begräbnisvorbereitungen. Und ich werde mich auch hier ausgiebig beteiligen. Irgendwie muss ich mich beschäftigen, irgendetwas mus ich immer tun. Es tut da drinnen so weh. Es ist wie ein Messer, dass mir immer wieder kleine Stiche versetzt.

Man kann es nie verstehen. Und auch nicht akzeptieren. Nur der Schmerz. Nur mit dem Schmerz kann man irgendwann besser umgehen.

In Erinnerung.

Und du nimmst mir jetzt also auch den Menschen weg, zu dem ich eine so einzigartige, so innige, so wunderbare Beziehung habe. Du musst das größte Arschloch sein, Gott.

Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Wohnzimmer und weinen. Ich kann nicht weinen. Ich habe noch keinen Tränenguss erlebt heute. Ich zittere nur seit mehr als einer Stunde, manchmal eine Träne. Mehr nicht. Ich möchte schreiben. Möchte meine Wut, meinen Zorn, meinen Hass in Worte fassen. So schwer es mir auch fällt.

Am 4. Juni 2006 erblickte Timothée Elias das Licht der Welt. Ein süßes kleines Bäby. Mit vielen Haaren am Kopf, und seinen kleinen Händchen und Füßchen. Jeden Tag sah ich ihn, und liebte ihn vom ersten Tag an. Das wohl größte Geschenk, dass unsere Familie geschenkt bekommen hatte. Und er wuchs heran. Begann zu krabbeln. Irgendwann konnte er laufen, konnte Mama, Oma und Nein sagen. Er brachte Energie in dieses Haus. Er war der Sonnenschein. Er war der Lichtblick. So beschissen es mir auch ging, ein Lächeln von ihm, und meine Welt schien sorgenfrei zu sein. Heute, am 29. Oktober 2007 wachte er nicht mehr auf.

Ein Anruf meiner Mutter in meiner Zivildiensteinsatzstelle erreichte mich. Es ist etwas Schlimmes passiert. Ich habe ehrlich mit allem gerechnet. Aber nicht damit. Im Alter von einem Jahr und fünf Monaten stirbt ein Mensch, der noch so viel vor sich hatte. Ein Engel auf Erden, so kitschig es auch klingt, er war es. Sein Lächeln, seine Energie, den Spaß beim Spielen, den er hatte. Seine Liebe, sein Sein. Alles hat unsere Familie gebraucht. So zerstritten wir manchmal auch waren, Timi war unser Fixpunkt. Bei ihm waren wir alle die besten Menschen.

„Timi ist tot“. Ich beginne zu zittern, der Telefonhörer lässt sich nur mehr unfreiwillig in meiner Hand halten. „Er ist nicht mehr aufgewacht“. Ich möchte am liebsten weinen. Ich zittere. Melde mich vom Dienst ab und fahre mit dem Auto nach Hause. Die ganze Zeit „The Drugs Don’t Work“. All these talks of getting old. Du hättest alt werden sollen. So viele Pläne hatte ich mit dir. So viele Träume. Gestern nacht habe ich an dich gedacht. Heute morgen. Als du wahrscheinlich schon tot warst.

Und ich warte. Warte auf meine Tränen. Ich hasse es, wenn ich weinen möchte, aber ich nicht kann. Irgendwann kommt dieser Moment. An dem alle Dämme brechen. Ich hätte dir doch noch so vieles sagen wollen. Ich wollte so vieles mit dir teilen. Ich wäre der beste Onkel gewesen, den man sich nur wünschen kann. Ich hätte dir die Welt vor deinen Füßchen ausgebreitet. Wäre mit dir in hinaus gezogen. Und jetzt liegst du tot da. In irgendeinem Krankenhaus, wo festgestellt wird, woran du gestorben bist. Und ich kann nicht zu dir. Kann dich nicht ein letztes Mal drücken. Dir einen Kuss geben. Kann mit dir nie mehr die Katze fangen, und dir nie mehr Süßigkeiten zustecken. Alles was mir jetzt bleibt ist die Trauer und die Erinnerung an den besondersten Menschen, den es je gab.

