
Ihr, liebe regelmäßige Leser meiner Geschichtsstunde über das Leben eines Herrn Dominiks wisst es ja. Man hat es nicht leicht als Zivildiener. Man muss früh aufstehen. Kommt erst nach zwölf total munter verbrachten Stunden wieder nach Hause. Und möchte dann gemütlich mit allen reden. Wie mein Tag war? Gut, langweilig, schön … was weiß ich. Solche beschissenen Smalltalk-Gespräche verachte ich nur mit Menschen, die ich kaum kenne, für die sich aber gerade eben so ein Smalltalk anbieten würde. Aber bei mir funktioniert das nur mit den Eltern. Wenn ich mit meiner Mutter und manchmal auch mit meinen Papa alleine zuhause bin, dann kann ich auch Tiefgründigeres bereden.
Aber ich will nichts. Will kein lauteres Gespräch. Ich überbrücke schön langsam den Weg bis zu meinem Bett. Bis ich die Nacht wiederfinde, oder besser gesagt sie mich. Und dann freut man sich doch wieder, wenn wenn ein Tag vorüber ist. Manchmal aber, vor allem seit kurzem, ist diese gemütliche Ruhe gestört.
Die Problematik bei der Kindergartenrenovierung habe ich von Montag weg bis Mittwoch zu hören bekommen. Meine Mutter hat es mir erzählt. Ich habe ihr in vielen Dingen zugestimmt. Und dann kam mein Papa nach Hause, und irgendwie wurde dann lauter diskutiert.
Und dann heute. Schon als ich meine Mutter anrief, was ich den heute zu essen bekommen würde, sagte sie mir, dass es nun entgültig aus sei. Zwischen meiner Schwester und ihrem Freund. Es gab schon länger Komplikationen in der Beziehung. Ich weiß, ich sollte es hier nicht schreiben. Vielleicht bin ich auch gar nicht berechtigt. Aber es ist mir egal. Es ist mein Blog, es sind meine Worte, und ihr mit eurem verdammten Streit durchquert meine Privatssphäre. Also darf ich das hier auch erzählen. Meine bescheuerte Schwester hat ihren (Noch-)Freund vor die Tür gesetzt. Hat seine Sachen gepackt, und er kann nun nicht mehr in die gemeinsam renovierte und bezahlte Wohnung. Schön und gut. Wäre mir ja egal, solange das Problem in Traunkirchen bleiben würde. Aber nein.
Meine Mutter redet mit dem Freund meiner Schwester. Mit meiner Schwester. Erklärt mir alles. Und meinen Papa. Mein Papa rastet aus, stellt meiner Schwester Bedingungen. Will endlich mal wissen, um was es eigentlich geht. Usw. Laute Diskussion und pures Entsetzen.
Und Dominik sitzt da daneben. Möchte seine Ruhe, möchte gemütlich in befreundeten Blogs stöbern. Möchte innerlich schlafen und nach außen hin eckige Augen vom Notebookbildschirm bekommen. Aber selbst die Kopfhörer im Kopf, selbst die Decemberists mit ihrer grandiosen Musik schaffen es nicht, den Streit an mir vorbeiziehen zu sehen. Nein. Ich bin sozusagen involviert. Und werde um meine ruhigen Abende betrogen.
Ach fickt euch doch alle. Michaela, du, die nie etwas auf die Reihe bringt. Die zwar einen Sohn hat, aber immer noch zu unreif ist, um richtig zu leben. Die einen Männerverschleiß hat, der nicht mehr schön ist. Die von der baldigen Hochzeit und allem redet, von einem zweiten Kind. Gerade als die Umzugskartons bereitstehen. Und nach zwei Monaten in der Wohnung ihren Freund so fertig macht, dass er eine Auszeit braucht. Verdammt, fick dich. Ronny. Sag doch mal endlich. Auch wenn du nicht der Typ bist, aber schrei Michaela mal so richtig an. Sag ihr wie bescheuert sie ist. Sie wird es sonst nie kapieren. Fick dich, Papa. Der glaubt, mit Lautstärke und Herumschreien alles besser machen zu können.
Was mir bleibt. Timi, mein Neffe. Und meine Mama. Die dann doch wieder das Sprachrohr, das Sorgenkissen aller ist. Auch wenn ich diese Rolle seit kurzem für meine Mama übernehme. Und das liebend gerne. Und es kommt wieder das Gefühl, dass ich liebe in Bad Goisern wäre. Nicht in diesem Haus. Auch wenn ich kein Dach unter dem Kopf hätte, ich wäre in Kontakt mit relativ normalen Menschen. Wie eben Goiserer so sind … Zuhause fühle ich mich hier zumindest nicht gerade …
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