Wer hat gestern einen wunderbaren Tag gehabt? *aufzeig*. Und wer hat da die schönen Seiten des Lebens gesehen? *aufzeig*. Und wer ist gerade betrunken? *aufzeig*.
Nein, nein. So ist es nun mal auch nicht. Ich bin nicht betrunken. Habe nicht die schönen Seiten des Lebens gesehen. Und ich habe – verdammt noch mal – sicherlich keinen wunderbaren Tag gehabt. Was war wohl mit mir geschehen. Ich weiß es nicht. Nein, falsch. Ich weiß es. Ich muss nur mal meine Gedanken ordnen.
Gestern war es schön. Die Sonne hat sich gezeigt. Es war angenehm warm. Und ich habe meine erste richtig große Aufgabe – sie überdauerte einen Monat – erledigt. Eine Fotosession mit MitarbeiterInnen und KlientInnen. Schnell noch die Fotoplakate für den Tag der offenen Tür in einer Sozialeinrichtung aufgeklebt (hoch lebe, Pattafix). Und dann durfte ich auch schon früher zum Zug. Angenehmer Tag eigentlich. Bis dahin. Dann hat der liebe Herr D. sich natürlich noch ein Hühnerschnitzel-Weckerlchen gekauft. Übrigens sehr überteuert. Und nach der Überlegung, dass der Nestea Eistee 0,5l 1,30 € und der Lipton Eistee 1l 1,30 € kostet, habe ich mir Lipton gekauft. In wenigen Minuten würde ich diesen Einkauf wohl dann bereuen.
Das Brötchen war lecker. Wirklich lecker. Trotz Tomate und Gurke. Und der Eistee, war kalt. Schließlich kam dann auch der Zug. Und da ich nur ganz vorne am Bahnhof Platz gefunden hatte, erwischte ich einen Platz ganz vorne im Zug. Im Gegensatz zu meinen bisher 60 Zugfahrten (seit August), wo ich stets die hinteren Abteile besetzte. Plötzlich bemerkte ich, als ich meine Tasche auf meine Oberschenkel stellte, dass meine Hose plötzlich nass wurde. Und dezent nach Eistee roch. Verdammt. Tasche auf den Boden. Eistee raus. Notebook raus. Abtrocknen so gut es ging. Notebook schief halten, damit die Flüssigkeit raus kann. Notebook einschalten. Puh. Funktionierte immer noch.
Nun denn. So gut wie es nur ging alles beseitigt. Die Eisteepackung weit weg gestellt. Plötzlich stand der Schaffner neben mir. Geldtasche raus. Karte hergezeigt. Geldtasche -. Ach, die Eisteepackung war umgekippt. Noch mal wischen. Puh. Die Taschentücher gingen mir fast aus. Notebook eingeschaltet lassen. Damit es nicht irgendwie den Geist aufgab. Endlich Ankunft am Pinsdorfer Bahnhof. Ich stand auf, nahm Notebook in die eine, den Eistee in die andere Hand und die Tasche legte ich um meinen Hals. Und während ich auf den Stillstand das Zuges wartete, denke ich mir, dass meine Geldtasche nicht am Stammplatz, in meiner Hose war. Verfolgungswahn versuchte ich mir einzureden. Alles nur Verfolgungswahn. Ausgestiegen, und nach Hause gegangen. Gerade heute konnte mich niemand abholen. Mitten auf dem Weg Selbstzweifel und die verzweifelte Suche in der Tasche. Keine Geldtasche da. Keine Geldtasche da. Keine — verdammt, das bedeutete: kein Führerschein da, keine Bankomatkarte, keine Bahn-Card, keine 30 €uro usw. Verdammt. Okay, jetzt in diesem Moment konnte ich auch nichts anderes tun. Ich ging nach Hause.
Zuhause das Notebook eingeschaltet. Weißer Bildschirm. Komplett weißer Bildschirm. Die Technik funzt. Der Bildschirm nicht mehr. Nur manchmal sieht man etwas Farbe … und kurzzeitig schaffte ich es sogar, das richtige Bild reinzubekommen. Dann entgültig Ende. Keine bzw. nur mehr sehr wenige Lebenszeichen auf dem Bildschirm. Doch Prozessor, Grafikkarte, Festplatte usw. funktionierten. Ach, verdammt. In meiner Verzweiflung versucht, meine Mutter zu überreden, dass sie bitteschön bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) anruft. Nein, ich sei schon alt genug. Stimmt.
Also rufe ich in Attnang-Puchheim, dem nächsten großen Bahnhof in meiner Nähe, an. An der Personenkasse. Dafür sei man nicht zuständig. Hätte man etwas verloren, dann müsse man die Security des Bahnhofes anrufen. Telefonnummer aufgeschrieben. Bei der Security angerufen. Ach, dafür sei man nicht zuständig, da gäbe es eine andere Nummer. Andere Nummer aufgeschrieben. Hinweis bekommen: nur am Vormittag erreichbar. Okay. Verdammt. Ganz leicht auf den Bildschirm meines Notebooks mit den Fingern getrommelt. Wut auf mich selbst und Verzweiflung wegen allem. Das unkontrollierte Werfen eine Parmesan-Raspel mit dem Ausruf „Verdammt“.
Psychisch total am Ende. Auf die Couch. Schlaf suchen. Von 17 Uhr bis 1 Uhr früh geschlafen. Aufgewacht. Notebook mit nach unten genommen. Immer wieder eingeschaltet. Immer wieder weißer Bildschirm. Verzweiflung. Gedanken an Liebe. Notebook immer wieder eingeschaltet. Nichts hat funktioniert. Den neuen Funkwecker von Amazon eingeschaltet. Fast hätte ich nicht mehr einschlafen können. Weil ich so wütend und traurig war. So enttäuscht von mir selbst und von diesem Tag. So verzweifelt und emotional frustriert. Irgendwann dann doch eingeschlafen.
Aufgewacht und wieder einmal gehofft. Notebook eingeschaltet, weißer Bildschirm. Dann beim Ankleiden und Wegfahren reflexartig kontrolliert, ob ich meine Geldbörse mithabe. Und meine alte Eastpack-Black&White-Umhängetasche mit dem aufgenähten Hakenkreuz-Mülli und dem roten Stern rausgesucht. Alles trockene reingepackt. Dann mindestens drei Mal den ganzen Zug nach dem Schaffner abgesucht. Niemanden gefunden. Erst am Bahnhof in Bad Goisern den Schaltermenschen gefunden. Ihm einen Zettel mit den wichtigsten Daten meiner Geldtasche und ihres Besitzers überreicht. Und immer noch hoffend.
Wie nennt man solche Tage? hoch21 meinte zu seinem Mittwoch:
Dies, meine Damen und Herren, ist einer dieser Tage! An denen man die Welt höflich dazu auffordern möchte, sich doch bitte selbst ins Knie zu ficken.
Ich bin mal so frech und übernehme das für meinen Donnerstag. Übrigens gibts auch noch einen kurzen Text auf hoch17. Hehe. Das ist vielleicht gemein. Am Ende eines langen Textes den Link für die Zusammenfassung nachzuposten.
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