Archiv für September 2007

Nacht.

Meine Haare greifen sich fettig an. Ich bin heute ungeduscht durch den Tag gegangen. Wobei man betonen muss, dass ich eigentlich viel zu oft den Schlaf suchte, den ich seit Samstag stetig vermisse. Manchmal habe ich ihn auch gefunden, habe Gedanken vermischt und die Zeit verwechselt.

Es war ein tolles Wochenende. Der Ball tat gut, und das Wiederaufeinandertreffen von ihr und mir scheint auch unserer Freundschaft wieder besser zu tun. Schon heute haben wir wieder miteinander gesprochen. Telefoniert und unser Leben geteilt. Es waren schöne Worte, die wir gewechselt haben. Pläne habe ich geschmiedet, für unser nächstes Treffen.

Die Zeit läuft. Als würden die letzten Sandkörnchen durch die Uhr fallen. So geht dieser Sonntag zu Ende. Und die Zeit bis zu diesem Tag. Die Angst weicht einer unruhigen Nervösität. Mir Arbeiten vorgenommen, um nicht untätig zuhause zu sitzen. Und einfach mal nur hoffen, dass alles gut geht. Dass mir das Schicksal gut gegenübersteht.

Heute acht Seiten mit der Hand geschrieben. In drei Kuverts verpackt. Vier Seiten für die lange wartende und geduldige Hannah. Zwei Seiten für Anna. Und zwei Weitere für Malte. Ich habe auch die beiden anderen Adressen für die Brieffreundschaften aufgegriffen. Um meine Briefesarmut zu bekämpfen.

Nun werde ich wohl endlich in mein Zimmer verschwinden. Und die nächsten sechs Stunden mit Schlafen verbringen. Die Nacht genießen, bis sie wieder zum Tag wird, zwar dunkel bleibt, aber den Wecker aktiviert. Mir die Decke über den Hals ziehen, The Verve im Replay All – Modus auf angenehmer Lautstärke zum Einschlafen und Aufwachen hören. Um dann den nächsten Tag, die zehnte Woche und den dritten Monat einsteigen zu können.

Counting. The Days.

Ein Versuch. Teil der Ablenkung. Flucht vor der Verantwortung. Drei Menschen überraschen. Versuchen, mein Gewissen zu beruhigen.

Nicht nur Hannah einen Antwortbrief schreiben. Nein, auch Anna und Malte den ersten Brief zukommen lassen. Und mich stark bei Hannah entschuldigen.

Und dann, irgendwann abends Englisch lernen. Einfach mal die Zetteln durchlesen und das Wichtigste aus den Büchern rausschreiben.

Minimale Einträge machen. hoch17 bevorzugen. In die musikalische Neon Wilderness abtauchen. Die Tage zählen.

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Du Und Deine Welt. ORG-Ball 07.

Mode

Man hat auf hoch17 meine Zweifel, meine Bedenken, meine Angst mitlesen können. Und ich bin dann doch gefahren. Auf einen Ball, auf dem ich augenscheinlich niemanden besser kenne, außer meiner Exfreundin. Angekommen. Den weiten Weg zum Eingang gemeistert. Und schon da kam die erste Hürde. Ich hatte keine Karte und wollte mir eine Abendkarte kaufen. Doch da schon zu viele Menschen drinnen waren, sollte ich nicht mehr hineinkommen. Die netten Securities aber machten eine Ausnahme, da ich ja nur alleine aufkreuzte. Und so kam auch ich auf diesen Ball. Die ersten die ich sah, war meine Exfreundin beim Rosenverkaufen.Und trotz unseres eigentlich freundschaftlichen Lebens fällt es ihr schwer, rein freundschaftliche Züge mir entgegenzubringen. Begrüßt mit einem kurzen Hallo und einem Lächeln, wohingegen mich ihre Freundin, eine Bekannte von mir, mit zwei Küssen auf die Wange begrüßte. Schon da dachte ich mir, warum es ihr wohl so schwer fällt. Ich kaufte, um … überraschend zu wirken, zehn Rosen. Und um sie an den Mann (bzw. die Frau) zu bringen war ich viel zu schüchtern, und deswegen verkaufte ich sie baldigst möglich weiter und spendierte den MaturantInnen diese zehn Euro.