Du warst das Beste was mir je passiert ist. Du warst ein Engel. Jetzt bist du es wieder. Ich liebe dich so sehr. Und ich habe dich verloren. Du bist weg. Aus meinem Leben. Mir bleiben nur die Gedanken an dich. Und all die wunderbaren Momente mit dir. Ich würde so gerne noch einmal mit dir kuscheln. Deinen Kopf an meiner Schulter spüren. Dein Lächeln sehen.

Du bist weg. Für immer. Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Du fehlst mir. In jedem Moment. Ich hasse die Welt. Hasse Gott. Hasse jeden, der dazu beigetragen hat, dass du jetzt nicht mehr da ist. Ich liebe dich. Verdammt. Ich liebe dich. Ruhe in Frieden, mein kleiner Timi. Ruhe in Frieden.

We Never Change.


Über mein Unvermögen zu Weinen, aus tiefstem Inneren heraus, habe ich schon geschrieben. All die Erlebnisse, Erfahrungen, all die Worte der letzten Tage lassen mich aber irgendeine verdammte Fernsehsendung sehen und die Tränen finden von ganz alleine ihren Weg.

Oper ist für mich ja sowieso Gänsehauterzeuger Nummer Eins. Wenn ein dicker Paul Potts Nessun Dorma vorträgt, kann ich kaum atmen. Und wenn ein siebzehnjähriger Deutscher seine Opernstimme nach außen trägt, sitze ich einfach nur da, bekomme ein Gänsehaut, fange an zu zittern und kämpfe gegen die Tränen an. Bis ich nicht mehr kann. Und all diese Gedanken, all diese erdrückenden Gefühle, die Angst, die Wut, der Zorn, die Liebe, alles auf mich einstürzt und die Welt immer mal wieder etwas mehr aus den Fugen gerät.

Ich habe nicht geheult, ich habe auch nicht zu weinen angefangen, wegen der Ereignisse. Ich habe durch die Musik zu weinen angefangen. Die mich so sehr bewegt hat, und mich nicht mehr losließ. Die mich dazu brachte, alles rauszulassen. Und seit eben diesen drei, vier Stunden bringt mich das kleinste Melancholische, das minimalste Gänsehauterzeugende aus der Fassung. Und so soll ich mich jetzt also aus dem Haus trauen? So soll ich jetzt also in einen Taizé-Gottesdienst gehen, wo es um Besinnung, um innere Ruhe und inneren Frieden geht. Ich befürchte fast, dass ich die eine oder andere Träne vergießen werde.

Nichts hält mich wach und nichts lässt mich schlafen. Ich bin gerade in so einer Welt, aus der ich aufwachen möchte. Aus der ich mich rausboxen möchte. So lange möchte ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen, meine Faust gegen meinen Kopf, bis die Welt wieder ruhig ist. Bis alles wieder passt. Gott sei Dank habe ich es nicht unbedingt so mit selbstzerstörerischen Aktivitäten. Aber es ist nicht nur ein Tag, an dem sich die Welt bitteschön ins Knie ficken soll. (Erstauspruch: hoch21) Nein, es sind schon mehrere Tage. Es werden vielleicht Wochen. Bis die Welt entgültig aus den Fugen geraten ist, und ich endlich dazu bereit bin, mich umzustellen.

Coldplay in Momenten wie diesen zu hören, tut gut und weh. I never meant to do you wrong. Es tut weh. Die Gedanken. Das Gefühl vollkommener Hilflosigkeit.

Trouble. In Here.

Wie beschissen egoistisch muss man sein, um so etwas zu tun. Und wie beschissen am Ende mit sich selbst. Wie psychisch labil und was auch immer.

Die Nacht holte mich gestern ein. Worte meiner Mutter lagen auf meiner Stirn, sickerten immer mehr durch, und am liebsten hätte ich geweint. Weil ich einfach mit so viel, aber nicht mit dem gerechnet habe. Ich hätte am liebsten meinen Kopf gegen irgendeine Wand gedonnert, hätte mit dem Kopf auf das Lenkrad geschlagen. Weil selbst „The Drugs Don’t Work“ nicht mehr wirkte, und ich mitsang, bis ich heiser wurde, und trotzdem wie ein gefühlskalter Mann im Anzug wirkte. Ich habe echt mit allem gerechnet. Nur nicht damit.