Als ich aber bemerkte, dass meine Anwesenheit eher störend war, dass ich ungebetenes Anhängsel oder einfach der vernarrte, psychisch labile Exfreund war, machte ich mich vom Acker. Ohne zu wissen wohin. Plötzlich wurde ich von der Seite begrüßt. Lea war da. Eine Überraschung, obwohl es eigentlich doch nur das Logischste der Welt ist, da ja auch sie in diese Schule geht, und nächstes Jahr voraussichtlich maturieren wird. Sie und ihr Freund Markus wurden dann zu meinen Ballpartnern. Sie ließen mich nie wie das dritte Rad am Moped wirken. Es war lustig mit ihnen in der Kajüte zu chillen oder in der Reggae-Dancehall-Disco heftigst abzushaken. Und außerdem schien für Markus die beste Bezahlung für die folgende Heimfahrt durch mich, Getränke auf seine Kosten zu sein. Und so wurde ich schließlich mit Coke und Red Bull abgefüllt. Wer muss denn bitteschön noch schlafen? Und irgendwann, so um ca. 1 Uhr brachte ich die Beiden dann nach Hause. Lieferte sie ab und nach kurzer Überlegung fuhr ich wieder zurück zum Ball. Eine sehr überraschende Entscheidung für mich.

Denn nun kannte ich wirklich niemanden mehr außer meiner Exfreundin und ihren Freundinnen. Und da hinein wollte ich nicht platzen. Ich wäre ungebeten gewesen. Nein, das war mir schon im Gedanken unangenehm. Irgendwann kam aber sie zu mir her, wir unterhielten uns, beschissener Smalltalk, wie immer. Ob ich sie nach Hause fahren solle, fragte ich sie. Sie wich aus, meinte, sie hätte es mit ihrer Mutter schon ausgemacht. Um halb drei Uhr dann schien der Ball zu Ende zu gehen. Und Maria und ihre Freundinnen Lisa und Moni machten sich auf den Weg hinaus in die gemütliche Kälte. Und da der Shuttlebus schon bald fahren würde, habe ich dann die Beiden rasend schnell zum Bus gefahren. Und während Maria noch auf ihren Papa (plötzlich war es ihr Papa) warten musste, saßen wir im Auto. Sie am Rücksitz. Ich am Vordersitz. Ich habe ihr von meinem Donnerstag erzählt. Und gerade das ärgert mich nun. Ich hätte doch am liebsten nur geschwiegen. Einfach nichts gesagt. Bei den Klängen von The Verve. Wäre das zuviel verlangt gewesen. Wäre das auch nur ansatzweise falsch gewesen. Es wäre ein erinnerungswürdiger Abschluss des Tages geworden. Einfach nur Stille und das kurze Gefühl von Nähe. Mit den Engländern. Doch ich musste es vermasseln. Ich musste Worte fassen, die meine Angst ausdrücken sollten. Ich fürchte mich nämlich irgendwie auch vor einer solchen Stille.

Schon bald wurde sie abgeholt, ich verabschiedete mich von ihr. Nicht einmal ein Abschiedskuss auf die Wange. Nichts. Nur eine Gute Nacht. Ein Lächeln. Ein Auf Wiedersehen. Und ein Dankeschön. Tolle drei Minuten waren das. Trotz allem. Und dann machte auch ich mich auf den Heimweg. Vollgepumpt mit Coke und Energy fuhr ich im gemäßigten Tempo nach Hause. Habe auf dem Weg, die Kopfschmerzen verloren. Und fühle mich nun, nach diesem Ball sehr zufrieden.

:: Zum Ball

Im Gegensatz zu letztem Jahr war die Deko ein kleines bisschen besser. Durch die Bauweise des Veranstaltungszentrums war es natürlich wieder schwer, für alle MaturantInnen-Eltern einen guten Platz mit perfekter Sicht zu finden. Die Bars waren wie immer gut organisiert, wobei man bemerken muss, dass es schon fast traurig ist, dass an der Schülerbar um halb 11 das Red Bull aus war. Die Maturazeitung ist ebenfalls schön gestaltet, und bleibt dem Thema absolut treu. Die Securitys waren absolut nett, haben mich sogar hineingelassen, als eigentlich niemand mehr rein kam, der noch keine Karte hatte. Die Atmosphäre war um einiges besser als letztes Jahr. Ich muss zugeben, diesmal war ich sehr positiv überrascht. Und vor allem die Disco hat es mir heuer angetan.