Die Gedanken beschäftigen mich jetzt immer noch. Vor dem Bettgehen, nach dem Aufstehen. Es wundert mich ja, dass ich nicht davon geträumt habe. Was bist du nur für ein verdammt egoistisches Arschloch. Vergisst die Welt um dich herum. Ja, ich kenne dich. Für dich bist immer nur du wichtig. Niemand anderer, keiner deiner Verwandten, niemand. Du bist einfach psychisch geschädigt. Was dich so weit gebracht hat? Erzähl es mir, ich würde es gerne wissen. Damit meine Kinder nicht auch so enden wie du. Du denkst nicht nach. Brauchst die Aufmerksamkeit, an die Folgen denkst du nie. Das war noch nie deine Stärke. Live for the moment, ist wohl deine Devise.

Die Idee, auszuziehen tat uns allein scheinbar gut. Wir verstanden uns besser, alles schien wieder total okay zu werden. Und dann trennst du dich von deinen Freund. Oder er sich von dir. Oder was auch immer. Asoziales Handeln von dir, wahrscheinlich krimineller Hintergrund bei ihm. Keine Talkshow hätte es besser machen können. All diese Idioten, die ich nicht zu sehen gewillt bin, sind nun nichts im Gegensatz zu euch. Und dann denkst du einen kurzen Moment einfach nicht nach. Und veränderst irgendwie das Leben deiner Mutter, dass deines Bruders. Dein Sohn ist viel zu klein, um überhaupt irgendetwas zu kapieren. Sein Glück. Aber auch er ist dir scheinbar egal.

Und aus diesem einen Grund versuche ich dich zu hassen. Hasse dich so abgrundtief. So voller Sorge hasse ich dich. So voller Wut, voll Zorn. So vieles möchte ich dir ins Gesicht schreien. So viele Dinge möchte ich nach dir werfen. Voller Tränen in den Augen. So vieles möchte ich dir sagen, was ich zu sagen nicht bereit bin. Ich hasse dich. Vielen Dank, dass du es immer wieder schaffst, dass unser Leben in einer Katastrophe endet bestehen bleibt. Vielen Dan, dass du einfach so unreif bist. Vielen Dank, dass du es immer wieder schaffst, dass ich dich gleichzeitig zu hassen versuche und ich mir Sorgen um dich sagen. Vielen Dank, dass du uns immer aus dieser wunderschönen Traumwelt reißen musst, in der wir leben und glauben, dass alles perfekt ist. Wenn du kommst, ist nichts mehr perfekt.

Wer mehr weiß, bitte nicht kommentieren, bzw. nicht Offensichtliches schreiben. Ich bitte darum.

Es Ist Egal Aber. Der Pensi-Ball 07

Mode

Im Gegensatz zum ORG-Ball (Link 1), bei dem ich einige Bedenken hatte, ob er überhaupt irgendwie lustig werden könnte, ging ich auf den Pensi-Maturaball mit viel Vorfreude und genügend Motivation hin …

Der Ball der Schule der Kreuzschwestern Gmunden, der Pensi-Ball ist wie wohl jeder Ball hier in dieser Gegend, Anziehungspunkt für Paare, um sich ausreichend zu präsentieren, und für Singles um an den Mann // die Frau zu kommen. Ich habe mich mit viel Vorfreude, keinem Funken Zweifel und vollkommener Nüchternheit ins Geschehen gestürzt. Doch alles begann eigentlich schon einige Stunden früher bei Sarah. Als wir zu siebent vorglühten, während ich mich aber nur auf Antialkoholisches stürzte. Irgendjemand musste ja fahren, und ich meldete mich schon früh genug für diese gutmenschliche Leistung. Eigentlich hatte ich einfach überhaupt keine Lust, mich zu betrinken. Und als wir dann um ca. 22 Uhr 30 im Toscana Kongresszentrum endlich ankamen, war schon einiges los.