Fakten:

Maturaball des OberstufenRealGymnasiums Vöcklabruck
29. September 2007
Veranstaltungszentrum ALFA Steyrermühl
Thema: Maturosen – Land in Sicht// der Gag liegt im Detail [[Mat(u)rosen] ]
Link 1

Und Alles Andre. War Egal Und. Längst Vergessen.

Die Welt beruhigt sich. Rund um mich. Und trotzdem bin ich unruhig, leicht gereizt und von Kopfschmerzen geplagt. Was ist los mit mir? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es diese eine Prüfung. Die eine am Mittwoch. Ich habe Angst. Im Hintergrund schnarcht mein Vater und im Fernseher läuft Richterin Barbara Salesch. Und langsam denke ich mir, ich freue mich auf den Winter. Freue mich auf Regen. Freue mich, wenn ich weg bin von hier. Ich habe Kopfweh, fühle mich eingeengt. Hasse mein Zimmer. Der Raum, in dem ich schlafe. Ich hasse meine Gedanken, Gefühle. Ich liebe es aber trotzdem. Mein Leben. Ich weiß nicht, was los ist.

Die Welt zusammenstürzen sehen. Mich selbst belügen. Anzug anziehen, mich gepflegt aus dem Haus begeben. Auf einen Ball gehen, auf dem ich nur eine Person wirklich gut kenne, und ich die anderen als gute Bekannte einordnen würde. Die ich das letzte Mal im Jänner gesehen habe. Nein, weitere Freunde sind nicht da. Ich bin alleine, in einer Menschenmenge. Irgendwann werde ich, wieder total nüchtern (natürlich) nach Hause fahren, ins Bett fallen und an meinen Gefühlen und Gedanken zu ersticken versuchen.

Die Welt baut sich neu auf. Doch es ist immer noch da. Es will nicht weggehen. Selbst jetzt nicht. Ich brauche Abstand. Mindestens zweieinhalb Stunden mit dem Zug muss ich weg um endlich mit allem abschließen zu können. Ich freue mich auf Wien. Wenn ich von hier weg bin. Meine Eltern nur mehr zwei Tage in der Woche sehe, und viele Menschen vielleicht nur mehr einmal im Monat. Wenn überhaupt. Darauf freue ich mich. Mit Kopfschmerzen. Dem Plan für diesen Abend. Und der Angst vor Gefühl und Gedanken.

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Stiller. Protest.

Protest

Durch Patsy Jones aufmerksam gemacht, habe ich mich daran gemacht, mich auf den vierten Oktober vorzubereiten. Denn nach den stillen Protest in Burma und dem brutalen Einschreiten des Militärs wartet man immer noch gespannt auf die Reaktionen von oben. Von den Staatsoberhäuptern, der Vereinten Nationen. Doch nichts scheint zu passieren.

Von Italien aus wandert nun eine Welle der Solidarität in der weltweiten Blogosphäre herauf. Im deutschsprachigen Raum durch Basic Thinking organisiert bzw. überblickt, wurde der vierte Oktober 2007 als der Tag eingehen, an dem jeder (der sich eben beiteiligen will) nur einen Blogpost veröffentlicht. Mit einem roten Bild. Den Worten „Free Burma!“ Und einigen Worten.

Ich habe alle meine aktiv genutzten Blogs upgedatet und darauf vorbereitet. Und beobachte nun, wie sich all das noch weiter entwickelt. Blogs galten bis zum Abschalten der Internetverbindung in Burma als eine der letzten Informationsquellen. Menschen bloggten, in der Gefahr, ihr Leben zu verlieren, schreckliche Bilder vom Aufeinandertreffen der Zivilisiten und des Militärs. Zeigen wir ein kleines bisschen Solidarität.

//Ich erwarte schon wieder das Aufschreien, was das alles bringen soll. Besser sich an einer weltweiten Blogaktion beteiligen, als nur zuzukucken und maulen, dass sowieso nichts getan wird.

Link 1 Link 2

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Es Hat Ja Nur. Besser. Werden Können.

Um möchte mich für den heutigen Tag, und seinem zweiten Eintrag nicht auf das Sprachliche reduzieren und mich mit umfangreicher Wortsuche auf den Weg in den Wahnsinn machen. Nein. Ich möchte nur mal erzählen, was los war und wie es mir ging. Und warum dieser Tag nicht mal annähernd so schlimm war, wie der Gestrige.

Von „Tötet. Den Eistee“: Aufgewacht und wieder einmal gehofft. Notebook eingeschaltet, weißer Bildschirm. Dann beim Ankleiden und Wegfahren reflexartig kontrolliert, ob ich meine Geldbörse mithabe. Und meine alte Eastpack-Black&White-Umhängetasche mit dem aufgenähten Hakenkreuz-Mülli und dem roten Stern rausgesucht. Alles trockene reingepackt. Dann mindestens drei Mal den ganzen Zug nach dem Schaffner abgesucht. Niemanden gefunden. Erst am Bahnhof in Bad Goisern den Schaltermenschen gefunden. Ihm einen Zettel mit den wichtigsten Daten meiner Geldtasche und ihres Besitzers überreicht. Und immer noch hoffend.

Anruf bekommen. Meine Geldbörse befindet sich in Linz (2 Stunden von Bad Goisern und eine Stunde von Pinsdorf entfernt). Mich gefreut und mich auch noch gewundert, wie ich denn nun nach Linz kommen sollte. Meinen Papa angerufen. Freudige Nachricht überbracht und den Vorschlag bekommen, heute Nachmittag zum Linzer Hauptbahnhof zu fahren.

Und dann wieder mal um 12 Uhr Schluss gemacht. Wieder, wie am Tag zuvor, am Unglückstag, in Bad Ischl in den Zug eingestiegen. Hobeton, einen Bekannten aus Gmunden, getroffen und mich zu ihm gesetzt. Langweiligen Smalltalk praktiziert, und mal wieder gewundert, wie nett er sein kann. Dann am Bahnhof angekommen, in Papas Auto gestiegen, zum Bahnhof gerast. Und dann dort angekommen. Zum Infopoint gegangen. Nur mal gesagt: Entschuldigung, ich habe gestern meine Geldbörse im Zug verloren. – Achso, wie ist ihr Name? – Leitner Dominik. Und schon passierte die Überreichung. Ich musste zwar vier Euro Bearbeitungsgebühr zahlen, war aber froh, dass wirklich alles, ob Führerschein, Geld (35 Euro) und alles andere, sich noch darin befanden.

Nach Hause gefahren. Nach Hause? Nein, in die Werkstatt. Das Auto meiner Schwester abgeholt und dann zu ihr gefahren. Mit meinem Papa dann schlussendlich nach Hause. Zu Mittag gegessen. Und dann noch Psychologie-Unterlagen zur Rahel gefahren.

Das Notebook funktioniert immer noch nicht. Ich werde es wohl oder über wieder in Reperatur schicken müssen. Wieder einmal. Ach verdammt. Aber alles in allem war der Tag um einiges besser als der gestrige. Wenigstens habe ich jetzt meine Geldtasche und meine Ausweise wieder. Gott sei Dank. Oder wem auch immer.

Tötet Den. Eistee.

  

Wer hat gestern einen wunderbaren Tag gehabt? *aufzeig*. Und wer hat da die schönen Seiten des Lebens gesehen? *aufzeig*. Und wer ist gerade betrunken? *aufzeig*.

Nein, nein. So ist es nun mal auch nicht. Ich bin nicht betrunken. Habe nicht die schönen Seiten des Lebens gesehen. Und ich habe – verdammt noch mal – sicherlich keinen wunderbaren Tag gehabt. Was war wohl mit mir geschehen. Ich weiß es nicht. Nein, falsch. Ich weiß es. Ich muss nur mal meine Gedanken ordnen.