Das Thema, „Paris, Paris“, wurde im Eingangsbereich vor allem durch französische Fahnen und herunterhängende Papp-Baguettes gezeigt. Gepflegte minimalistische Erdgeschoss-Deko. Natürlich nichts im Gegensatz zu unserem Ball, vor 10 Monaten. Im Gegensatz zum ORG-Ball konnte ich mich in dieser Veranstaltung nur schwer vorwärts bewegen, denn natürlich kannten mich viele, entweder aus der Schule, die ich bis Juni besuchte, vom Ausgehen (der ausgereichen Zeit zwischen 16 und 17) oder einfach durch Bekanntschaften mit Bekanntschaften. However. Ein begnadetes „Hey, Leitner!“, ein liebevolles „Dominik“, oder was auch immer. Irgendetwas war für mich immer drinnen. Und im Gegensatz zu früher liebe ich diese Allseitsbekanntheit nicht mehr unbedingt. Aber was soll man machen. Es wird wohl immer so bleiben. All diese anderen Menschen sind doch auch nur um Bekanntheit kämpfend. Um ja nicht als Mauerblümchen zu wirken. Was für mich aber definitiv das Liebste wäre.

Nach wenigen Minuten Ball traf ich Magdalena. Und neben ihr auch Maria. Dass sie hier sein würde, habe ich noch kurz vor der Abreise in Erfahrung gezogen. Aus reiner Neugier. Oder was auch immer. Wir kamen nicht zum Reden. Kamen überhaupt zu nichts. Nur wenige unserer Blicke trafen sich. Ein Späßchen ihrerseits hier, und das Verlieren aus den Augen. Melancholie.

Die Heimchauffierung von Susi, voller Gesprächstoff, Gedanken und der erste ernstgemeinte Zuspruch zu Warten. Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich warten möchte. Ich will es wirklich. Und da kommt für mich zurzeit echt nichts anderes in Frage. Dass Susi mir wirklich gut zusprach, überraschte mich irgendwie und zeigte mir mal wieder, wie wichtig sie mir ist. Dass ich sie dabei auch noch aus den Fängen ihres betrunken und anstrengenden Freundes gerettet habe, ist nur ein kleiner Nebengeschmack.

Die Rückkehr zum Ballgelände. Das Abholen der Vorglüh-Mädels und eines jungen Herrn. Die Fahrt in die Stadt. Eine Runde Wii und noch eine Coke. Bis ich dann um zwei Uhr ca. zuhause ankam. Es war zwar einer der ruhigsten Bälle, für mich zumindest, selbst das Abshaken in der Disco war für mich nur eine Art Befreiungsschlag von all den Gedanken, die mich die ganze Zeit beschäftigen. Ich shake nämlich normalerweise gar nicht gerne. Und das Aufeinandertreffen mit Thomas (meinem Cousin) und Debbie (seiner Frau) war sehr überraschend und irgendwie auch wieder schnell vorbei. Aber schön, dass sie mich gefunden und mich angesprochen haben.

Die Heimfahrt, überall ein (für mich ja völlig belangloses) Planquadrat erwartet, an jede einzelne Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten, zuhause ankommen, aussteigen. Aus diesem verdammten Anzug herausspringen, das Notebook holen und einfach mal sagen, dass der Ball für mich subjektiv gesehen einfach nur beschissen war. Alles in allem ein verdammter Ball. Ein verdammter 27. Oktober. Überhaupt.

:: Zum Ball

Ich weiß gar nicht mehr, ob ich letztes Jahr war, irgendwelche Erinnerungen scheinen zwar schon in meinem Gehirn gespeichert zu sein, aber ich kann sie keinem Jahr und keinem Ball zuordnen. Alles in allem eine gemäßigte Deko. Angenehme Atmosphäre und unterhaltsame Mitternachtseinlage. Vom Spaß und der Spannung der Geschichte zwar nichts mitbekommen, aber zumindest interessante Tänze und viel harte Arbeit. Alles in allem ein nicht gerade schlechter Ball.

Fakten:

Maturaball des Gymnasium Ort // Pensi-Ball
27. Oktober 2007
Kongresszentrum Toscana Gmunden
Thema: Paris, Paris
Link 2

Winding Road.

http://www.2pi.info/travel/cairns/road_c.jpg

Gedanken nach einem Tag wie diesem.

Die Wärme der Nacht umhüllt die Wiesen und Wälder um mich herum. Ich, geschützt in meinen vier Mauern meines Zuhauses, in dem ich mich mit jedem Tag und jedem Streit weniger wohlfühle. Die Tränen eines eineinhalbjährigen kleinen Jungen, der mit der vollkommenen Erkältung seines kleinen Körpers leben muss. Ich, in der Versuchung, ihn mit meiner Mutter alleine zu lassen. Die Welt da draußen ruft mich, ich, mit Kopfhörern und Bonnie Sommerville bewaffnet, will mich so lange wie möglich in dem Schutz meiner Einsamkeit weiterleben.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen mit Fernweh wieder einmal gezeigt, wie unwichtig der Begriff Familie ist. Familie ist nicht gleich Eltern und Geschwister und Großeltern und Tante. Familie sind die Personen, zu denen man eine innige Verbindung hat. Und das sind, mit Verlaub, zurzeit nur meine Eltern und mein Neffe. Und selbst mit meinem Papa kann ich kaum über Weltbewegendes sprechen. Dass meine Mutter den Frust der Welt auf ihren Schultern trägt, hinterlässt mich in Sorge um ihre Psyche. So lange kann man das nicht aushalten.

Dieser Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich diese Charaktere in einer „Familie“ sind. Dass meine Schwester eigentlich nichts mit uns gemein hat, lässt meine Mutter trotzdem fragen, was sie bei ihrer Erziehung falsch gemacht hat. Ich kann es ihr nicht sagen. Es muss irgendetwas gewesen sein. Dass man es jetzt sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, ist leider Fakt aber ebenso auch noch nicht Grund zum Aufgeben. Aber ich kann sowieso meiner Mutter nicht sagen, wie sie mit meiner Schwester umgehen soll. Ich habe keine Ahnung von bedinungsloser Liebe von Mutter zu Kind.

Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen wieder einmal gezeigt, wie schön die Zeit mit Freunden ist. Wie schön, selbst die Zeit alleine zuhause ist. Die Einsamkeit, die Melancholie, die Zwei-, Drei-, oder Dreizehnsamkeit, der Spaß. Alles hat seinen Reiz. Aber von Streit und Kreischen und psychopatischen Ausbrüchen meiner Schwester geweckt zu werden, das gehört sicherlich nicht zu den reizvollen Dingen meines Lebens. Dass mein Leben beschissen ist, ist wohl Fakt. Aber natürlich gibt es auch ein Leben zwischen den beschissenen Facetten.

Die Wärme der Sonne, wenn sie durch den Wald, auf diese windige Straße voller Laub fällt. Der Weg ins Ungewisse, ins Helle, Erleuchtete. Das Neue. Die Dunkelheit zurücklassen. Die Dunkelheit, die Vergangenheit. Die Jugend. Die Kindheit. Mit all ihren wunderbaren Momenten, mit all ihren beschissenen Facetten. Mit allem.

Einfach mal wieder alles neu. Entweder mit den Beatles „The Long And Winding Road“ oder mit Bonnie Sommerville und der „Winding Road“. Oder einfach dem gesamten Garden State Soundtrack.

There’s A Message For. You.

Theater

Guten Morgen, Herr Leitner.

Es wird mit dem Summerton 10 Uhr Null Minuten und Null Sekunden.Piep. // oder Summ oder was auch immer. Sie werden, wie sie es bestellt haben, nach weniger als fünf Stunden Schlaf von einer lauten und absolut sinnlosen Szene ihrer eigentlich weggezogenen Schwester und ihrem Exfreund geweckt. Falls es ihnen sehr gut gefallen hat, dürfen sie ihre Schwester nun (zu) hassen (versuchen). Leider ist es uns und wahrscheinlich auch ihnen nicht möglich, jegliche Verwandtschwaft zwischen ihnen beiden zu leugnen. Wenn man bedenkt, wie involviert selbst ihre Mutter in diesen Streit war, und sie, weil sie definitiv zu wenig geschlafen haben, kann ich ihnen nur freudig die Hand schütteln, schnell davonlaufen, in Freudentränen ausbrechen und mir ein Fass Bier kaufen, einfach nur aus dem Grund, weil meine Familie halbwegs normal ist. Dass sie, lieber Herr Leitner, es so verdammt beschissen getroffen haben, tut uns natürlich sehr Leid und deshalb verbleiben wir