Gestern war es schön. Die Sonne hat sich gezeigt. Es war angenehm warm. Und ich habe meine erste richtig große Aufgabe – sie überdauerte einen Monat – erledigt. Eine Fotosession mit MitarbeiterInnen und KlientInnen. Schnell noch die Fotoplakate für den Tag der offenen Tür in einer Sozialeinrichtung aufgeklebt (hoch lebe, Pattafix). Und dann durfte ich auch schon früher zum Zug. Angenehmer Tag eigentlich. Bis dahin. Dann hat der liebe Herr D. sich natürlich noch ein Hühnerschnitzel-Weckerlchen gekauft. Übrigens sehr überteuert. Und nach der Überlegung, dass der Nestea Eistee 0,5l 1,30 € und der Lipton Eistee 1l 1,30 € kostet, habe ich mir Lipton gekauft. In wenigen Minuten würde ich diesen Einkauf wohl dann bereuen.

Das Brötchen war lecker. Wirklich lecker. Trotz Tomate und Gurke. Und der Eistee, war kalt. Schließlich kam dann auch der Zug. Und da ich nur ganz vorne am Bahnhof Platz gefunden hatte, erwischte ich einen Platz ganz vorne im Zug. Im Gegensatz zu meinen bisher 60 Zugfahrten (seit August), wo ich stets die hinteren Abteile besetzte. Plötzlich bemerkte ich, als ich meine Tasche auf meine Oberschenkel stellte, dass meine Hose plötzlich nass wurde. Und dezent nach Eistee roch. Verdammt. Tasche auf den Boden. Eistee raus. Notebook raus. Abtrocknen so gut es ging. Notebook schief halten, damit die Flüssigkeit raus kann. Notebook einschalten. Puh. Funktionierte immer noch.

Nun denn. So gut wie es nur ging alles beseitigt. Die Eisteepackung weit weg gestellt. Plötzlich stand der Schaffner neben mir. Geldtasche raus. Karte hergezeigt. Geldtasche -. Ach, die Eisteepackung war umgekippt. Noch mal wischen. Puh. Die Taschentücher gingen mir fast aus. Notebook eingeschaltet lassen. Damit es nicht irgendwie den Geist aufgab. Endlich Ankunft am Pinsdorfer Bahnhof. Ich stand auf, nahm Notebook in die eine, den Eistee in die andere Hand und die Tasche legte ich um meinen Hals. Und während ich auf den Stillstand das Zuges wartete, denke ich mir, dass meine Geldtasche nicht am Stammplatz, in meiner Hose war. Verfolgungswahn versuchte ich mir einzureden. Alles nur Verfolgungswahn. Ausgestiegen, und nach Hause gegangen. Gerade heute konnte mich niemand abholen. Mitten auf dem Weg Selbstzweifel und die verzweifelte Suche in der Tasche. Keine Geldtasche da. Keine Geldtasche da. Keine — verdammt, das bedeutete: kein Führerschein da, keine Bankomatkarte, keine Bahn-Card, keine 30 €uro usw. Verdammt. Okay, jetzt in diesem Moment konnte ich auch nichts anderes tun. Ich ging nach Hause.

Zuhause das Notebook eingeschaltet. Weißer Bildschirm. Komplett weißer Bildschirm. Die Technik funzt. Der Bildschirm nicht mehr. Nur manchmal sieht man etwas Farbe … und kurzzeitig schaffte ich es sogar, das richtige Bild reinzubekommen. Dann entgültig Ende. Keine bzw. nur mehr sehr wenige Lebenszeichen auf dem Bildschirm. Doch Prozessor, Grafikkarte, Festplatte usw. funktionierten. Ach, verdammt. In meiner Verzweiflung versucht, meine Mutter zu überreden, dass sie bitteschön bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) anruft. Nein, ich sei schon alt genug. Stimmt.

Also rufe ich in Attnang-Puchheim, dem nächsten großen Bahnhof in meiner Nähe, an. An der Personenkasse. Dafür sei man nicht zuständig. Hätte man etwas verloren, dann müsse man die Security des Bahnhofes anrufen. Telefonnummer aufgeschrieben. Bei der Security angerufen. Ach, dafür sei man nicht zuständig, da gäbe es eine andere Nummer. Andere Nummer aufgeschrieben. Hinweis bekommen: nur am Vormittag erreichbar. Okay. Verdammt. Ganz leicht auf den Bildschirm meines Notebooks mit den Fingern getrommelt. Wut auf mich selbst und Verzweiflung wegen allem. Das unkontrollierte Werfen eine Parmesan-Raspel mit dem Ausruf „Verdammt“.