Mit freundlichen Grüßen

Hochachtungsvoll
Das Leben mit all seinen beschissenen Facetten

You On My Mind In My Sleep

Warum ich mich erst heute wieder um 15 Uhr melde. Was in den letzten dreißig Stunden passiert ist. Und was denn heute noch stattfindet. Und warum ich mir wohl wahrscheinlich diese Woche die Haare nicht mehr schneiden lassen werde.

Gestern war, durch den heute stattfindeten österreichischen Nationalfeiertag, mein letzter Arbeitstag dieser Woche. Und nachdem man von Montag bis Mittwoch gequälte Langeweile nach sich zog, so war dieser Donnerstag definitiv etwas anders. Etwas zu spät angekommen, trotz eigener Autofahrt. Den Kopf woanders und mit der Motivation am Ende. Kurz noch den Computer eingeschaltet, die Blogs auf Kommentare überprüft. Und dann, ab ca. 9 Uhr,  bis ca. 15 Uhr in der Küche // dem Seminarraum hässliche bunte Würfel zur Lärmdämmung aufgehängt. Mit Bohren, Dübeln, Schrauben und Aufhängen. Vierzig Mal übrigens, für zwanzig Würfel. Und um 15 Uhr war es dann das erste Mal, dass ich mich hinsetzen konnte, und einfach mal sagen konnte. Fertig. Auch wenn diese selbstverliebte Frau (meine Chefin) es vollbrachte, mich innen zu kochen zu bringen, aber nach außen hin eiskalt ruhig zu halten. Denn irgendetwas musste ja nicht passen.

So what. Mit dem Auto nach Hause. Noch brav einkaufen. Und dann irgendwann um neunzehn oder zwanzig Uhr auf der Couch eingeschlafen. Und aufgewacht, ca. zehneinhalb Stunden später. Der gestrige Tag schien mich also wirklich geschlaucht zu haben. Und als hätte ich noch nicht geschlafen, fiel ich heute vormittag auch immer mal wieder zurück in diese Lage. Jetzt noch mal schnell ein Feiertagsessen bei McDo geholt. Und nochmal schlafen.

Und was dann noch alles so passierte? Ein verpasster Tee mit Sarah, eine verpasste ICQ-Anfrage von Thomas und ein verpasster Anruf von Stefan. Die erste Tag nach der Abreise meines Vaters nach Amerika. Das Haus ist still und beinahe leer. Der Tag verliert seine vierundzwanzigstündigen Daseinsberechtigung. Und die drei freien Tage werden stressreich aber hoffentlich wunderbar lustig. Heute findet beim Lukas eine Glühwein und Punsch-Session statt, die erste in diesem Jahr. Morgen ist ein Maturaball, der zweite für mich in dieser Saison. Und am Sonntag findet ein Taizestunde in einer Kirche statt, und da mir die Idee von Taizé und die Lieder gefallen, werde ich auch dort sein. Und dann beginnt die 11. Woche meines Zivildienstes auch schon wieder.

Den Kopf woanders. Am Donnerstag weckte mich meine Mutter wie immer um 5:30 Uhr auf. Gerade als ich seit langem wieder einmal einen Traum träumte, an den ich mich auch später erinnern konnte. Ein Traum mit ihr. Wo ich überraschend anders reagierte. Und alles so ungewohnt war. Sie kam zu mir. War total anders drauf und alles war perfekt. Und dann ist der Traum zu Ende, da ich geweckt wurde. Dieser Traum. Träume können war werden. Werden sie es denn wirklich? Ich weiß es nicht.

Ein Traum. Eine viel zu lange Schlafnacht. Eine vollgeplantes Wochenende. Und ich.

Die Wut Gegen Den Tod. Das Gemütliche Aufeinandertreffen. Und Freundschaft.


Wie aus einem angebrochenen Vorabend eine bis in die frühe Nacht andauernde Reise bis zum Mittelpunkt des Menschens wurde. Oder: Warum das Zurückblicken nicht unbedingt negative Seiten haben.

Es hätte so schön werden können. Ich hätte nach Hause kommen können. Hätte wohl gegessen. Wäre vor dem Notebook versumpft und wäre irgendwann um zehn Uhr schlafen gegangen. Aber nein. Es muss sich ja lahja // Sarah melden. Und meine Mutter muss mir ja auch noch das Auto geben. Und so nahm dieser Vorabend also seinen Lauf.

Angefangen hat alles im sehr gemütlichen Kaffeehaus „Gutenberg“. Keine Leserbude und kein Kulturtreff, eher nur ein gemütlicher Ort der Zusammenkunft. Und so tauschten sich Sarah und ich über die Vor- und vor allem auch über die Nachteile des Studenten- und Zivildienerlebens aus. Wie wir es seit einiger Zeit immer mal wieder bei einem Kaffee machen. Auch Gespräche über die aktuelle nähere Blogosphäre gehört seit kurzem manchmal zu unserem Thema. Gehört ja auch dazu. Aber wenigstens nennt sie mich nicht Ikarus und ich sie nicht lahja. Dominik und Sarah ist ja auch viel schöner. Den Namen haben wir ja von unseren Eltern geschenkt bekommen, also müssen sie gut sein.

Und nachdem wir am Bahnhof auf unsere ehemalige Lateinlehrerin trafen (okay, es war ein festgelegtes Treffen) zog es uns (uns drei) zum Chinarestaurant in den Nachbarort. Dass ein Gespräch mit einer Lehrerin so interessant sein kann, ist wirklich mal bemerkenswert. Gespräche über Literatur, das Studium von Sarah, den Zivildienst von mir und die Pläne unserer werten ehemaligen Lehrerin. Höchst interessant. Also ehrlich. Dass Sarah und ich nicht an Komplimenten gegenseitig sparten, stelle ich mal so in den Raum. War aber absolut nett und würde ich sofort auch wieder jeden Tag machen. Immer mal ein anderer Lehrer. Denn es sind wirklich viele Lehrer, die im Unterricht marginal pädagogisch arbeiten, in der Freizeit aber gemütliche Typen durch und durch sind.

Ein stiller Besuch beim Grab von Sarahs Großmutter ließ uns dann anschließend über Gott, die Welt (als hätten wir das heute nicht schon oft genug gemacht) und natürlich über den Tod philosophieren. Dass man ihn kaum verstehen kann. Dass er Menschen wegreißt, die einem anderen so viel bedeuten. Dass er ein verdammtes Arschloch ist, wenn man sieht, wen er alles aus dem Leben reißt. Gedanken über verlorene Großeltern, Gedanken an immer wieder kommende Routine, und die Wut gegen die Tabuisierung von verlorenen Menschen. Einige sehr ruhige Minuten voll Tiefgründigkeit, und wirklich schöne Momente vollkommener Philosophie.

Auf der Heimfahrt noch bei Lukas vorbeigekuckt und das übliche Zeremoniell durchgeführt. Mit einige Zeit mit ihm unterhalten und ihn auch etwas über den Zivildienst informiert. Sofern es überhaupt Informationen gab. Und irgendwann um kurz vor elf Uhr nach Hause. Dunkelheit im ganzen Haus, Stille und bei mir nun nur der Garden State Soundtrack. Dass es eine kurze Nacht wird, dass kann ich schon jetzt voraussagen. Denn ich muss meinen Papa um halb 5 Uhr (4:30 Uhr) irgendwo hinkutschieren. Um dann die folgende Woche das Auto meiner Mutter ganz für mich allein zu haben. Dass ich dann morgen auch nach Bad Goisern (ca. 1 Stunde Fahrt) ist da nur ein angenehmer Beigeschmack.

Alles in allem hat mir dieser Tag wieder einiges offenbart. Wie schön Freundschaft sein kann, wie nett Lehrer sind (und manchmal auch, wie falsch sich Lehrer bei der Fachwahl entschieden haben), wie gleich man manchmal denkt. Und dass man einfach mal nicht allein ist. Und ja. Dieses Gefühl ist schön.

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