Psychisch total am Ende. Auf die Couch. Schlaf suchen. Von 17 Uhr bis 1 Uhr früh geschlafen. Aufgewacht. Notebook mit nach unten genommen. Immer wieder eingeschaltet. Immer wieder weißer Bildschirm. Verzweiflung. Gedanken an Liebe. Notebook immer wieder eingeschaltet. Nichts hat funktioniert. Den neuen Funkwecker von Amazon eingeschaltet. Fast hätte ich nicht mehr einschlafen können. Weil ich so wütend und traurig war. So enttäuscht von mir selbst und von diesem Tag. So verzweifelt und emotional frustriert. Irgendwann dann doch eingeschlafen.

Aufgewacht und wieder einmal gehofft. Notebook eingeschaltet, weißer Bildschirm. Dann beim Ankleiden und Wegfahren reflexartig kontrolliert, ob ich meine Geldbörse mithabe. Und meine alte Eastpack-Black&White-Umhängetasche mit dem aufgenähten Hakenkreuz-Mülli und dem roten Stern rausgesucht. Alles trockene reingepackt. Dann mindestens drei Mal den ganzen Zug nach dem Schaffner abgesucht. Niemanden gefunden. Erst am Bahnhof in Bad Goisern den Schaltermenschen gefunden. Ihm einen Zettel mit den wichtigsten Daten meiner Geldtasche und ihres Besitzers überreicht. Und immer noch hoffend.

Wie nennt man solche Tage? hoch21 meinte zu seinem Mittwoch:

Dies, meine Damen und Herren, ist einer dieser Tage! An denen man die Welt höflich dazu auffordern möchte, sich doch bitte selbst ins Knie zu ficken.

Ich bin mal so frech und übernehme das für meinen Donnerstag. Übrigens gibts auch noch einen kurzen Text auf hoch17. Hehe. Das ist vielleicht gemein. Am Ende eines langen Textes den Link für die Zusammenfassung nachzuposten.

Warum Fühlt.

Nächsten Mittwoch. Mein entgültig großer Tag. Mit der Ahnung, dass es nicht einfach werden würde. Oft auf Englisch geschrieben. Die Bücher gelesen. Mich vorbereitet. Im Glauben, dass jetzt eigentlich alles hinhauen müsse. Und dann zehn Tage vor diesem einen kleinen dritten Oktober der große Bammel. Angst. Zweifel. Unruhe. Aufregung. Warum fühlt.

Keine Nächte mehr normal verbringen wollen. Die letzten fünf Tage ständig unterwegs. Gestern zum zweiten Mal in Folge im Kino. Nach dem großen Ausverkauf das Ultimatum. Mit Sarah im großen Saal im Star Movie Kino. Spannend gegen den Schlaf gekämpft, von der Führung der Handkamera überflutet worden und doch befunden, dass es ein sehr guter Film ist. Dann noch schnell in der Spielhalle geplayt. Dann ins Auto. Dann nach Hause. Nicht schlafen können. Wach liegen. Bloggen. Denken. The Verve. Warum fühlt.

Überlegt. Wurstfachverkäuferin. Das letzte Mal letzten Donnerstag gesehen. Seither das Geschäft gemieden. Vernunft in den Blickwinkel des Lebens geholt. Aber doch manchmal einige einschneidende Gedanken. Entlieben ist das falsche Wort. Es war nicht Liebe. Ich war verliebt. Ich entverliebe mich. Aber auch das ist schwer. Und meine Gedanken sind doch immer wo anders. Sie waren immer woanders. Und werden es bis, ich weiß nicht wann, dort sein. Warum fühlt.

Dreams are my reality. Hochschrecken. Angst. Melancholie. Fast Tränen. Angst. Wieder einschlafen. Konfrontiert mit Liebe. Suche nach Ablenkung. Überspielte Traurigkeit gepaart mit gespielter Fröhlichkeit. Kein Lächeln. Die letzten Umarmungen, längeren Umarmungen von meinem Neffen, 1 Jahr und 3 Monate alt, bekommen. Mich zu diesem Zeitpunkt unendlich glücklich gefühlt. Es fehlt etwas. Warum fühlt.

Warum.

Warum.

Warum fühlt.

Warum fühlt es sich so leer an.

Zuerst Kam Der. Und Dann Kam Der. Und Am Ende. Ein Ganzer.

Du hältst die Luft an. Um Zeit zu sparen. Und das Leben am seidenen Faden zu spüren. Mit kaminrotem Kopf und einem lautem Geräusch atmest du die Luft wieder aus und erfreust dich am zurückkehrenden Rythmus. Dann trinkst du noch schnell einen Kaffee und genehmigst dir nun schon den dritten Kaugummi. Hörst zum zwanzigsten Mal Radiowerbung.

Und könntest dieser einen Praktikantin den Hals umdrehen. Die zwar gehandicapt ist, aber es ist doch bitte keine Ausrede, dass man ständig wirklich nur nervt, nur weil man im Rollstuhl sitzt. So neugierig wie sie ist. Ständig möchte sie auf deinen Bildschirm kucken, um zu sehen was du machst. Du bekommst Verfolgungswahn. Panik. Und Wut. Manchmal fragst du dich schon, wieso das Ganze. Aber egal. Du bist Zivildiener. Recht viel mehr kannst du nicht tun. Aber irgendwann, da bist du dir sicher, da platzt dir der Kragen.

Jetzt musst du noch mal schnell mit dem Auto wegfahren. Das machen und dort hinfahren. Sitzengelassen werden. Wütend aber doch irgendwie besänftigt wieder zurückfahren. Und dann gleich wieder einen Kaffee runterkippen. Nun wartest du, dass es Zeit wird, zu gehen. Hoffst auf Regen. Du bist ein verrückter Mensch. Und tu nicht so, als würde es dich interessieren, was dir jemand erzählt. Du bist ein desinteressierter Mensch, bist du. Ja.

Das Gefühl. Der Ausgelöschten Vergangenheit.

Seit 30. August wanderte mein Notebook durch die verschiedensten Hände. Zuerst die Firma, bei der ich es vor etwas weniger als zwei Jahren gekauft hatte. Dann zu der Herstellerfirma Maxdata. Bis ich es heute wieder in meinen eigenen Händen halten durfte und mich eigentlich freuen sollte. Aber ich konnte es einfach nicht.

Eigentlich waren es nur drei kleine Makel. Die K-Taste fehlte, der Lüfter schaltete sich manchmal gar nicht ein und das Touchpad war inaktiv. Was ja nicht so schlimm war. Das K konnte ich trotzdem schreiben. Der Lüfter schaltete sich mit Anstupsen ein. Und meistens arbeitete ich mit Maus. Oder eigentlich immer. Aber mein Vater meinte, dass ich jetzt noch Garantie hätte und ich es schließlich einschicken müsse.

Es waren harte Tage ohne meinem Notebook. Aber ich schaffte es dann eben doch immer, online zu sein. Und irgendwie etwas zu schreiben. Irgendetwas online zu stellen. Nur eben nicht in dieser Exzessivitiät wie man es eben von mir gewohnt war. Mir sollte es recht sein. Und heute bekam ich ihn eben wieder zurück.

Mein Vater scherzte noch, dass die Firma mein Notebook formatieren hatte müssen. Ich habe es ihm nicht geglaubt, war mir aber auch nicht ganz sicher. Und startete das Notebook. Alles gelöscht. Zwei Jahre Fotos. So um die zehn bis fünfzehn Gigabyte nur Bilder. Erinnerungen. Zwanzig bis dreißig Gigabyte Musik. Eine wunderbare Auswahl genialster Musik. Erinnerungen. Alles weg. Meine Texte. Meine Geschichte. All meine Dokumente. Gelöscht.

Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Mir ist erstens mal der Appetit vergangen. Dann war ich wütend auf Maxdata, und bin es auch immer noch. Und nun denn, was soll ich tun. Jetzt habe ich mir meine wichtigsten Dinge wieder downgeloadet. Flock als Browser, Q10 als Schreiberprogramm, OpenOffice als Office-Compilation und ICQ.Es ist hart.

Aber was soll ich tun. Mir eine Maxdata-Voodoopuppe kaufen? Klagen? Weinen? Schlagen? Oder endlich mal wieder mit meinem eigenen Computer arbeiten.

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